Tennis

Nur noch zwei Grand-Slam-Titel entfernt: Nadal ist Federer dicht auf den Fersen

Die Erlösung nach drei Stunden Finalkampf: Sandkönig Rafael Nadal macht seinem Ruf alle Ehre und gewinnt zum 12. Mal die French Open.

Nach dem 12. Triumph von Rafael Nadal in Paris scheint das Rennen um den symbolischen Titel des besten Spielers aller Zeiten offener als je zuvor. Der Spanier liegt nach seinem 18. Grand-Slam-Titel nur noch zwei Trophäen hinter Roger Federer zurück

«Ich bin nicht der Typ, der beleidigt ist, wenn mein Nachbar ein grösseres Haus hat als ich», sagte Rafael Nadal nach seinem Viersatz-Sieg im French-Open-Final. «Natürlich würde ich den Rekord gerne brechen, ich werde nicht lügen. Aber mache ich daraus ein Karriereziel? Nein», erklärte der Spanier angesprochen auf das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Roger Federer um die meisten Major-Titel.

«Wenn ich es schaffe, wäre ich sehr glücklich darüber. Aber ich habe in meiner Karriere ohnehin schon viel mehr erreicht, als ich mir jemals hätte träumen lassen», führte Nadal aus. Noch nie war der Mallorquiner dem Schweizer in der bedeutendsten Rekord-Kategorie so nahe. Als Federer vor zehn Jahren die Bestmarke von Pete Sampras (14 Major-Titel) egalisierte, hatte Nadal erst acht Trophäen. Und 2012 stand der Sandkönig bei 11 Titeln, als Federer in Wimbledon zu seinem 17. kam.

Phänomenale Bilanz

Die Zeit arbeitet gegen Federer. Der Baselbieter wird Anfang August 38-jährig, während Nadal eben seinen 33. Geburtstag in Paris feierte. Schon bald könnte die Situation aber wieder etwas anders aussehen. In Wimbledon stehen die Chancen von Federer wieder deutlich besser als in Paris. Kein anderes Grand-Slam-Turnier liegt ihm so gut wie jenes in London, wo er seinen neunten Titel anstrebt.

In Paris hat Nadal der Konkurrenz seit seiner ersten Teilnahme 2005 nur drei Turniersiege überlassen und 12 der 15 Austragungen für sich entschieden (2005–2008, 2010–2014, 2017– 2019). Es ist eine phänomenale Bilanz. Nur drei andere Spieler haben überhaupt mehr als zwölf Grand-Slam-Turniere gewonnen: Roger Federer, Novak Djokovic (15) und Pete Sampras. Der Fünfte in dieser Rangliste ist Roy Emerson mit zwölf Majors.

Dreikampf im Titelrennen

Zurzeit deutet nichts darauf hin, dass die Dominanz von Nadal in Roland Garros zu einem baldigen Ende kommt. Auf Sand hat er über drei Gewinnsätze 118 der 120 Partien für sich entschieden, und beim French Open gab er bei den letzten drei Austragungen nur drei Sätze ab, den letzten am Sonntagnachmittag gegen Thiem.

Daraufhin holte er die nächsten zwei Umgänge mit 6:1 und 6:1. «Er entwickelt sein Spiel immer weiter und macht Fortschritte. Würde er das nicht tun, hätte er nicht solche Erfolge gefeiert.», sagte Thiem, der unterlegene Finalgegner der letzten beiden French-Open-Finals.

Fragezeichen gibt es bei Rafael Nadal aber einige. Seine Verletztenliste ist mindestens so lang wie sein Palmarès. Insbesondere seine lädierten Kniegelenke sind ein grosses Thema. Auf den anderen Unterlagen scheint sich Nadal zunehmend weniger wohl zu fühlen. Seit Ende 2010 hat er abgesehen vom French Open nur zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen (US Open 2013 und 2017). Er spielt in den kommenden Wochen auch kein Vorbereitungsturnier auf Wimbledon, um seine Knie zu schonen.

Anderseits ist Nadal auch nicht der einzige Spieler, der Federer bezüglich Anzahl Major-Titel gefährlich werden kann. Novak Djokovic wird sicherlich nicht bei 15 Titeln bleiben. Der Serbe, der die Weltrangliste weiterhin souverän anführt, ist für Wimbledon und das US Open der Topfavorit. Federer, Nadal und Djokovic werden sich noch einige Monate lang einen Dreikampf um den Titel des besten Spielers aller Zeiten liefern.

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