Playoffs

Schafft der ZSC nächste Saison nicht die Wende, drohen die Playouts

Vom Champions-League-Sieger zur Versager-Truppe. Der ZSC scheitert zum dritten Mal in Folge in den Playoff-Viertelfinals. Lesen Sie hier, was ZSC-Sportchef Edgar Salis tun muss, damit die Löwen nächste Saison nicht in den Playouts landen.

Selten verlief der sportliche Niedergang eines Schweizer Eishockeyklubs so schnell, wie derjenige der ZSC Lions. 2008 wurde die Stimmungsmannschaft aus dem Zürcher Hallenstadion nach einem dramatischen sechsten Playoff-Finalspiel gegen Servette-Genf letztmals Schweizer Meister.

Dritte Playoff-Pleite in Serie

Monate später gelang dem Verein ein weiterer Erfolg - diesmal für die Geschichtsbücher. In der bisher einzigen Eishockey-Champions-League-Ausgabe triumphierte die Mannschaft im Endspiel gegen die übermächtige russische Mannschaft Magnitogorsk. 2009 setzte das Team um den heutigen Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Sean Simpson dem Erfolg die Krone auf, als die Löwen im Victoria-Cup die NHL-Stars der Chicago Blackhawks niederrangen.

Seither geht es mit dem Traditionsverein steil bergab. Bereits zum dritten Mal in Serie verloren die ZSC Lions eine Playoff-Viertelfinal-Serie. Dieser anhaltende Misserfolg muss bei der ZSC-Führung dazu führen, einen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit anzustreben; Und dies sind die drängendsten Massnahmen der ZSC-Führung im Hinblick auf die nächste Saison:

Massnahme 1: Die Verteidigung verstärken

Kloten-Captain Victor Stancescu kann in der Verlängerung unbedrängt auf ZSC-Torwart Ari Sulander losziehen. Als sich immer noch kein ZSC-Verteidiger für Stancescu zuständig fühlt, fasst sich der Klotener ein Herz und schiesst die Flyers mit seinem zweiten Tor in die Playoff-Halbfinals.

Diese Szene im letzten Playoff-Viertelfinal-Spiel spiegelt die gesamte Saison der ZSC Lions wieder. Während der gesamten Qualifikation unterliefen den Abwehrspielern unerklärliche Aussetzer. Die teuer eingekauften Verteidiger Cory Murphy und Duvie Westcott können als Fehltransfers bezeichnet werden. Während Murphy sein Spiel im Verlauf der Saison auf bescheidenem Niveau stabilisieren konnte, brillierte Westcott mit Fehlpässen und Schlägereien. In den Spielen zwei und drei der Playoff-Serie gegen Kloten konnte sich Westcott zwar kurzzeitig steigern, fiel aber gleich danach wieder in alte Muster zurück.

Lediglich Nationalspieler Mathias Seger gelang es, sein Leistungspotential abzurufen. Mit seinem unermüdlichen Kampfgeist versuchte der Führungsspieler die Löcher in der Defensive zu stopfen und die teilweise haarsträubenden Fehler seiner Teamkollegen auszumerzen. Das Problem: Wenn der ZSC in den nächsten Jahren wieder Meister werden will, wird ein Verteidiger mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten nicht ausreichen. Die Folge: ZSC-Sportchef Edgar Salis muss in der Defensive für Stabilität und Qualitätstransfers sorgen. Zwar ist der Schweizer Transfermarkt im defensiven Bereich ausgetrocknet, für die erfolgsverwöhnten Zürcher darf dieser Umstand jedoch keine Ausrede sein. Der ZSC wird seine «Transfer-Kriegskasse» sehr schnell aufstocken können. Schliesslich verfügt der Verein mit Walter Frey über einen finanziell potenten Mäzen.

Zudem kommt den Löwen entgegen, dass Severin Blindenbacher in Nordamerika unglücklich ist. Der Nationalspieler wurde von den Dallas Stars faktisch ausgemustert und dümpelt jetzt in dessen Farmteam umher. Neben Blindenbacher muss auch EV-Zug-Verteidiger Raffael Diaz für den ZSC zum Thema werden. Diaz spielt eine überragende Saison und übernimmt somit die Rolle eines fünften Ausländers. Die Frage ist einzig, ob sich der ZSC Diaz leisten will oder kann.

Darüber hinaus muss ZSC-Sportchef Edgar Salis in der Abwehr auch auf die Suche nach Ergänzungsspielern gehen, denn der Mannschaft droht in der Defensive der komplette Kollaps. Westcott und Murphy werden den Verein wohl verlassen müssen und Pascal Müller wie auch Philippe Schelling stehen mit Konkurrenten in Verhandlungen.

Massnahme 2: Sportchef Salis und Geschäftsführer Zahner müssen sich selbst hinterfragen

Ausgenommen von Lukas Flüeler, Mathias Seger und Stürmer Monnet muss die gesamte Mannschaft in Frage gestellt werden. Dies schliesst auch die Vereinsführung selbst mit ein - allen voran Sportchef Edgar Salis. Der einstige ZSC-Verteidiger hat es nicht geschafft, Stabilität und Erfolg ins Hallenstadion zu tragen - im Gegenteil: Nach dem Abgang von Erfolgstrainer Sean Simpson wurde dessen Assistent Colin Muller nach Misserfolgen in der Qualifikation ausgewechselt und durch Star-Trainer Bent-Ake Gustafsson ersetzt. Nach dem Scheitern gegen Kloten ist davon auszugehen, dass der Olympiasieger Zürich verlassen wird. Die ZSC Lions benötigen dringend einen Trainer mit Ausstrahlung. Arno Del Curto gehört zu dieser Sorte Trainer. Aber auch ein junger, unverbrauchter Trainer, wie John Fust bei Langnau kann bei den Lions die Wende schaffen. Der Grund: Ein Nobody hat nichts zu verlieren.

Neben den Fehlbesetzungen im Trainerbereich setzte Salis in dieser Saison auf überalterte Spieler wie Westcott, Murphy, Ziegler und Paterlini. Damit ist Salis der einzige Sportchef, welcher durch Fehltransfers die Mannschaft älter und langsamer gemacht hat. Modernes Eishockey wird jedoch dominiert von jungen, schnellen und kreativen Spielern. Auch die Rolle von Geschäftsführer Peter Zahner muss überdacht werden. Derzeit kümmert sich Zahner lieber um das langsam voranschreitende Stadionprojekt in Zürich Altstetten, als Sportchef Salis über die Schultern zu schauen.

Massnahme 3: Die Offensive mit Kreativität ausstatten

Eines konnten die ZSC-Supporter den Spielern während der Saison nie vorwerfen: Mangelndes Engagement. Die Löwen rackerten und kämpften um jede Scheibe. Jedoch zeigte sich in den Playoffs auf eklatante Art und Weise, dass der aktuellen Mannschaft die spielerische Klasse fehlt, um eine Playoff-Serie für sich entscheiden zu können. Dies hat einen direkten Zusammenhang mit der verfehlten Transferpolitik von Sportchef Edgar Salis. Die verpflichteten Thierry Paterlini und Thomas Ziegler sind genauso überaltert wie die Verteidiger Westcott und Murphy und zehrten in dieser Saison nur noch vom Ruhm vergangener Schlachten mit der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft unter dem ehemaligen Trainer Ralph Krueger.

Adrian Wichser - bezahlt um Tore zu erzielen - gelang es auch nicht, seine Formbaisse rechtzeitig zu den Playoffs zu korrigieren. Selbst NHL-Rückkehrer Andres Ambühl scheint sich für die ZSC Lions als Transferflopp zu entpuppen. Der «Bandenfräser» tummelte sich lieber an den Banden, als den direkten Weg vor das gegnerische Tor zu suchen. Diese mangelnde Kreativität war neben der mangelhaften Defensive massgeblich für das Ausscheiden gegen die Kloten Flyers mitverantwortlich. Die Lions mussten für ein Tor überdurchschnittlich hohen Aufwand betreiben. Diese verloren gegangene Kraft fehlte daraufhin in wichtigen Playoff-Partien. Somit liegt es auf der Hand, in der Offensive nach kreativen Elementen zu suchen. Da Schweizer Spieler mit spielerischer Klasse und Torinstinkt Mangelware sind, muss die ZSC-Führung im Ausland nach diesem Spielermaterial suchen.

Fazit - Wende oder Playouts:

Eines ist klar: Gelingt dem ZSC auf nächste Saison nicht die Wende, droht den Zürchern dasselbe Schicksal wie dem einst stolzen HC Lugano. Zur Erinnerung: Der Serienmeister kämpft derzeit in den Playouts gegen den Abstieg.

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