Noch sechs Etappen

So geht die Tour de France weiter und diese Fahrer können sie noch gewinnen

Chris Froome (l.) und Geraint Thomas (M.) führen das Gesamtklassement der Tour de France aktuell an.

Chris Froome (l.) und Geraint Thomas (M.) führen das Gesamtklassement der Tour de France aktuell an.

Heute ist an der Tour de France Ruhetag. Zeit, um sich zu erholen, um Wunden zu pflegen – und um die Renn-Taktik zu besprechen. Denn nicht nur die besten Beine entscheiden darüber, wer in Paris triumphiert.

Wie geht's weiter?

Mit drei Bergetappen in den Pyrenäen am Dienstag, Mittwoch und Freitag. Am Donnerstag ist's ziemlich flach.

Während sich die Anwärter auf den Gesamtsieg morgen nach der Pause möglicherweise noch in Ruhe lassen, winkt am Mittwoch ein Feuerwerk. Vom ersten Meter an geht's hoch und nach nur 65 Kilometern – aber drei Pässen – ist Feierabend. Und der Freitag beinhaltet die legendären, schweren Pyrenäen-Pässe Aspin, Tourmalet und Aubisque.

Mittwoch:

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Donnerstag:

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Freitag:

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Wie ist die Ausgangslage?

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Um den Sieg fahren nicht mehr alle in den Top 10. Das Podest liegt angesichts der restlichen Etappen aber noch für die ersten acht Fahrer drin. Frankreichs Hoffnung Romain Bardet und der Kolumbianer Nairo Quintana müssen schon in den Bergen angreifen, wenn sie in Paris erneut aufs Siegerpodest wollen (Bardet war zuletzt Zweiter und Dritter, Quintana schon zwei Mal Zweiter und ein Mal Dritter). Tour-de-Romandie-Sieger Primoz Roglic zeigt eine starke Tour, ist auch der bessere Zeitfahrer und wird alles daran setzen, erstmals eine dreiwöchige Rundfahrt unter den Top 3 abzuschliessen.

Wer gewinnt die Tour?

Den Sieg machen wohl der Maillot-Jaune-Träger Geraint Thomas und sein Teamkollege Chris Froome mit dem Holländer Tom Dumoulin unter sich aus. 

Froome (vorne) und sein Teamkollege Thomas vom Team Sky.

Froome (vorne) und sein Teamkollege Thomas vom Team Sky.

Das Team Sky tritt dominant auf und gegen aussen wird nach wie vor der vierfache Tour-Sieger Froome als Leader der britischen Equipe präsentiert. Taktisch wird es eine Herausforderung für die Teamchefs und die Fahrer werden, in jeder Situation richtig zu entscheiden. Denn wer setzt nach, sollte Dumoulin angreifen? Opfert sich einer im Zweifel für den Teamkollegen? Thomas als Sieger des Critérium Dauphine wäre der unumstrittene Sky-Leader gewesen, hätte Chris Froome wegen seiner positiven Dopingprobe nicht starten dürfen. Der Waliser wird nicht daran denken, Froome kampflos den Vortritt zu lassen.

Dumoulin winkt so die Chance, zum lachenden Dritten zu werden. Denn am vorletzten Tag, am Samstag, steht ein Zeitfahren auf dem Programm – und in dieser Disziplin der Holländer amtierender Weltmeister. Allerdings ist auch Froome stark im Kampf gegen die Uhr. Und Thomas gewann im Vorjahr das 14 Kilometer lange Auftaktzeitfahren der Tour de France, wurde ausserdem kurz vor der Frankreich-Rundfahrt britischer Zeitfahr-Meister. Das wellige Profil der 31 Kilometer zwischen Saint-Pée-sur-Nivelle und Espelette kommt wohl allen drei Fahrern besser entgegen als ein topfebener Kurs.

Samstag:

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Angesichts der Stärke der Briten im Zeitfahren muss Dumoulin schon vorher etwas versuchen, wenn er nach dem Giro d'Italia 2017 seine zweite Rundfahrt gewinnen will. Denn die knapp zwei Minuten Rückstand auf Thomas wird er im Zeitfahren nicht zufahren können.

Wie sind die Teams der Favoriten aufgestellt?
Dumoulin hat noch sieben Helfer, das Sunweb-Team verlor bisher erst Sprinter Michael Matthews. Thomas und Froome teilen sich noch fünf (bärenstarke) Helfer, weil Gianni Moscon gestern disqualifiziert wurde. Der italienische Bad Boy wurde dabei erwischt, wie er den Franzosen Elie Gesbert schlug. In einem Sky-Video entschuldigt sich Moscon dafür; er sitzt da wie eine Geisel, die gezwungen wird, eine Botschaft abzulesen.

Moscons Schlag gegen Gesbert …

… und die Entschuldigung des Italieners.

Wie gut ist ihre Form?

Was den Dreikampf ebenfalls brisant macht: Thomas war noch nie der Leader in einer dreiwöchigen Rundfahrt, seine Bestresultate sind zwei 15. Plätze bei der Tour de France 2015 und 2016. Wie reagiert sein Körper darauf? Und wie geht er im Kopf mit der Tatsache um, eine einmalige Chance zu haben?

Die Frage nach der Ausdauer stellt sich auch bei Froome und Dumoulin, die in diesem Jahr bereits den Giro d'Italia bestritten haben. Irgendwann könnte ihr Tank plötzlich leer sein. Froome, der die Italien-Rundfahrt mit 46 Sekunden Vorsprung auf Dumoulin gewann, winkt weiterhin das seltene Double Giro-Tour. Zuletzt gelang dies 1998 Marco Pantani und insgesamt nur sechs weiteren Rennfahrern: Fausto Coppi, Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Stephen Roche und Miguel Indurain.

Was schaffen die Schweizer?

Stefan Küng, Michi Schär, Silvan Dillier und Mathias Frank setzten sich in den ersten zwei Wochen alle als Ausreisser in Szene. Erfolg waren ihren Fluchtversuchen jedoch nicht beschieden. Die Bergetappen der dritten Woche sind am ehesten etwas für Frank, doch der kann als wichtiger Helfer seines Captains Bardet nicht auf eigene Rechnung fahren.

Dillier gewann im Vorjahr eine Etappe beim Giro d'Italia und möchte auch in Frankreich siegen.

Dillier gewann im Vorjahr eine Etappe beim Giro d'Italia und möchte auch in Frankreich siegen.

Vielleicht gelingt es Dillier, sich auf der Flachetappe am Donnerstag nach Pau abzusetzen. Oder Küng, dessen BMC-Team nach dem Ausscheiden von Richie Porte keinen Leader mehr schützen muss, kann sich in den nächsten Tagen so gut wie möglich schonen, dass er im Zeitfahren für einen Exploit sorgen kann.

Der Schweizer Zeitfahr-Meister Stefan Küng gewann zuletzt das Abschlusszeitfahren der Tour de Suisse.

Der Schweizer Zeitfahr-Meister Stefan Küng gewann zuletzt das Abschlusszeitfahren der Tour de Suisse.

Wer fordert Sagan?

Niemand. Wenn der dreifache Weltmeister Peter Sagan Paris erreicht, dann ist ihm das Grüne Trikot für den Gewinn der Punktewertung nicht zu nehmen. Mit dazumal sechs Erfolgen in dieser Sonderwertung schliesst der Slowake zum Deutschen Erik Zabel auf, dem bisherigen Rekordmann.

Der Sprinter: Peter Sagan.

Der Sprinter: Peter Sagan.

Noch umkämpft ist der Sieg in der Bergwertung. Julian Alaphilippe trägt das weisse Trikot mit den roten Punkten. Sein Landsmann Warren Barguil dürfte in der letzten Woche alles versuchen, um ihm dieses auszuziehen. Barguil war schon im vergangenen Jahr Bergkönig. 

Schnell ist er auch bergab, aber Punkte gibt's nur bergauf: Julian Alaphilippe.

Schnell ist er auch bergab, aber Punkte gibt's nur bergauf: Julian Alaphilippe.

Auch im Klassement der besten Jungprofis läuft es wohl auf ein französisches Duell um den Sieg hinaus. Pierre Latour hat derzeit 2:27 Min. Vorsprung auf Guillaume Martin. Der drittplatzierte, erst 21-jährige Egan Bernal (6:16 Min. zurück) muss im Team Sky Helferdienste verrichten.

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