Tennis
Schummeln für Maria Scharapowa – bei ihrer Rückkehr geht es vor allem um Geld

Bei der Rückkehr von Maria Scharapowa nach dem Dopingskandal geht es um Kompromisse, Interessen von Sponsoren und um Geld.

Simon Häring
Drucken
«Ich bin eine sanfte Seele. Ich bin nicht aus Wut, Feindseligkeit oder Missgunst», sagt Maria Scharapowa.

«Ich bin eine sanfte Seele. Ich bin nicht aus Wut, Feindseligkeit oder Missgunst», sagt Maria Scharapowa.

Keystone

Obwohl sie seit Januar 2016 kein Spiel mehr bestritten hat, dominiert die Russin Maria Scharapowa (30) seit Tagen die Schlagzeilen. Wegen der Einnahme des seit 1. Januar 2016 auf der Dopingliste geführten Herz-Kreislauf-Medikaments Meldonium wurde sie zunächst für zwei Jahre gesperrt.

Im Rekursverfahren vor dem internationalen Sportgerichtshof TAS in Lausanne erwirkte die fünffache Grand-Slam-Siegerin eine Reduktion auf 15 Monate. Am Mittwoch, 26. April, läuft die Sperre ab.

Am gleichen Tag läuft Scharapowa in der Stuttgarter Porsche-Arena für ihre Erstrundenpartie gegen die Italienerin Roberta Vinci (34, WTA 37) auf dem Center Court ein.Ermöglicht hat dies Turnierdirektor Markus Günthardt (59), der Bruder des Schweizer Fed-Cup-Captains.

So gestand Scharapowa, dass sie positiv getestet wurde:

Doping: Tennisstar Maria Scharapowa beichtet an einer Pressekonferenz, dass sie positiv getestet wurde
7 Bilder
Der Tennisstar beichtet, dass sie an den Australian Open positiv getestet wurde.
Die Medien spekulierten vorgängig, ob sie zurücktreten werde.
Niemand rechnete mit einem Doping-Fall.
Scharapowa ist sichtlich aufgewirbelt.
An den Australian Open erwischt: Maria Scharapowa.

Doping: Tennisstar Maria Scharapowa beichtet an einer Pressekonferenz, dass sie positiv getestet wurde

keystone

Für offizielle Termine steht Scharapowa nicht zur Verfügung. Sie durfte nicht einmal auf der Anlage trainieren. Dass sie in Stuttgart überhaupt antreten darf, ist einem Kunstgriff geschuldet, denn die Sperre läuft ab, währenddem das Turnier in Stuttgart schon läuft. Am 6. Oktober 2016 hatte die Profi-Vereinigung WTA erklärt, Scharapowa sei dort nicht spielberechtigt.

Am 10. Januar wurde der Eintrag klammheimlich abgeändert. Demnach dürfe die dreifache Siegerin antreten, wenn sie erst nach Ablauf der Sperre ihren ersten Einsatz hat. Schummeln für Scharapowa. Günthardt sieht das anders: «Wir können die Erregung teilweise nicht nachvollziehen. Die Strafe ist verbüsst und der Fehler gesühnt», sagt der ehemalige Profi.

Hobby-Spieler den Platz geklaut

Scharapowa selber weilt bereits seit Tagen in Stuttgart. Mit Trainer Sven Groeneveld bereitet sie sich in der Halle des SV Sillenbuch 1892 auf das Turnier vor. Lange unerkannt bleibt sie dort nicht. Ihr Spiel und das Stöhnen verrät sie. Gegrüsst habe die Russin nicht, beschwert sich ein Klubmitglied in der Stuttgarter Lokalpresse. Ein anderes Mitglied ist verstimmt, weil der gebuchte Platz belegt ist: «Ich will mein Geld zurück.»

Hinter den Kulissen wird trotz ruhenden Vertrags bereits die nächste Werbekampagne mit Porsche vorbereitet, dem Hauptsponsor des Stuttgarter Turniers. Gestern weilte Scharapowa in der Manufaktur des Autoherstellers. Das alles ist dem ohnehin stark ramponierten Ansehen nicht zuträglich. «Maria ist arrogant und kalt. Sie ist eine durch und durch unsympathische Person», sagt Dominika Cibulkova.

«Ich kann mich nicht einmal mehr an sie erinnern», übt sich French-Open-Siegerin Garbine Muguruza in Zynismus. Sie alle plädieren dafür, dass Scharapowa sich auf kleinen Turnieren zurückkämpfen solle. Erhalte sie überall eine Wildcard, nehme sie Jungen und solchen, die aus einer Verletzungspause zurückkehren, den Platz weg.

Scharapowa hat wenige Freunde

Scharapowa selber lässt die Kritik an sich abprallen. «Was andere denken, ist mein kleinstes Problem. Ich trage eine Rüstung, seit ich ein Kind war - mein ganzes Leben lang. Ich bin eine sanfte Seele. Ich bin nicht aus Wut, Feindseligkeit oder Missgunst», sagt sie in einem Interview mit dem «Stern». Sie müsse nicht von allen geliebt werden.

Sie wisse, dass sie respektiert werde. «Das reicht mir.» Ihre Welt aber ist klein geworden. «Ich habe nicht viele Freunde. Vielleicht fünf.» Bei der Rückkehr Scharapowas, die auch für Madrid und Rom eine Wildcard erhalten hat, geht es vor allem um eines: Geld.

Serena Williams (l.) und Maria Scharapowa sind Identifikationsfiguren des Frauentennis.

Serena Williams (l.) und Maria Scharapowa sind Identifikationsfiguren des Frauentennis.

Keystone

Seit Jahren fehlen im Frauentennis die Gesichter und Rivalitäten. Scharapowa hat letztmals vor 13 Jahren gegen Serena Williams gewonnen, die wegen ihrer Schwangerschaft erst im kommenden Jahr zurückkehrt.

Den Verdacht, es gehe um Aufmerksamkeit, weist Günthardt von sich: «Maria hat so viel für dieses Turnier und die Popularität des Frauentennis geleistet, dass ich ihr diese Wildcard mit sehr gutem Gewissen gebe.» Die Rückkehr sei sportlich und emotional ein Höhepunkt.

Dilemma am French Open

Am 15. Mai entscheidet der französische Tennisverband FFT, ob Scharapowa für die French Open eine Wildcard erhält. Beim Präsidenten, Bernard Giudicelli, hat sie persönlich vorgesprochen. Er spricht von Integrität und einem Dilemma, sagt aber auch: «Maria Scharapowa kann man nicht ignorieren.»

So kommt es wohl zu einem Kompromiss. Heisst: Die zweifache Siegerin bestreitet mit einer Wildcard die Qualifikation. Schummeln für Scharapowa. Auch in Paris.

Aktuelle Nachrichten