Premier League
Ilkay Gündogan: Erst Pechvogel, dann Matchwinner

Der 30-jährige deutsche Nationalspieler verschiesst zuerst einen Penalty, führt dann aber mit zwei Toren Manchester City zum 4:1-Sieg in Liverpool. Die Reds können damit den Titel kaum mehr verteidigen.

Markus Brütsch
Merken
Drucken
Teilen
Der Mann des Tages: Ilkay Gündogan (vorne) führt sein Team zum ersten Sieg an Anfield seit 2003.

Der Mann des Tages: Ilkay Gündogan (vorne) führt sein Team zum ersten Sieg an Anfield seit 2003.

Keystone

Der FC Liverpool ist raus aus dem Titelrennen. Nach der ersten Heimniederlage gegen Manchester City seit 2003 beträgt sein Rückstand auf den Leader bei einem Mehrspiel zehn Punkte; eine Hypothek, die in den verbleibenden 15 Runden nicht mehr wettzumachen ist. Zumal die Verfassung der Mancunians so überzeugend ist, dass ein Einbruch unvorstellbar erscheint. Beim 4:1 an Anfield beeindruckten diese durch ihre Effizienz. Mit fünf Schüssen auf das Tor der Reds erzielten sie vier Tore.

Im Kampf um ihren siebten Meistertitel dürfte sich ihnen nun Stadtrivale Manchester United als härtester Gegner in den Weg stellen. Die Roten Teufel liegen fünf Zähler zurück, nach Verlustpunkten allerdings acht. Anfang März kommt es zum Direktduell.

Die atemberaubende Statistik der Skyblues

Klarer Favorit auf den Titel in der Premier League ist aber Manchester City. Allein die Statistik der Skyblues ist atemberaubend. Bei einem Torverhältnis von 37:4 haben sie die letzten 14 Pflichtspiele allesamt gewonnen und damit den Rekord für die längste wettbewerbsübergreifende Siegesserie eines englischen Klubs eingestellt. Das hatten bisher nur Preston North End im Jahr 1892 und der FC Arsenal 1987 geschafft.

Fast unglaublich ist die defensive Stabilität, die Trainer Pep Guardiolas Team ausmacht. Dass 12 der 15 Saisonsiege ohne Gegentor errungen wurden, hängt mit dem Transfer von Ruben Dias zusammen, der für 68 Millionen Euro von Benfica geholt wurde. Mit dem 23-jährigen portugiesischen Innenverteidiger hat Guardiola das grosse Los gezogen; vergleichbar mit Liverpools Coup 2018 mit dem aktuell ausfallenden Virgil van Dijk.

Nach der 2:5-Heimiederlage gegen Leicester City am zweiten Spieltag - noch ohne Dias - hat Guardiola die Ausrichtung verändert und lässt seither und entgegen seinem Naturell der Offensive nicht mehr bedingungslos freien Lauf. In Spanien nennen sie diese Philosophie Tiki-Takanaccio in Anlehnung an den Ballbesitzfussball Tiki-Taka und den früher in Italien zelebrierten Catenaccio.

In Liverpool stach aus dem Kollektiv der Deutsche Ilkay Gündogan heraus, der zuerst einen Penalty übers Tor drosch, dann aber mit zwei Treffern die Wende einleitete und nun in den letzten elf Spielen neun Tore geschossen hat. Der 30-Jährige füllt die Lücke des verletzten Kevin De Bruyne perfekt aus.

Der FC Liverpool aber hat nun an Anfield nach zuvor 68 Partien ohne Niederlage drei Mal hintereinander verloren. Obwohl es noch 1:1 stand, als Xherdan Shaqiri nach 68 Minuten für Thiago eingewechselt wurde und danach die Gegentore von Gündogan, Raheem Sterling und Phil Foden auf dem Rasen mitansehen musste, ist dem Schweizer kein Vorwurf zu machen. Dem sonstigen Weltklassekeeper Allison Becker dagegen schon, der mit zwei Fehlpässen dem Gegner zwei Tore schenkte. «Das geht in einem solchen Spiel natürlich nicht. Diese Patzer haben uns kaputtgemacht», sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp, dessen Team durch ein Penaltytor von Mohamed Salah nach einer Stunde ausgeglichen hatte und dessen Bilanz gegen Guardiola nun bei 5:5-Siegen steht. «Ansonsten bin ich mit der Leistung zufrieden. Hätten wir immer so gespielt, wären wir jetzt nicht so weit weg von Manchester City.»

Jetzt aber müssen die Liverpooler dafür sorgen, sich in der Liga einen Platz für die nächste Champions League zu sichern. Dass ihnen dies mit dem Gewinns der aktuellen Königsklasse gelingen könnte, scheint derzeit unwahrscheinlich.