Rücktritt des verwegenen Hauswarts

Nach einer Verletzung im Aufbautraining hat der Urner Marco Arnold seine Karriere beendet. Damit tritt ein Sportler zurück, der als Strassenfahrer, Biker und Enduro-Spezialist Höhen und Tiefen durchlebt hat.

Josef Mulle
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Marco Arnold richtet den Blick auf neue Ziele. (Bild: Josef Mulle)

Marco Arnold richtet den Blick auf neue Ziele. (Bild: Josef Mulle)

«Es war eine super Lebensschule, in der man auch manchmal ins kalte Wasser geworfen wurde, dadurch aber selbstständig und verantwortungsbewusst die gesteckten Ziele verfolgte. Ich bereue nichts und hätte auch nichts geändert, selbst wenn ich es gekonnt hätte. Denn aus den Fehlern lernt man und man kommt auch immer wieder gestärkt zurück», so Marco Arnold am Ende seiner Laufbahn als Radsportler in den Disziplinen: Strasse, Bike und Enduro. Die von Marco Arnold gemachten Erfahrungen stehen in jeder Doku von erfolgreichen Sportlern, und sie werden den jungen Talenten zu Beginn ihrer Laufbahn ebenfalls mit auf den Weg gegeben.

Begonnen hatte alles schon im Kindesalter, wo das Velo zu seinem ständigen Begleiter wurde, ja sogar in den Campingferien im Wallis nicht fehlen durfte. Die ersten Schritte als Rennfahrer machte der Schüler Marco dann beim VMC Bürglen, wo die Abendrennen um den EWA-Cup und Wettkämpfe an den verschiedenen Nachwuchs-Rennserien auf dem Programm standen. Beat Gisler sah das Potenzial des jungen Bürglers, und er integrierte ihn in das «Gisler Motos Bike Team», wo er mit andern hoffnungsvollen Urner Talenten Strassenrennen, aber auch schon einige Biker-Wettbewerbe bestritt. Als Draufgänger, aber auch versiert in technischen Passagen und guter Bergfahrer, holte er sich sehr gute Platzierungen, und erreichte im Jahr 2007 die geforderten Punkte für die Elitequalifikation. Im gleichen Jahr machte Arnold auch beruflich einen ent-scheidenden Schritt, indem er die Maurerlehre mit Erfolg abschloss. Die kommenden Jahre waren für den jungen Sportler recht erfolgreich, wobei ihm vor allem mit dem Rennvelo sehr gute Resultate glückten. «In sehr guter Erinnerung sind mir dabei die Spitzenklassierungen am Heimbergrennen Silenen-Amsteg-Bristen, aber auch die Einsätze an der Tellstafette, wo ich für das Sieger-Team Imholz Sport die Strecke Bürglen-Unterschächen bestreiten durfte». Wo Licht ist, ist auch Schatten, das musste auch das aufstrebende Urner Radsport-Talent erfahren. Viele Verletzungen, dazu gesundheitliche Probleme, bremsten eine hoffnungsvolle Radsportkarriere.

Der verwegene Enduro-Fahrer

Im Jahre 2011 schloss Marco Arnold seine letzte Cross-Country-Saison auf dem 10. Platz in der Racer-Bike-Cup-Gesamtwertung ab und wechselte zur Enduro-Disziplin, wo er beim Trek Bike Attack Lenzerheide auf Anhieb den dritten Platz belegte. Von nun an bestritt der Urner Wettkämpfe in dieser Disziplin für das Weltcup-Team Giant Swiss, wo er bis zu seinem Rücktritt auch beheimatet blieb. Der Enduro- und Downhill-Rennsport brachte dem «verwegenen Hauswart» noch einmal alles, was sein Sportlerherz begehrte. In Schlammrennen, Wettkämpfen im Gebirge mit kurzen Aufstiegen, oder dann halsbrecherischen Abfahrten fühlte er sich in seinem Element. Es gelang ihm auch da, hervorragende Resultate für das Team Giant Swiss herauszufahren, wobei die Podestplätze an Europacup-Einsätzen bei Kronplatz, Trek Bike Attack Lenzerheide oder der TrailTrophy Flims hervorstechen.

Dabei ist anzumerken, dass Marco Arnold nie als Profi unterwegs war, sondern weiterhin, manchmal auch etwas verkürzt seinen Beruf ausübte. Nach der Maurerlehre arbeitete er weiter bei seiner Lehrfirma «Josef Baumann & Söhne», von 2009 bis 2015 versah er den Hauswartdienst bei der Wohnbaugenossenschaft «Bundespersonal», um dann als Facilitymanager zur Wohnbaugenossenschaft «Pro Familia» zu wechseln.

Arbeit gab Sicherheit bei Verletzungen

«Ich habe immer gerne gearbeitet, und der Profistatus war für mich nie ein Thema, da ich von den Arbeitgebern in Sachen Trainingszeit immer sehr grosszügig behandelt worden bin. Zudem gab mir die Arbeit immer auch eine gewisse Sicherheit, insbesondere bei den verletzungsbedingten Rückschlägen.» Leider beschleunigte eine erneute Knieverletzung bei den Saisonvorbereitungen für das Wettkampfjahr 2018 den endgültigen Rücktritt vom Wettkampfsport für den Urner Enduro-Spezialist.

Mit Bekanntgabe seines Rücktritts möchte sich Arnold bei all seinen Fans, Familie, Sponsoren, Team, und Arbeitgeber ganz herzlich bedanken für jegliche Art der Unterstützung, die ihm in all den Jahren zuteilwurde, und das jeweils in guten und in schlechten Zeiten. «Ich habe die Freude am Sport nicht verloren und möchte auch in Zukunft sportlich aktiv bleiben. Ich freue mich auf das Zusammentreffen Gleichgesinnter beim Radsport Altdorf, oder einfach Sportler auf einer abendlichen Radtour anzutreffen. Den aktiven Sportlern wünsche ich alles Gute und viel Erfolg, dem hoffnungsvollen Urner Sportnachwuchs viel Durchhaltungsvermögen und Trainingsfleiss.»

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