Fussball
Jünger als seine Spieler? Für den Trainer des FC Emmenbrücke ist das kein Problem!

Meris Kazic setzte schon als Teenager auf die Trainerkarriere. Nun will der 28-jährige Reussbühler den FC Emmenbrücke in die 1. Liga führen.

Stephan Santschi
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Meris Kazic im Gersagstadion: Er hat ehrgeizige Pläne mit dem FC Emmenbrücke.

Meris Kazic im Gersagstadion: Er hat ehrgeizige Pläne mit dem FC Emmenbrücke.

Im November 2019 ging alles sehr schnell. Jean-Daniel Gross teilte dem FC Emmenbrücke mit, dass er sein Amt als Trainer aus beruflichen Gründen niederlegen möchte. Kurz darauf stand bereits fest, wer die Nachfolge des versierten Ausbildners antreten wird: «Ich war sehr dankbar, der erste Ansprechpartner von Präsident Franco Gulli zu sein, innerhalb von zwei Stunden war alles klar», erzählt der Reussbühler Meris Kazic, der damals noch keine 27 Jahre alt war. Von aussen betrachtet, vermag es zu erstaunen, dass ein derart junger Trainer als Wunschkandidat für den Posten an der Seitenlinie eines ambitionierten 2.-Liga-inter-Teams bestimmt wird – zumal er im Aktivfussball bis dahin «nur» die Drittligisten Olympique Lucerne und Emmenbrücke II gecoacht hat.

Für Insider allerdings war die Nomination nachvollziehbar. «Ich bin noch sehr jung, das stimmt», sagt der schweizerisch-bosnische Doppelbürger.

«Bereits vor zehn Jahren beendete ich aber als 18-Jähriger meine Aktivkarriere, um mich voll auf den Trainerjob zu konzentrieren. Seither stehe ich jede Woche auf dem Fussballplatz. Mein Name ist in der Region nicht so unbekannt. Ich kenne die Szene von den Junioren bis zu den Aktiven sehr gut.»

Dass er jünger als viele seiner Spieler ist, beschäftigt Kazic seither immer wieder, schon mit 22 übernahm er in Emmenbrücke das Drittliga-Team.

Seoane, Celestini und Yakin machen ihm Eindruck

Ein Autoritätsproblem habe er deshalb aber nie gehabt. «Ich bin auf dem Platz sehr direkt, rede nicht hinten herum, das schätzen die Spieler. Ich bin sehr streng, lege grossen Wert auf Disziplin, suche den Austausch aber auch auf menschlicher Basis.»

Das Experiment mit Kazic hat sich gelohnt. Nachdem Emmenbrücke die abgebrochene Saison 2020 als Aufsteiger auf Platz sechs beendet hatte, kletterte es in der vergangenen Spielzeit auf Rang drei. Noch immer steht Kazic mit Vorgänger Gross in Kontakt, diskutiert mit ihm zuweilen über taktische Themen. «Ich bin sehr lernwillig, gerne würde ich bei einem Profitrainer hospitieren, der einen ähnlichen Spielstil pflegt wie ich», erzählt der Inhaber einer Reinigungs- und Hauswartungsfirma. Eindruck machen ihm Persönlichkeiten wie Gerardo Seoane, Fabio Celestini oder Murat Yakin.

«Ich möchte einen schönen, offensiven Fussball sehen. Dazu gehört hohes Pressing und Gegenpressing. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich an den Ball zu kommen und ihn in unseren Reihen zu halten.»

Das Spielermaterial für diesen Stil hat Emmenbrücke beisammen, das Team befindet sich technisch und spielerisch auf hohem Niveau. Führungsspieler sind Manuel Riedweg in der Abwehr, Joel Stephan und der verletzte Captain Demerali Saliu im Mittelfeld und der neue Geschäftsstellenleiter Janko Pacar im Sturm. Für etwas Ungewissheit sorgen die Abgänge, mit Tomislav Puljic, Marko Mijatovic, Augusto und Alan Nabarro gehen Klasse und Erfahrung verloren, Stürmer Robin Hrgota legt zudem eine Pause ein. Die Lücken sollen Offensivspieler Augustin Tanushaj und Innenverteidiger Halit Bajrami schliessen, der Rest der Neuen seien junge Spieler aus der Region, berichtet Kazic. «Wir haben neun Akteure mit Jahrgang 2000 und jünger, unsere Planung ist zukunftsorientiert.»

Kein Spiel, sondern 100-Jahr-Feier

Bevor der FC Emmenbrücke in die neue Saison steigt, widmet er sich allerdings der Vergangenheit. Das Auftaktspiel in Ibach ist auf den kommenden Dienstag verschoben worden, weil der Verein am Wochenende sein 100-Jahr-Jubiläum begeht. Der einst stolze NLB-Klub will baldmöglichst an die glorreiche Historie anknüpfen, vor zwei Jahren benannte man die Promotion League als Gipfel für die eigenen Ambitionen. Vorderhand ist nun der Aufstieg in die 1. Liga das Ziel.

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