Nach seinem Drittrunden-Sieg in Wimledon und vor dem Achtelfinal-Spiel gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov (26, ATP 11) zeigt sich Roger Federer (35) entspannt und zuversichtlich. Fünf Mal gab es das Duell der beiden ehemaligen Junioren-Wimbledon-Sieger (Federer 1998, Dimitrov 2008), fünf Mal gewann der Schweizer. Anders als Federer hat Dimitrov Sprung zum Anwärter auf Grand-Slam-Siege nicht vollzogen. Ihm haftet der Makel des ewigen Talents an. 

Auch Roger Federer selber äussert diesen Verdacht. «Wenn ich ehrlich bin: Ich hätte mehr von ihm erwartet.» 2014 erreicht Dimitrov in Wimbledon den Halbfinal und stösst zwischenzeitlich in die Top Ten der Weltrangliste vor. Doch auf grosse Erfolge folgen immer wieder Baissen, die sich auch Federer nicht erklären kann. Auch auf den zweiten Major-Halbfinal, den Dimitrov im Januar bei den Australian Open gegen Rafael Nadal in fünf Sätzen verliert.

Federer: «Dimitrov hatte eine leichte Auslosung»

Dass er nun am «Super Monday», an dem sowohl die Achtelfinals der Männer und jene der Frauen ausgetragen werden, auf Dimitrov trifft, ist für ihn indes keine Überraschung. «Er hatte eine einfache Auslosung und in der letzten Runde war sein Gegner verletzt. Der brachte kaum einen Ball mehr zurück.» Trotzdem warnt Federer: «Er ist in der besten Zeit seiner Karriere. Jedes Mal, wenn ich gegen ihn spiele, ist er ein bisschen stärker.» 

Auch Fragen nach dem Vergleich der Spielanlage, die sich aufdrängen, weil Dimitrov die Rückhand ebenfalls einhändig spielt, beantwortet Federer routiniert. «Weil er ähnlich spielt, weiss er vielleicht eher, was ich unangenehm finde. Umgekehrt weiss ich aber auch, womit ich ihm weh tun kann.» Dimitrov sagt dazu übrigens: «Ich habe einige Male gegen Djokovic gespielt, noch öfter gegen Murray. Aber wenn ich gegen Roger spiele, lerne ich am meisten.»

Federers Zwillingssöhne Leo und Lenny beim Training

Am spielfreien «Middle Sunday» tauchte Federer um 16.00 Uhr auf den Trainingsplätzen im Aorangi Park auf, begleitet von Physiotherapeut Daniel Troxler und seinen beiden Trainern Severin Lüthi und Ivan Ljubicic, der während einer knappen Stunde als Trainingspartner fungierte. Von der Terrasse des Klubhauses beobachteten die Söhne Leo und Lenny ihren Vater bei der Arbeit. Danach sagte Federer, die leichte Erkältung sei für ihn kein Problem. 

Weil Dimitrov bei der Agentur Team 8 Global unter Vertrag steht, deren Geschäftsführer Roger Federers Manager Tony Godsick ist und bei welcher der Schweizer als Teilhaber involviert ist, begegnen sich die beiden mehr als andere Konkurrenten. «Grigor ist immer sehr nett, auch zu meinen Kindern.» Speziell sei die Ausgangslage für ihn deswegen aber nicht. Dimitrov sei ein Gegner wie jeder andere. Wie jeder andere auf dem Weg zu einem achten Wimbledon-Sieg.