Alle 45 Anträge von russischen Athleten für eine Startberechtigung bei den Olympischen Spielen wurden abgelehnt. Der Lausanner Sportgerichtshof (CAS) stützt das Vorgehen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nur «saubere» Sportler aus Russland einzuladen. Diese Strategie könne nicht als Sperre bezeichnet werden und sei deshalb rechtens, urteilt das CAS.

Das IOC und das CAS haben sich damit wieder «synchronisiert». Kurzfristig wurde die Welt der mächtigen Sportorganisationen durch den CAS-Freispruch für 28 vom IOC lebenslänglich gesperrte Sportler aus Russland vor acht Tagen zum wiederholten Mal aus der Harmonie gerüttelt. Doch die folgende Drohung von IOC-Präsident Thomas Bach, beim CAS brauche es dringend Reformen, brachte die juristischen Rebellen zurück auf Kurs.

Mit seinem Urteil verbreitet das CAS in doppelter Hinsicht eine wichtige Botschaft – wenn auch ungewollt: Ein Kartell wie jenes des IOC wird im Sport weiterhin geduldet, und bei der Beurteilung von Doping gibt es endgültig keine nachvollziehbare Linie mehr.

Zum ersten Punkt: Sport ist für die Mehrheit der Athleten in Pyeongchang Beruf, und Olympische Spiele sind der grosse Zahltag. Die Nicht-Zulassung von russischen Sportlern ohne Verurteilung entspricht faktisch einem Berufsverbot. Was in der Arbeitswelt unhaltbar wäre, geht offensichtlich im Sport. Zumindest beim IOC. Bei ihren Fachverbänden hingegen sind alle 45 Russen derzeit für Weltcup und sonstige Wettkämpfe zugelassen. Kaum nachvollziehbar.

Zum zweiten Punkt. Vor einer Woche hiess die Botschaft, 28 vermeintliche Dopingsünder aus Russland dürfe man nicht bestrafen, weil die Beweise für ein Vergehen nicht ausreichten. Also ein bisschen unschuldig!

Jetzt weist das IOC diese 28 sowie 111 weitere russische Athleten wegen Dopingverstrickungen zurück, ohne dass einer von ihnen aktuell des Dopings überführt ist. Also ein bisschen schuldig! Die grundsätzlich klar definierten Antidoping-Regeln erscheinen damit willkürlich. Das IOC sagt, der CAS-Entscheid unterstütze den Kampf gegen Doping und bringe Klarheit für alle Athleten. Das Gegenteil ist der Fall.