Ironman Hawaii
Perfektion nach Plan: Daniela Ryf strebt den vierten Titel in Folge an

Die Solothurner Triathletin Daniela Ryf (31) überlässt in der Vorbereitung auf den Ironman Hawaii nichts dem Zufall. Sie sucht nach der Perfektion, weil sie stets etwas findet, was sie verbessern könnte.

Simon Häring
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Daniela Ryf gönnt sich beim Schwimmtraining auf Hawaii 2017 einen Schluck. Ihr Streben nach Perfektion geht trotz drei Hawaii-Siegen in Folge weiter.

Daniela Ryf gönnt sich beim Schwimmtraining auf Hawaii 2017 einen Schluck. Ihr Streben nach Perfektion geht trotz drei Hawaii-Siegen in Folge weiter.

Selbst für sie fühle es sich in den ersten Tagen auf Big Island an, als würde sie sterben, sagt Daniela Ryf (31). «Dabei weiss ich, dass ich austrainiert bin», sagt die Solothurnerin, am Tag der Abreise nach Hawaii. Eben erst wurde sie in Port Elizabeth zum vierten Mal Weltmeisterin über die halbe Ironman-Distanz, quasi aus dem Training heraus.

Nicht einmal ein gerissener Reissverschluss konnte sie bremsen. Der Titel gibt ihr die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Es laufe nach Plan, aber sicher fühle sie sich nie. «Im Triathlon kann so viel passieren», sagt Ryf.

Nichts ist mit den Bedingungen beim Ironman auf Hawaii zu vergleichen. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad, und zum Abschluss noch ein Marathon: 42,195 Kilometer. Bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und starken Winden.

Es ist ein Rennen der Superlative. Eines, das nur bestreiten kann, wer den Körper auf Höchstleistung getrimmt hat. «Nie im Leben würde ich hier antreten, wenn ich nicht absolut bereit dazu wäre. Dafür ist es einfach zu hart», sagt Ryf.

Ohne Druck an die Herausforderung

Paula Newby-Fraser hat hier acht Mal triumphiert, sechs Mal siegte Natascha Badmann, vier Mal Chrissie Wellington. Doch vier Erfolge in Serie – das ist noch niemandem gelungen. Genau dieser Herausforderung stellt sich Daniela Ryf. «Druck mache ich mir keinen. Ich habe nur einen Anspruch an mich: Ich möchte ein besseres Rennen zeigen als im Vorjahr.»

Es ist nicht so, dass Daniela Ryf keine Konkurrenz hätte. Es ist nur vielmehr so, dass es sie nicht besonders zu kümmern scheint. Sie versteht den Ironman als Kampf mit sich selber. Einer, bei dem es gilt, besser, kompletter, schneller zu werden.

«Ich finde immer etwas, das ich hätte besser machen können, auch wenn es ein perfektes Rennen war. Manchmal zermürbt mich das vielleicht, weil es besser wäre, wenn ich einmal zufrieden bin.» Anderseits sei ihr Streben nach Perfektion wohl auch ihr Erfolgsrezept. Es ist faszinierend, mit wie viel Akribie und Disziplin sie die eigenen Grenzen sucht.

Velodrom und Windkanal

März 2018, Velodrom in Biel. Mit einem Heer von Spezialisten tüftelt Ryf am Fahrrad. Es geht um verschiedene Helme, um die Räder, den Lenker, die Position. April 2018: Ryf weilt für drei Wochen im Trainingslager auf Gran Canaria. Im Fokus: das Schwimmen.

Fünf Minuten verlor sie 2017 auf die Besten, «das wird mir in diesem Jahr nicht mehr passieren.» Verbessert habe sie sich, «aber ich bin realistisch. Ich werde wieder zwei, drei Minuten verlieren.» Doch das Rennen werde erst auf dem Rad oder beim Laufen entschieden.

Einige Stationen der Karriere von Triathletin Daniela Ryf Daniela Ryf wird 1987 in Feldbrunnen geboren. Seit 1998 ist Triathlon ihre Leidenschaft.
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Daniela Ryf siegt 2005 am VW Circuit Junioren. Allerdings wird sie disqualifiziert, weil sie eine Sicherheitslinie überfahren hatte.
Es reiht sich Sieg an Sieg...
Seit 2007 kann die Feldbrunnerin vom Triathlon leben.
Für die beste Vorbereitung auf ihre Rennen ist sie fast das ganze Jahr unterwegs.
Samuel Schmid gratuliert Daniela Ryf zum 8. Platz an der Juniorinnen-WM 2006 in Lausanne.
Im Mai 2008 holt sie die Bronze-Medaille an der Triathlon-WM in Madrid
Als 21-Jährige gewinnt sie in Vancouver im Juni 2008 den WM-Titel in der U23-Kategorie und holt das erste Schweizer Gold seit 2001, als sich Nicola Spirig in Edmonton (CAN) zur Junioren-Weltmeisterin küren liess.
Mit dem Sieg qualifiziert sie sich für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking
Daniela Ryf am 18.August 2008 an den Olympischen Sommerspielen. Sie wird siebte.
Daniela Ryf gewinnt 2009 zusammen mit Ruedi Wild, Magali di Marco und Lukas Salvisberg die Weltmeisterschaft im Mixed Relay (Teamwertung) in West Des Moines (USA).
Nicola Spirig und Daniela Ryf liefern sich im August 2009 in Nyon ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Spirig gewinnt hauchdünn.
Im WM-Rennen in Seoul im Mai 2010 hat dann Daniela Ryf die Nase vorn. Sie gewinnt mit 2:00:59 Stunden ihr erstes Rennen dieser Stufe.
21.August 2010: Daniela Ryf gewinnt Bronze an den Sprint-Weltmeisterschaften in Lausanne.
Im Juni 2011 nimmt sie am WM-Serie-Rennen in Madrid teil. Es ist für längere Zeit das letzte Rennen, welches sie beenden kann.
Eine schwere Virusinfektion im Magen-Darm-Trakt und die folgende Behandlung mit Antibiotika werfen die zweifache Junioren-Europameisterin, U23-Weltmeisterin, Team-Weltmeisterin, WM-Serie-Vierte und Olympia-Siebte arg aus der Spur.
Beim Auftaktrennen der Weltcupsaison 2012 im Mooloolaba (AUS) kehrt Ryf zurück. Sie holt sich den sechsten Rang. Sie spricht von einem «über weite Strecken starken Rennen mit einer genialen letzten Laufrunde».
Daniela Ryf an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London. Sie wird nur 40. Nicola Spirig geht als Siegerin des Triathlons hervor.
Fünf Jahre hintereinander hat Daniela Ryf den Winter in Australien verbracht, die Wintersaison 2012/2013 trainiert sie wieder mit Schnee und Kälte zuhause in Solothurn.
Ryf gewinnt im August 2013 in Wiesbaden die EM über die halbe Ironman-Distanz. Ihr grösster Triumph bisher.
«Gesundheitlich geht es mir wieder gut, seit ich in die Schweiz zurückgekehrt bin», sagt Ryf.
Ryf beginnt mit dem australischen Erfolgscoach Brett Sutton zusammenzuarbeiten.
Daniela Ryf im Juni 2014 am Zürich Triathlon
Ryf gehört zusammen mit Ruedi Wild zu den Sieger dieses "5150"-Triathlons Ryf verteidigt damit erfolgreich ihren Titel über die olympische Distanz in knapp zwei Stunden gegen namhafte Konkurrenz.
Dieser Sieg war nicht der einzige an diesem Wochenende. Einen Tag später gibt sie am Ironman Switzerland in Zürich ihren Einstand auf der Ironman-Distanz (Langdistanz-Triathlon über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen) – sie siegt souverän, trotz Problemen auf der Strecke. «Dieses Wochenende damals war eines der unglaublichsten, die ich je erleben durfte», wird sie später sagen.
2014 verteidigt sie auch ihren 70,3-Europameistertitel über die Halbironman-Distanz in Wiesbaden (D) (Archiv)
11. Oktober 2014: Daniela Ryf gibt ihr Debüt am Ironman Hawaii. Sie läuft in 9:02:57 als Zweite im Ziel ein. Die Solothurnerin muss sich nur um zwei Minuten von der Vorjahressiegerin Mirinda Carfrae (Au) geschlagen geben.
Eine weitere Medaille für die Sammlerin: Hier strahlt die Gewinnerin des Ironman 70.3 vom 7.Juni 2015 in Rapperswil
Als erste über die Ziellinie: Im Juli 2015 am Ironman in Frankfurt erneut Tatsache.
Extreme Leistung: Daniela Ryf am 10. Oktober 2015 beim Ironman auf Hawaii.
Im Vorjahr noch zweite, gewinnt Ryf 2015 die Ironman-WM auf Hawaii – als erste Schweizerin seit 2005.
Ryf schreibt Triathlon-Geschichte Weil die Solothurner Triathletin 2015 die halbe Ironman-Distanz in Dubai (Challenge), die 70.3-WM in Zell am See (Ö) sowie auch den Ironman von Bahrain gewinnt, knackt sie den Millionen-Dollar-Jackpot für die Triple Crown.
2015 darf sich die Solothurnerin «Sportlerin des Jahres» nennen
In Dubai erkämpft sie sich im Januar 2016 bereits den zehnten Sieg in Folge über die halbe Ironman-Distanz.
Ironman Zürich 2016: Daniela Ryf auf dem Weg zur Wechselzone.
Auch dieses Rennen beendet die Solothurnerin als Siegerin
Daniela Ryf unterwegs an der Ironman-WM auf Hawaii 2016. Sie ist erneut eine Klasse für sich und verteidigt den Titel aus dem Vorjahr erfolgreich.
Die beiden Triathletinnen Daniela Ryf (l.) und Natascha Badmann 2017 Anfang 2017 hat Ryf mit Rückenproblemen zu kämpfen. Während drei Monaten muss sie deshalb etwas zurückstecken.
Im Juni 2017 ist alles ok: Die Langdistanz-Triathletin gewinnt zum zweiten Mal in ihrer Karriere nach 2016 den Ironman im deutschen Roth.
Daniela Ryf gewinnt im Juni 2017 erneut den Ironman 70.3 von Rapperswil.
Daniela Ryf beim Zieleinlauf an der 70.3-Ironman-WM 2017 in den USA
Oktober 2017: Erleichterung bei Daniela Ryf an der Ironman-WM auf Hawaii.
Bei der Siegerehrung gehen die Emotionen hoch.

Einige Stationen der Karriere von Triathletin Daniela Ryf Daniela Ryf wird 1987 in Feldbrunnen geboren. Seit 1998 ist Triathlon ihre Leidenschaft.

Hanspeter Bärtschi

Dort ist Ryf zwar die Beste. Doch sie will noch besser werden. Mai 2018. Immenstadt im Allgäu. Windkanaltests. Dort können nicht nur Daten zur Aerodynamik gewonnen, sondern auch Seitenwinde simuliert werden. Im Mittelpunkt stehen die Haltung des Kopfes und die Position der Getränkeflasche. Der Spezialist glaubt: «Daniela wird auf der Radstrecke drei Minuten schneller sein.»

Im Juni gewinnt Ryf zum fünften Mal den Ironman in Rapperswil. Im Juli triumphiert sie in Frankfurt. Die vergangenen drei Monate verbringt sie in der Höhenlage von St. Moritz. Sie sagt, viele würden ihren Körper extrem unterschätzen.

Sie habe nie geglaubt, dass es möglich sei, solche Leistungen zu erbringen. «Aber Triathlon zeigt dir, zu was der Körper wirklich fähig ist.» Sie selber ist das beste Beispiel dafür. Und zwar unabhängig davon, ob sie am 13. Oktober zum vierten Mal auf Hawaii gewinnt.

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