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Vom Strassenverkäufer zur NBA-Lichtgestalt: Die unglaubliche Geschichte von Giannis Antetokounmpo

Das Faszinosum Giannis Antetokounmpo versucht mit Milwaukee den Titel in der NBA zu verteidigen.

Nicola Berger
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Giannis Antetokounmpo ist der grosse Star der NBA.

Giannis Antetokounmpo ist der grosse Star der NBA.

Rick Bowmer / AP

Es mangelt der Unterhaltungsfabrik NBA selten an Schlagzeilen, auch jetzt nicht, es geht um neu formierte Superteams, um die Weigerung mancher Spieler, sich impfen zu lassen. Um Geld, um Glamour, um Eitelkeiten. Es kann vorkommen, dass man den sportlichen Aspekt fast vergisst. Doch die Milwaukee Bucks versuchen in der am Dienstag beginnenden Saison ihren Titel zu verteidigen.

Der Erfolg der Bucks vom Juli war ein Rührstück des Sportjahres 2021. Der Triumph war einmal mehr der Nachweis dafür, dass Parität in den grossen amerikanischen Profiligen mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Milwaukee, eine etwas verschlafene Kleinstadt mit 500'000 Einwohnern, ist einer der kleinsten Märkte in der NBA. Wer hier spielt, hat nicht die gleichen Vermarktungsmöglichkeiten wie die Stars in den Küstenmetropolen, LeBron James beispielsweise, der sich im Sommer mit Space Jam 2 als Schauspieler versuchte. Er hätte das der Welt besser erspart, aber lukrativ war es trotzdem.

«The Greek Freak» vom Nobody zum Superstar

Ein grosser Name für die Milwaukee Bucks': Giannis Antetokounmpo.

Ein grosser Name für die Milwaukee Bucks': Giannis Antetokounmpo.

Frank Franklin Ii / AP

Es ist für Teams wie Milwaukee schwierig, grosse Namen zur Unterschrift zu bewegen – sie müssen sie schon selbst draften und ausbilden. Und hoffen, dass das zu einer gewissen Loyalität führt. Bei Giannis Antetokounmpo hat das funktioniert. Antetokounmpo, 26, Übername «The Greek Freak» stieg bei den Bucks seit 2013 vom Nobody zum Superstar auf. In gewisser Weise ist das die Geschichte seines Lebens: Seine Eltern flüchteten 1991 von Lagos nach Griechenland und lebten in Athen in stetiger Furcht, abgeschoben zu werden. Giannis und sein Bruder Thanasis, der heute ebenfalls bei den Bucks unter Vertrag steht, halfen als Strassenverkäufer, den Unterhalt der Familie sicherzustellen: Rund und um die Akropolis verkauften sie Sonnenbrillen und gefälschte Uhren. Das Geld war knapp, es kam vor, dass Giannis hungrig im Müll nach Essensresten suchte.

Basketball wurde zum Ausweg für ihn, der Schuhgrösse 49 hat und 2,11 Meter misst und mit einer physischen Explosivität gesegnet ist, wie man sie selbst in der NBA selten sieht – sein 2017 verstorbener Vater war Fussballer, die Mutter Hochspringerin. Seine Leistungen sorgten schon in der dritthöchsten griechischen Liga für Aufmerksamkeit, doch bis 19 konnte er das Land nicht verlassen – er hatte keine Papiere. In seinem ersten Jahr in Milwaukee schickte er einmal Geld per Western Union an die Eltern und überschritt damit sein Bezugslimit am Bancomat, die Dollar reichten nicht mehr für das Taxi zum Stadion. Zufällig entdeckte ihn jemand auf der Strasse und fuhr ihn hin.

Giannis Antetokounmpo hat Schuhgrösse 49.

Giannis Antetokounmpo hat Schuhgrösse 49.

Rick Bowmer / AP

Verteilt Essen an unterprivilegierte Menschen

Es sind auch solche Episoden, die zur Legendenbildung in Milwaukee beigetragen haben; der Anhang hat ihn schon vor dem prächtigen Playoff von diesem Sommer verehrt. Zumal es wenig Spieler gibt, die mehr für die Gesellschaft machen als Antetokounmpo. Er schreibt nicht nur einfach Checks für karitative Zwecke, sondern ist beispielsweise nicht zu schade dafür, Essen an unterprivilegierte Menschen gleich selbst zu verteilen.

Die Bande zwischen ihm und der Stadt war stets stark, und doch bestand die Furcht, dass er den Klub bei der nächsten Gelegenheit verlassen könnte, nach New York etwa. Doch im Dezember 2020 verlängerte Antetokounmpo seinen Vertrag für 228 Millionen Dollar um fünf weitere Jahre. Ein halbes Jahr später gelang den Bucks der ganz grosse Wurf, es war der perfekte Sturm.

Giannis Antetokounmpo (rechts) im Duell mit Oklahomas Luguentz Dort.

Giannis Antetokounmpo (rechts) im Duell mit Oklahomas Luguentz Dort.

Morry Gash / AP

Nun sind die Favoriten die Brookyln Nets um Kevin Durant und die Los Angeles Lakers um LeBron James. Teams, gespickt mit allerlei Stars. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass Giannis Antetokounmpo sich gegen alle Wahrscheinlichkeiten durchsetzt.

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