Muhammad Ali
Muhammad Ali wird 70: Der Kämpfer mit den vielen Gesichtern

Einer der wohl bedeutendsten Sportler, Kämpfer und politischen Figuren des 20. Jahrhunderts wird heute 70 Jahre alt - Muhammad Ali, der Champion des Volkes. Ein Rückblick auf seine Kämpfe in- und ausserhalb des Boxrings.

Kim Ghilardi
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Titelkampf Schweisstropfen fliegen vom Kopf Joe Fraziers, als dieser in der neunten Runde hart von Ali getroffen wird.
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Rückkampf um den Titel Sonny Liston wird im Rückkampf um den Titel im Mai 1965 in der ersten Runde von Ali K.O geschlagen. Liston liegt getroffen am Boden und Ali ruft ihm wiederholt zu : «Steh auf, du Penner!».
Ali und die Beatles Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr, und George Harrison. (von Links)
Päpstlicher Besuch Muhammad Ali beim besuch des Papstes Johannes Paul II im Juni 1982.
Muhammad Ali wird 70
Der Grimassenschneider Ali 1974 während einer Pressekonferenz.
Ron Lyle Muhammad Ali 1975 im Kampf gegen Ron Lyle.
«Rumble in the Jungle» Oktober 1974: Ali besiegt den Schwergewichts-Boxweltmeister George Foreman in und holt sich den Gürtel zurück.
«Ali! Bumaye» - «Ali! Töte ihn!» George Foreman liegt am Boden, während «Rumble in the Jungle» rief die Menge häufig «Ali! Bumaye» - «Ali! Töte ihn!». Foreman hatte es sich mit der Bevölkerung verscherzt weil er einen Belgischen Schäferhund mitgebracht hatte, ein Symbol der Belgischen Kolonialherrschaft über Zaire.

Titelkampf Schweisstropfen fliegen vom Kopf Joe Fraziers, als dieser in der neunten Runde hart von Ali getroffen wird.

Keystone

Muhammed Ali war nicht nur der jüngste Schwergewichtsweltmeister seiner Zeit, sondern auch ein Vorbild für Mut, Kampfgeist und Durchhaltewillen in Politik und Gesellschaft. Niemals zuvor gab es einen Boxer mit so vielen Seiten und Geschichten. Eine Jahrhundertfigur blickt nach 70 Jahren auf ein turbulentes Leben zurück.

Der Boxer

Mit dem Boxen soll Ali angefangen haben als man ihm mit zwölf Jahren das Fahhrad gestohlen hat und er es den Dieben heimzahlen wollte. Mit grossem Talent und einem starken Willen gesegnet gewann der junge Ali bereits 1954 den Schwergewichts-Weltmeistertitel.

Mit flinken Schritten und einer guten Strategie hatte der Jüngling -damals noch unter dem Namen Cassius Clay- den Titelverteidiger Sonny Liston auf Abstand gehalten und immer wieder hart im Gesicht getroffen - bis dieser aufgab. Die Bilder des triumphierenden 22-Jährigen gingen um die Welt.

Einmal oben verteidigte er seinen Titel erfolgreich und verbesserte sich mit jedem geschlagenen Herausforderer. Der Rückkampf gegen Liston gewann Ali im Mai 1965 in der ersten Runde, nach nur 105 Sekunden durch K.O. Ein unglaublicher Sieg der Geschichte schrieb.

Seine Siege gegen die meist erfahreneren und schwereren Gegner gewann Ali dank seines damals noch einzigartigen Stils: Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene. Der Champion vermied es mit allen Mitteln getroffen zu werden. Er legte viel Wert auf seine Beinarbeit, er tanzte im Ring und hielt seine Gegner mit schnellen Jabs auf Distanz, waren sie dann erschöpft, ging er in den Angriff über.

Das Grossmaul

Bekannt wurde Ali auch dank seiner Reimen und Sprüche die er seinen Kontrahenten an den Kopf warf. Er beleidigte seine Gegner an Pressekonferenzen oder im Radio und sagte ihnen voraus, in welcher Runde sie zu Boden gehen würden: «Archie Moore will be on the floor in round four», «Archie Moore liegt in der vierten Runde am Boden». Nicht selten trafen seine Prophezeiungen ins Schwarze.

Wenn er zu Journalisten sprach, bezeichnete er sich selber als hübsch, weil er ja nie getroffen wurde, seine Gegner aber als hässlich, so sagte er Sonny Liston bei seiner zweiten Begegnung er sei so hässlich, dass der Schweiss rückwärts über seinen Kopf lläuft, damit er nicht über sein Gesicht muss.

Der Moslem

Nach seinem Sieg gegen Liston konvertierte Muhammad Ali offiziell zum sunnitischen Islam und änderte seinen Namen von «Cassius Clay» in «Muhammad Ali» um. Er trat damit der Islamischen Organisation «Nation of Islam» bei, die fast ausschliesslich aus afroamerikanischen Mitgliedern bestand.

In einer Zeit, in der in den USA immer noch starke Konflikte und Misstände mit der schwarzen Bevölkerung an der Tagesordnung standen, setzte er ein Exempel indem er seinen «Sklavennamen» ablegte. Sein Übertritt zum Islam sorgte für grosse Kontroversen und machte ihn zur Zielscheibe von Hass und Missverständnis.

Der Kämpfer

Ausserhalb des Rings hatte Ali immer wieder mit den Behörden und der Öffentlichkeit zu kämpfen und blieb dabei nicht von persönlichen Schicksalsschlägen verschont. Im Jahr 1984 wurde bei Ali das Parkinson-Syndrom diagnostiziert, was möglicherweise mit einer Tätigkeit als Berufsboxer zusammenhängen könnte.

Anfangs nur wenig von der Krankheit gezeichnet, manifestierte sich die Krankheit unaufhaltsam und zeichnete den Kämpfer sichtbar. Trotz seines Leidens nimmt Muhammad Ali aber auch heute noch am öffentlichen Leben teil und setzt sich unter anderem für den Sport aber auch für die friedliche Koexistenz zwischen Christen und Moslems ein. Die Kämpfe die er heute und in vergangenen Tagen bestritten hat, bleiben unvergessen.

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