Handball
Ein Schnellzug namens Carlo Femiano: Der BSV Stans hat einen torgefährlichen Flügelspieler

Der BSV Stans schiesst Biel mit 39:26 aus der Halle und nähert sich mit leisen Schritten der NLB-Tabellenspitze.

Stephan Santschi
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Carlo Femiano, der linke Flügelspieler der Stanser, belegt mit 58 Treffern in der NLB den dritten Rang, zieht man die Penaltytreffer in der Statistik ab.

Carlo Femiano, der linke Flügelspieler der Stanser, belegt mit 58 Treffern in der NLB den dritten Rang, zieht man die Penaltytreffer in der Statistik ab.

Bild: Pius Amrein (Stans, 27. November 2021)

«Carlo ist ein Wohlfühlspieler. Wenn er sich wohlfühlt, zieht er es durch. Dann macht er auch verrückte Sachen.» Ralf Stojan, der Trainer des BSV Stans, ist voll des Lobes über seinen Mann am linken Flügel, der sich am Samstag im Heimspiel gegen Biel (39:26) in Hochform präsentierte. Neun Tore verbuchte Carlo Femiano, seine Leistung war symptomatisch für einen furiosen und temporeichen Auftritt der Nidwaldner.

«Wenn der Gegner nicht schön zurückläuft, ist es ein dankbares Spiel für mich»,

erklärt Femiano, der von den solid deckenden Teamkollegen und dem starken Goalie Noah Ineichen oft mit mustergültigen Pässen in den Gegenstoss geschickt wurde.

Nach zehn Runden ist der blitzschnelle Femiano der beste Stanser Skorer. Entfernt man die Penaltys aus der Statistik und zählt nur die Tore aus dem Spiel heraus, belegt er mit 58 Treffern sogar Platz drei der NLB-Torschützenliste. Damit knüpft der bald 27-jährige Aargauer dort an, wo er aufgehört hat. Beim 1.-Ligisten Muri avancierte er während einer Dekade zum Leistungsträger, wobei er in den letzten sieben Saisons durchschnittlich stets mehr als sieben Tore pro Spiel schoss. «Das System war auf mich zugeschnitten», sagt Femiano, der Captain des Teams und Nachwuchschef im Verein war.

Carlo Femiano lehnte NLA-Angebot ab

Im letzten Sommer kam dann der Moment für eine neue Herausforderung. Angebote gab es in der Vergangenheit viele, einmal auch vom TV Endingen aus der NLA, doch gepasst hat es nie für den ausgebildeten Schreiner. Die Anfrage des BSV Stans erfolgte allerdings zum richtigen Zeitpunkt. Femiano hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile nach Emmenbrücke verschoben, wo er mit seiner Freundin, deren Sohn und der gemeinsamen, drei Monate alten Tochter lebt.

«Der BSV Stans ist eine grosse Handball-Familie. Ich spiele in einer coolen Truppe mit einem guten Teamgeist. Es macht mega Spass»,

schwärmt Femiano.

Dass Femiano auch ausserhalb seines Stammklubs wie ein Schnellzug beschleunigt, ist einer der Gründe, weshalb die Stanser zufriedenstellend in die Saison gestartet sind und aktuell auf Platz sechs stehen. Generell hat sich die neuformierte Equipe mit dem neuen Chef an der Seitenlinie schnell gefunden. «Wir sind viel weiter, als ich es gedacht hätte, die Spieler überraschen mich positiv», berichtet Trainer Stojan, der vor allem mit der im Eichli ungewohnten und zunächst ungeliebten 5:1-Deckung für eine Innovation gesorgt hat. Die Hierarchie stimmt, die Brasilianer Fernando Skrebsky Dutra und Ramon Pereira de Oliveira vermengen das bodenständige, schnelle und kampfbetonte Spiel der Nidwaldner mit südländischer Leichtigkeit.

«Wir haben viele junge Bengels im Team, es wird auch eine Phase kommen, in der es nicht so klappt. Doch ich bin froh, dass es nach Handball aussieht, was wir machen»,

sagt Ralf Stojan und mit einem Schmunzeln fügt er an: «Es gibt weiterhin genug Anlass für mich, um zu meckern.»

Im Cup wartet Bern auf die Stanser

Obwohl der Rückstand auf den zweiten Platz, der für den NLB-Playoff-Final berechtigt, nur zwei Punkte beträgt, bleiben die Stanser vorderhand bescheiden. «Unser Hauptziel ist nicht absteigen. Klar wollen wir oben dabei sein, doch bevor wir weitergucken, müssen 18 Punkte auf unserem Konto sein», hält Stojan fest. Ein Highlight ist seiner Auswahl indes schon jetzt gewiss: Im nächsten Jahr wird der BSV Stans als letzter Unterklassiger im Viertelfinal des Schweizer Cups den BSV Bern aus der QHL empfangen.

BSV Stans – HS Biel 39:26 (19:11)
Eichli. – 335 Zuschauer. – SR Häner/Maurer. – Strafen: je 4-mal 2 Minuten plus rote Karte für Biels Melcher (36./Foul im Gegenstoss). – Stans: Ineichen (11 Paraden, 1 Tor)/Wenger (5 Paraden); Wanner (5 Tore), Pereira de Oliveira (3), Achermann (5), Skrebsky Dutra (8/4), Femiano (9), Kuster (5); Nauer (1), Basil Gnos (2), Weingartner, Stadelmann, Bühlmann. – Bemerkung: Spuler pariert Penalty von Skrebsky Dutra (53./34:23).

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