Interview
Der neue Nationaltrainer Murat Yakin spricht erstmals: «Wir müssen die Euphorie des Nationalteams weitertragen»

Murat Yakin spricht bei seiner Vorstellung als neuer Nationaltrainer über seine Pläne, seine Spielidee und den Abschied beim FC Schaffhausen.

Aufgezeichnet: Raphael Gutzwiller
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Beitrag: Silja Hänggi

Murat Yakin, haben Sie davon geträumt Nationaltrainer zu werden?

Es ist für mich eine grosse Ehre und erfüllt mich mit Stolz. Schon vor sieben Jahren, als Vladimir Petkovic Nationaltrainer wurde, gab es einen ersten kurzen Kontakt. Aber damals war mir klar, dass der Leistungsausweis von Vladimir besser war und er sich die Wahl verdient hatte. Was er in den letzten sieben Jahren mit dem Nationalteam geleistet hat, verdient grossen Respekt. Ich persönlich habe nach meinen Erfolgen sportlich einen Rückschritt nach Schaffhausen gemacht. Menschlich war dies jedoch ein grosser Fortschritt. Ich habe nie daran einen Gedanken verschwendet, ob ich in der Challenge League zu weit weg war. Und in den Gesprächen habe ich gemerkt, dass ich viele Kriterien erfülle und berechtigte Hoffnung haben durfte auf die Stelle.

Wie haben Sie reagiert, als Sie Ihren ersten Anruf bekommen haben von Pierluigi Tami bezüglich der Stelle des Nationaltrainers?

Ich muss ehrlich sagen: Ich war überrascht. Ich war aber auch glücklich, dass ich zu den Kandidaten gezählt habe. Wir haben uns dann zum Gespräch getroffen: Tami, Präsident Dominique Blanc und ich. Es war ein unbekümmertes, offenes Gespräch, in dem ich gespürt habe, dass ich die Mannschaft schon gut kenne und eine gute Chance drin liegt.

Sie hatten als Trainer des FC Basels ziemlich grossen Erfolg, mussten im Sommer 2014 trotzdem gehen. Wie denken Sie heute über diese Zeit in Basel und jenes Ende nach?

Damals hatten wir den maximalen Erfolg. Ich hatte meine Leistung gezeigt mit dem Team. Wir spielten im Halbfinal in der Europa League, wurden zweimal Meister, standen zweimal im Cupfinal. Doch der Weg ging weiter. Irgendwann muss man akzeptieren, dass es zu Entscheidungen kommt.

Murat Yakin feierte beim FC Basel grosse Erfolge.

Murat Yakin feierte beim FC Basel grosse Erfolge.

Bild. Keystone

Am Sonntag haben Sie das letzte Spiel als Trainer des FC Schaffhausen bestritten. Ihrem Team und dem Staff wird bewusst gewesen sein, dass es ein Abschlussspiel ist.

Vor dem Spiel konnten wir es noch nicht verkünden, die Verträge wurden erst am Montag unterschrieben. Aber ich habe transparent kommuniziert und gesagt, dass ich diese Aufgabe gerne übernehmen möchte. Ich glaube, dies haben alle verstanden. Die Spieler und alle Verantwortlichen haben mir viel Glück gewünscht. Ich werde weiter versuchen, dem FC Schaffhausen die Daumen zu drücken.

Letztes Spiel als Trainer des FC Schaffhausen: Murat Yakin.

Letztes Spiel als Trainer des FC Schaffhausen: Murat Yakin.

Toto Marti/Freshfocus

Als Nationaltrainer haben Sie sogleich einiges zu tun. Was müssen Sie jetzt konkret anpacken?

Wir haben am Dienstag ein Meeting mit dem technischen Staff, in dem es einiges zu besprechen gilt. Zudem steht auch viel Pressearbeit bevor. Doch mein Hauptaugenmerk liegt bereits auf den kommenden Spielen. Wir müssen entscheiden, welche Spieler wir aufbieten, wie sie in Form sind. Ich möchte auch mit den wichtigsten Spielern bereits erste Gespräche führen. Zudem unterhalte ich mich auch mit Pierluigi Tami und Vladimir Petkovic.

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Beitrag: Silja Hänggi

Welche Inputs erhoffen Sie sich durch die Gespräche mit Vladimir Petkovic?

Mich interessiert vor allem das Sportliche. Ich habe die Spieler ja genau beobachtet und ich habe die Entscheidungen der Spielerwahl beobachtet. Das interessiert mich. Von den Profilen der eigenen Spielern, wie er mit der Taktik umgegangen ist. Was mich fasziniert ist, dass man eine Strategie hat und dies während dem Spiel ändern und agieren kann.

Wie sieht Ihre Spielidee mit der Nationalmannschaft aus?

Die ist nicht viel anders, als jene von Vladimir Petkovic. Er hat einen organisierten Fussball spielen lassen - auch mit Freude. In dieser kurzen Zeit bis zum ersten Spiel muss man nicht viel verändern. Man hat gesehen, dass die Mannschaft intakt ist. Ob es in einer Dreier- oder Viererabwehr kette ist, werden wir sehen.

SFV-Präsident Dominique Blanc gratuliert Murat Yakin.

SFV-Präsident Dominique Blanc gratuliert Murat Yakin.

Urs Lindt / freshfocus

Ist es schwieriger oder einfacher nach so einer erfolgreichen Europameisterschaft Nationaltrainer zu werden?

Den Moment kann man sich nicht aussuchen. Wir möchten die ganze Euphorie mitnehmen, dazu sicher auch die taktische Finesse. Es ist sicher eine kurze Zeit, immerhin habe ich das Glück, das vor dem wichtigen Spiel gegen Italien noch ein Testspiel ansteht. Aber insgesamt sehe ich es positiv. Ich möchte dem Team Freude vermitteln.

In der WM-Qualifikation bekommt es die Schweiz mit Europameister Italien zu tun. Sagen Sie, dass die Schweiz Gruppensieger werden soll oder gehen Sie locker an diese Aufgabe heran?

Ich bin ein Siegertyp und will das der Mannschaft vermitteln. Wir möchten das Selbstvertrauen, das das Team schon hat, weiter verbessern. Wir haben ein Heimspiel vor hoffentlich ausverkauftem Haus gegen den Europameister. Das ist eine tolle Affiche. Ich will nicht sagen, dass wir nichts zu verlieren haben. Aber die Kampagne ist lange, wir müssen auch gegen andere Gegner bestehen. Wir greifen im richtigen Moment an. Wenn es darauf ankommt.

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