NHL
Saison der Wahrheit: Für neun Schweizer geht es diese Saison um einen neuen NHL-Vertrag

Die NHL-Verträge von neun Schweizern laufen im kommenden Frühling aus. Für Nino Niederreiter lockt ein lukrativer Vertrag - auch Mark Streit hat Chancen, seine Karriere in Übersee zu verlängern. Für alle Anderen wird es zur Saison der Wahrheit. Neue Jobs locken ab nächstem Jahr in Las Vegas.

Klaus Zaugg
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Joel Vermin und Tanner Richard müssen die Saison beim hochkarätig besetzten Tampa Bay in der AHL in Angriff nehmen.
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Joel Vermin wird sich für einen neuen Vertrag in Nordamerika empfehlen müssen.
Für ihn stehen die Zeichen nicht schlecht: Sven Andrighetto hat das Talent um in der NHL zu bestehen, wird es aber diese Saison bestätigen müssen.
Dean Kukan steckt noch in den Kinderschuhen seiner Nordamerika-Karriere und beginnt erst einmal in der AHL.
Yannick Weber läuft diese Saison neu im Dress von Nashville, als Teamkollege von Josi und Fiala auf. Seine NHL-Zukunftsperspektiven sind gut.
Auch Mirco Müller beginnt die Saison in der AHL. Das junge Talent hat Ptential.
Schwieriges Los für Reto Berra: In Florida ist er nur noch die Nummer drei. Käme die Chance in der NHL müsste er sie packen. Eine mögliche Alternative könnte Las Vegas sein.
Nino Niederreiter hat sich in der NHL durchgesetzt und wird im Frühling im Falle einer guten Saison einen lukrativen Vertrag erhalten.
El Niño im Dress der Schweizer Nationalmannschaft.
Mark Streit ist mit 39 Jahren der zwölftälteste NHL-Spieler. Dennoch könnte er, wenn er denn will, womöglich noch ein bis zwei Jahre in Übersee anhängen.
Die neun Schweizer mit auslaufendem NHL-Vertrag

Joel Vermin und Tanner Richard müssen die Saison beim hochkarätig besetzten Tampa Bay in der AHL in Angriff nehmen.

KEYSTONE/AP/PAUL SANCYA

Der eine ist erst 23 Jahre alt, der andere bereits 38 – trotzdem ist die Ausgangslage für Stürmer Nino Niederreiter (Minnesota) und Verteidiger Mark Streit (Philadelphia) gleich: Ihre NHL-Verträge laufen Ende der in der Nacht auf Donnerstag beginnenden Saison aus.

Niederreiter und Streit sind damit aber nicht alleine. Sieben weiteren Schweizern geht es wie ihnen. Es sind dies der Torhüter Reto Berra (29, Florida), die Verteidiger Mirco Müller (20, San José), Yannick Weber (27, Nashville) und Dean Kukan (23, Columbus), sowie die Stürmer Sven Andrighetto (22, Montreal), Joel Vermin (24, Tampa) und Tanner Richard (23, Tampa).

Streit, Weber und Berra werden nach Vertragsablauf sogenannte «free agents» sein. Also Spieler, die ihren neuen Arbeitgeber frei wählen können. Für Berra, der die Saison im Farmteam beginnt, ist zwar eine vorzeitige Rückkehr in die NLA im Laufe dieser Saison eine Option. So wie es Damien Brunner vorletzte Saison gemacht hat. Sein Agent André Rufener sagt: «Retos vorzeitige Rückkehr ist ausgeschlossen. Die Chance, dass er zum Einsatz kommt, ist zu gross.»

Also keine Flucht nach Davos. Dabei wäre Berra für den HCD die Lösung aller Torhüterprobleme. Aber Rufener sagt: «Vergessen wir nicht die Möglichkeit Las Vegas.» Im Sommer 2017 wird ein Team aus der Wüstenstadt in die NHL aufgenommen. Dort entstehen nach einem besonderen Prozedere («Expansion-Draft») 30 neue Arbeitsplätze. Die Chance, dass Berra dort einer der drei Goalies sein wird, ist erheblich.

Gemeinsam im Camp?

Kommen wir zu Mark Streit. Er ist mit über 700 Spielen der routinierteste NHL-Schweizer und ein bestandener Veteran. Alle drei Schweizer NHL-Agenten – André Rufener, Georges Müller und Christoph Graf – schliessen eine weitere Saison für ihn nicht aus. In der NHL kann ein smarter Verteidiger auf dem kleinen Eisfeld den Verlust an Schnelligkeit durchaus wettmachen. Ein weiteres Jahr für ein Salär zwischen einer und zwei Millionen liegen drin.

Auch Yannick Weber hat gute Aussichten, im nächsten Sommer erneut einen Vertrag zu bekommen. Es ist nicht einmal auszuschliessen, dass sich Berra, Streit und Weber im Herbst 2017 im Trainingscamp von Las Vegas treffen.

Mirco Müller, Dean Kukan und Sven Andrighetto haben nur noch diese Saison, um ihre NHL-Tauglichkeit zu beweisen. Müller spielte zwar ein hervorragendes Camp, muss aber trotzdem, wie Kukan, im Farmteam beginnen. Andrighetto hat sich einen Platz im Team erkämpft, muss jedoch diesen Platz in jedem Spiel behaupten. André Rufener vertritt dieses Trio und sieht für alle die Chance auf eine NHL-Zukunft. Aber er sagt auch: «Es ist für alle drei die wichtigste Saison ihrer Karriere.»

Niederreiters Tauglichkeit

Die beste Ausgangslage aller Schweizer mit auslaufenden Verträgen hat Nino Niederreiter. «Die nächste Saison ist zwar immer die wichtigste», sagt Rufener. «Aber das alles entscheidende Jahr für Nino war die erste Saison in Minnesota (2013/14 – die Red.). Inzwischen hat er seine NHL-Tauglichkeit – auch durch starke Leistungen in den Playoffs – längst unter Beweis gestellt. Sein Marktwert wird nicht nur durch die aktuelle Saison bestimmt, er hat mittlerweile eine NHL-Vergangenheit, die auch zählt.»

Kaum Hoffnungen auf eine Zukunft in der NHL dürfen sich Joel Vermin und Tanner Richard machen.