Von Ski alpin zu Ski nordisch: Diese Umsteigerin hat grosses Potenzial

Die Urnerin Maria Christen (22) wechselte vor rund zwei Jahren vom Skirennsport zum Langlauf.

Urs Hanhart
Merken
Drucken
Teilen
Die Andermatterin Maria Christen läuft dem Sieg entgegen.

Die Andermatterin Maria Christen läuft dem Sieg entgegen.

Bild: Urs Hanhart (Realp, 15. Dezember 2019)

Beim 50. Bürer Langlauf, der am Sonntag wie seit vielen Jahren gewohnt in Realp durchgeführt wurde, durfte sich eine Athletin ins Goldene Siegerbuch eintragen, deren Namen man sich merken sollte: Maria Christen. Die Hospenthalerin hat seit ihrem Umstieg vom Alpin- ins Nordisch-Lager enorme Fortschritte erzielt. Dass die Urnerin auf diese Saison hin nochmals eine Schippe draufgelegt hat, stellte sie bei der Jubiläumsauflage des regionalen Saisonauftaktrennens eindrücklich unter Beweis. Auf der 7 Kilometer langen Strecke knöpfte sie der Zweitplatzierten Unterschächnerin Stefanie Arnold, die im Vorjahr noch einem Swiss-Ski-Kader angehört hatte, inzwischen aber nur noch hobbymässig Rennen bestreitet, 1:13 Minuten ab.

Obwohl sich Christen den Tagessieg in überlegener Manier sicherte, zeigte sie sich mit ihrem Wettkampf nur bedingt zufrieden. Ihre Begründung: «Ich fühlte mich noch nicht richtig in Form. Aber positiv ist, dass es mir von Rennen zu Rennen besser läuft. Es geht aufwärts.» In der noch jungen Saison hat die angehende Lehrerin – inklusive Bürer-Langlauf – bereits fünf Ernstkämpfe bestritten. Unter anderem machte sie einen Abstecher nach Slowenien. Bei den kürzlich ausgetragenen FIS-Rennen im Obergoms erkämpfte sich Christen im Klassisch-Distanzrennen den 16. Platz. Im Skatingsprint schaffte sie den Sprung in den Halbfinal, verfehlte den Finaleinzug aber deutlich.

Blockade nach einem Horrorsturz

Skirennen fahren und Langlaufen sind zwei völlig konträre Sportarten. Das ist in etwa so, als würde eine 400- oder 800-Meter-Läuferin auf 10000 Meter oder Marathon umsteigen. Den Wechsel von den Alpinen zu den Nordischen «verdankte» Christen einem unerfreulichen Ereignis, wie sie verriet: «In einer Abfahrt bin ich unglücklich auf den Kopf gestürzt und war anschliessend einige Zeit bewusstlos. Ich fuhr zwar zwei, drei Jahre weiterhin Skirennen. Aber ich hatte eine Blockade und war deshalb nicht mehr so schnell wie vorher.» Christen wollte aber weiterhin Wettkampfsport betreiben und beschloss, auf Langlauf umzusatteln.

Ein kluger Entscheid, wie sich zeigen sollte. Denn offenbar besitzt sie auch in dieser Disziplin viel Talent. Im Winter 2018/19 gewann sie auf Anhieb die Gesamtwertung des regionalen Concordia-Langlauf-Cups. Zugute beim Umstieg kam ihr die Tatsache, dass sie bereits über eine solide Grundkondition verfügte. «Läufe und Bergläufe habe ich schon immer gerne gemacht. Deshalb bot sich für mich der Umstieg auf Langlauf an, zumal die Loipe praktisch vor meiner Haustür vorbeiführt», erklärte die Newcomerin.

Aufgebot für Continental-Cup-Rennen

Zu ihren Zielen für diese Saison sagte Christen: «Rangmässig nehme ich mir meistens nichts vor. Ich probiere immer, von Rennen zu Rennen besser zu werden. Alles ist noch etwas neu für mich. Vor allem die klassische Technik und auch die ganze Waxerei sind eine echte Herausforderung für mich. Dort habe ich noch viel Steigerungspotenzial. Aber Langlaufen macht mir grossen Spass und das ist sicher das Wichtigste.»

Die Hospentalerin investiert viel Zeit und Energie in ihre neue Leidenschaft. Pro Woche kommt sie auf einen Trainingsaufwand von 15 bis 18 Stunden. Das ist nur möglich, weil sie ihr Studium in einem Teilzeitpensum absolviert. Inzwischen ist auch Swiss-Ski auf die begabte Urnerin aufmerksam geworden und hat sie für die Continental-Cup-Rennen vom kommenden Wochenende in St.Ulrich am Pillersee aufgeboten. Christen möchte diese Chancen nutzen und mit guten Resultaten dafür sorgen, dass sie regelmässig auf internationaler Ebene antreten kann.

Athletin mit einem Riesen-Motor

In Langstrecken- und Bergläufen ist die Urschnerin sogar noch stärker einzuschätzen als im Langlauf. Im letzten Sommer und Herbst machte sie mit zum Teil geradezu sensationellen Resultaten auf sich aufmerksam. So kam sie beispielsweise bei den Seedorfer Abendläufen ganz nahe an den Streckenrekord der als überaus laufstark geltenden Weltklasse-Triathletin Jolanda Annen aus Schattdorf heran. Beim Nordic-Weekend von Swiss-Ski in Andermatt, wo ein Rollskirennen und ein Berglauf kombiniert wurden, rannte Christen alle Kaderathletinnen förmlich in Grund und Boden und gewann dadurch auch die Gesamtwertung.

Im Fusslauf kann ihr schweizweit keine Nordisch-Athletin das Wasser reichen. Nun geht es für Christen darum, ihren aussergewöhnlichen Motor auch auf die schmalen Latten umzusetzen. Um dies zu schaffen, muss sie vor allem technisch noch besser werden.

Triplette für Andrin Näpflin am Bürer-Langlauf

Der Nidwaldner Andrin Näpflin entschied zum dritten Mal in Folge den Bürer-Langlauf in Realp für sich. In der 50-jährigen Geschichte gelang dieses Unterfangen in den Jahren 2011 bis 2013 nur dem Russen Ewgeni Bogdanow. «Das Rennen ist super verlaufen. Das Gefühl im Hinblick auf die Continentalcup-Rennen am Wochenende stimmt», sagt der 22-jährige Näpflin. Bereits im Vorfeld hatte der gelernte Landschaftsgärtner angekündigt, er werde die 50. Ausgabe im klassischen Stil als Vorbereitung auf die Wettkämpfe im österreichischen St. Ulrich bestreiten. Näpflin lief wie Tagessiegerin Maria Christen einen Vorsprung von mehr als einer Minute heraus. Ähnlich dominant trat auch Bianca Buholzer auf. Die Horwerin verwies bei den U18 Selina Haas (Marbach) um 44 Sekunden auf den Ehrenplatz. Ramon Riebli, Dritter bei den U18, zog ein positives Fazit: «Der Rückstand auf Sieger David Knobel ist im Vergleich zu früheren Rennen kleiner geworden.» (rb)

Bürer-Langlauf. Frauen (7 Km/11 Klassierte): 1. Maria Christen (Andermatt). 2. Stefanie Arnold (Unterschächen). 3. Epp Paalberg (EST). – U20 (7 Km/3): 1. Carla Wohler (Thun). 3. Laura Bütler (Engelberg). – U18 (7 Km/7): 1. Bianca Buholzer (Horw). 2. Selina Haas (Marbach). 3. Fiona Christen (Unterschächen). – U16 (3,5 Km/9): 1. Ramona Schöpfer (Marbach). 2. Nadia Steiger (Horw). 3. Mirjam Föhn (Ibach). – U14 (3,5 Km/17): 1. Andrea Scheidegger (Kandersteg). 2. Zoë Felder (Schwendi). – U12 (2,5 Km/8): 1. Elena Frei. 2. Seraina Kempf. 3. Nina Walker (alle Unterschächen). – U10 (1,5 Km/5): 1. Aline Baumann (Unterschächen). Männer (13,5 Km/20): 1. Andrin Näpflin (Beckenried). – U18 (9 Km/10): 1. David Knobel (am Bachtel). 3. Ramon Riebli (Schwendi). – U16 (4,5 km/21): 1. Matthias Riebli (Schwendi). 2. Julian Emmenegger (Flühli). 3. Tino Schuler (Andermatt). – U14 (3,5 km/11): 1. Elias Haas. 2. Gian-Luca Haas (beide Marbach). 3. Andreas Gwerder (Schwendi). – U12 (2,5 Km/10): 1. Marco Lauber (Horw). 2. Nico Briker (Unterschächen). 3. Fabian Buholzer (Horw). – U10 (1,5 Km/5): 1. Mario Briker (Unterschächen). Rangliste unter: www.zssv.ch