Super League
Die Erkenntnisse aus dem 3:3 gegen Lausanne: Der FCB hat seine Mentalität zurück, aber auch altbekannte Probleme

Was für ein Spektakelspiel. Am Ende trennen sich Lausanne und der FC Basel 3:3. Patrick Rahmen bleibt als FCB-Trainer weiter ungeschlagen, doch er weiss jetzt auch, wo er in der kommenden Woche anpacken muss.

Jakob Weber
Drucken
Teilen
Valentin Stocker und Arthur Cabral sind als Torschütze und Assistgeber an allen drei FCB-Toren beteiligt.

Valentin Stocker und Arthur Cabral sind als Torschütze und Assistgeber an allen drei FCB-Toren beteiligt.

Bild: Freshfocus

Patrick Rahmen pustet durch. Auch sein Pendant Giorgio Contini lässt den Atem nach Schlusspfiff so nach draussen, dass die Lippen flattern. Beide Trainer wissen nach diesem Spektakel noch nicht genau, wie sie das Passierte auf dem Rasen einordnen sollen. 3:3 steht es am Ende. Rahmen bleibt damit auch in seinem vierten Spiel als FCB-Trainer ungeschlagen. Doch es gibt mehrere Aber.

Das erste ist vor allem in der Startphase offensichtlich. Die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld und auch die zwischen Innenverteidigung und Aussenverteidigern sind eklatant gross. Dazu gibt es nach Ballverlusten kein konsequentes Gegenpressing. Das hat zur Folge, dass der spielerisch starke Aufsteiger aus Lausanne, quasi im Minutentakt zu Abschlüssen und Torchancen kommt. FCB-Innenverteidiger Timm Klose erinnert im Duell mit den Lausanne-Angreifern Hicham Mahou, Evann Guessand und Lucas da Cunha an eine Giraffe, die sich auf ein Wettrennen mit drei Löwinnen eingelassen hat. Und weil die Giraffe von Mahou in der 10. Minute mit einer einfachen Körpertäuschung in die Walachei geschickt wird, kann sie nur zuschauen, wie der Ball kurz darauf im Netz landet.

Klose analysiert treffend: «Wir sind nicht gut gestanden, waren zu oft eins gegen zwei.» Und es kommt noch schlimmer. Weil Aushilfs-Linksverteidiger Amir Abrahi etwas gar vehement in den Zweikampf geht, gibt es in der 29. Minute Elfmeter für Lausanne. Den verwandelt Stjepan Kukuruzovic sicher zum 2:0.

Ein Elfmeter bringt den FCB zurück ins Spiel

Erst jetzt erwacht der FCB. Allen voran Valentin Stocker, der von den Pfiffen der 100 zugelassen Zuschauern im neuen Stade de la Tuilière angestachelt wird. Direkt im Anschluss an das 0:2 nutzt der Captain einen Stellungsfehler von Noah Loosli und dessen anschliessendes Beackern seines Trikots, um seinerseits einen Elfmeter zu bekommen. Den verwandelt Arthur Cabral ebenso souverän wie Minuten zuvor Kukuruzovic.

Doch wie schon unter der Woche in Vaduz tut sich der FCB auch beim zweiten Aufsteiger schwer. Auch nach dem Seitenwechsel ist Lausanne das bessere Team. Gleich fünf Hochkaräter vergibt das Heimteam nach der Pause. Am Ende finden 24 Abschlüsse den Weg in Richtung FCB-Tor. Goalie Heinz Lindner hält seine Farben mehrfach und vor allem in dieser Phase im Spiel.

Der Glaube an die eigene Stärke ist zurück im Team

Im Defensivverhalten hat Rahmen noch nicht so viel korrigieren können wie im auch in Lausanne immer wieder ansehnlichen Offensivspiel. Dafür hat er die Mentalität zurück ins Team gebracht. «Wir haben Kampfgeist bewiesen und sind immer wieder zurückgekommen. Die Mannschaft lebt. Der Glaube ist da, dass wir jede Situation meistern können», sagt Lindner. «Wir sind die ganze Zeit dran geblieben. Das zeigt die Mentalität der Mannschaft», bekräftigt auch Darian Males. Und tatsächlich gleicht der FCB mit seiner ersten guten Chance in Halbzeit 2 aus. 76. Minuten sind gespielt, als Stocker mit einem Spontanpressing einen Ballverlust provoziert und Sekunden später auf den freistehenden Cabral auflegt, der nur noch einzuschieben braucht. Und als Lausanne sechs Minuten später wieder in Führung geht, gibt sich der FCB auch dann nicht geschlagen. Diesmal dauert es drei Minuten, ehe Stocker nach einem schönen Seitenwechsel von Cabral auf 3:3 stellen kann.

Nachdem er sich nach Abpfiff ein paar Minuten Zeit genommen hat, ist auch Patrick Rahmen bereit für die Analyse. Und die fällt überwiegend positiv aus: «Grosses Lob, wie sich die Mannschaft heute verhalten hat. Wenn wir nicht füreinander da gewesen wären heute, wären wir mit einer Packung nach Hause», sagt er. Doch auch Rahmen gibt zu, dass der FCB an diesem Tag die etwas glücklichere Mannschaft war.

Nach der englischen Woche mit fünf Punkten hat der Trainer jetzt etwas mehr Zeit, um weitere Dinge anzupacken. «Wir wollen uns verbessern, wenn der Gegner tief steht und natürlich ist auch die Defensive ein Thema», so Rahmen. Denn seine Ungeschlagen-Serie soll in einer Woche gegen St. Gallen mit einem Sieg ausgebaut werden.

Die Highlights

Das Telegramm

Lausanne - Basel 3:3 (2:1)

Stade de la Tuilière. – 100 Zuschauende. – SR Stefan Horisberger. – Tore: 10. Mahou 1:0 (Boranijasevic). 29. Kukuruzovic 2:0 (Foulpenalty). 32. Cabral 2:1 (Foulpenalty). 76. Cabral 2:2 (Stocker). 82. Boranijasevic 3:2. 85. Stocker 3:3 (Cabral).

Lausanne
: Diaw; Loosli, Jenz, Flo (25. Nanizayamo); Boranijasevic, Puertas, Kukuruzovic (69. Thomas); Suzuki (81. Tsongui); da Cunha (69. Bares); Guessand, Mahou (81. Bolingi).

Basel
: Lindner; Widmer, Cömert, Klose (46. Zuffi), Abrashi; Kasami, Frei; Sene (58. Pululu), Stocker, Males (81. van Wolfswinkel); Cabral.

Bemerkungen
: Lausanne ohne Falk, Geissmann, Mastil, Elton Monteiro, Schmidt, Turkes, Zekhnini und Zohouri (alle verletzt). FCB ohne Jorge, Padula, Petretta, Xhaka (alle verletzt) und Zhegrova (gesperrt). – Verwarnungen: 31. Loosli (Foul). 38. Puertas (Foul). 79. Widmer (Foul). 80. Stocker (Foul). 89. Thomas (Foul).

Die Bilder zum Spiel

Aktuelle Nachrichten