US Open

Nick Kyrgios bringt Roger Federer mit drohender Sperre in Bedrängnis

Roger Federer und Nick Kyrgios beim Laver Cup 2018 (Bild: Keystone).

Roger Federer und Nick Kyrgios beim Laver Cup 2018 (Bild: Keystone).

Wegen einer verbalen Entgleisung während der US Open wird Nick Kyrgios in den nächsten Wochen mit einer Sperre belegt. Obwohl sich selbst Namensgeber Rod Laver für eine Sperre ausspricht, wird Kyrgios beim Laver Cup in Genf spielen dürfen.

Sein Sündenregister ist lang, und wird immer länger. Jüngst biss Nick Kyrgios in die Hand, die ihn füttert. Angesprochen auf eine 113'000-Dollar-Busse, sagte er: «Es kümmert mich nicht, die ATP ist ziemlich korrupt.» Kyrgios hatte Anfang August in Cincinnati Schiedsrichter Fergus Murphy mehrfach beleidigt, ihm den Handschlag verweigert und stattdessen neben dessen Stuhl gespuckt. Zwar ruderte Kyrgios danach zurück, in dem er sagte, er habe die falschen Worte gewählt, allerdings nur ein wenig. «Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass die ATP einen Doppel-Standard hat. Andere werden für die gleichen Vergehen nicht sanktioniert.» Namen nannte er keine. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass der Schnellspieler sich darüber ärgert, dass Zeitüberschreitungen von Rafael Nadal und Novak Djokovic nur selten bestraft werden.

Wie uneinsichtig Kyrgios im Kern ist, offenbarte sich bei den US Open, als er die Busse über 9000 Dollar gegen Halbfinalist Daniil Medvedev mit den hämischen Worten kommentierte: «Ich werde meine Spucke später für 20'000 Dollar auf eBay versteigern.» Nick Kyrgios weiss, dass er mit seiner Art polarisiert, und dass das Lager seiner Anhänger mindestens so gross ist wie das seiner Gegner. Neben den grossen drei um Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer generiert kein Spieler so viel Aufmerksamkeit wie er. Gleichwohl relativierte er seine Aussagen, wohl um die Dauer einer Sperre zu verringern. «Ich bin nicht perfekt und gebe es auch nicht vor. Ich anerkenne, dass ich für mein Verhalten Bussen und Sanktionen verdiene», schrieb er, erwarte aber Fairness und eine klare Linie. Das sei bisher nicht der Fall gewesen.

Federer schweigt, Rod Laver fordert Sperre

Die ATP ermittelt unter der Leitung von Vize-Präsident Gayle David Bradshaw, der zugleich oberster Regelhüter ist, wegen «Verstosses gegen die Integrität des Spiels» gegen Kyrgios, dem eine Sperre droht. Entschieden wird indes erst Ende des Monats, weil der Australier noch nicht angehört werden konnte. Das bedeutet, dass Kyrgios beim Laver Cup in Genf (20. bis 22. September) spielen wird. Die ATP richtete aus, der Anlass sei zwar Teil des Kalenders, technisch aber nicht Teil der Tour. Der Kontinentalwettbewerb zwischen Europa und dem Rest der Welt falle deshalb auch nicht unter ihre Sanktionshoheit. Zudem werden die vier Grand-Slam-Turniere vom internationalen Tennisverband ITF ausgetragen und nicht von der ATP, den beiden Organisationen steht es deshalb offen, Strafen der jeweils anderen zu respektieren.

Der Laver Cup versteht sich als Fest der Tennis-Generationen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Nick Kyrgios nahm an den beiden ersten Ausgaben teil und sagte jüngst, der Laver Cup sei seine Lieblingswoche des Jahres. Dass einer, der demnächst gesperrt wird, bei seinem Turnier spielt, kann auch Roger Federer nicht gefallen. Er hatte den Australier immer wieder verteidigt, sagte in Wimbledon aber: «Er macht sich keinen Gefallen, wenn er alle gegen sich aufbringt. Nick bewegt sich auf dünnem Eis.» Federer wollte sich bei den US Open nicht zum Fall äussern. Seine Meinung kundgetan hat indes Australiens Tennis-Ikone und der Namensgeber des Laver Cups: Rod Laver. «Nick hat nichts aus der Vergangenheit gelernt», sagte der 81-Jährige und sprach sich für eine Sperre aus. «Vielleicht ist das die einzige Antwort.»

Namensgeber Rod Laver spricht sich für eine Sperre aus (Bild: Keystone).

Namensgeber Rod Laver spricht sich für eine Sperre aus (Bild: Keystone).

Für Nick Kyrgios wäre es nicht das erste Mal, dass er aus dem Verkehr gezogen wird. Vor drei Jahren war er zunächst für zwei Monate gesperrt worden, weil er bei einem Turnier in Schanghai den nötigen Einsatz hatte vermissen lassen. Die Sperre wurde später auf drei Wochen reduziert, weil Kyrgios sich bereit erklärt hatte, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er verpasste kein Turnier. Ein solches Szenario ist für den Laver Cup ausgeschlossen, weil die ATP erst später über eine Strafe befinden wird. Und so unterhaltend Kyrgios spielt, er wäre damit so etwas wie eine dunkle Wolke über dem Tennis-Fest. Aber vielleicht löst sich das Problem auch von selbst und Kyrgios spielt am Ende doch nicht in Genf. Bei den US Open erklärte der 24-Jährige für das Doppel Forfait und machte eine Verletzung am Ellbogen geltend.

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