«Momentan viel Blabla»: Das sagt Roger Federer zur Rückkehr auf Sand und den Differenzen mit Novak Djokovic

Roger Federer bestreitet am Dienstag sein Startspiel beim Turnier in Madrid. Der 20-fache Grand-Slam-Rekordsieger über die Rückkehr auf Sand, den Zwist mit Djokovic und den Geburtstag seiner Söhne.

Simon Häring, Madrid
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Locker: Roger Federer vor seinem Comeback auf Sand. (Bild: Chema Moya/EPA (Madrid, 4. Mai 2019))

Locker: Roger Federer vor seinem Comeback auf Sand. (Bild: Chema Moya/EPA (Madrid, 4. Mai 2019))

Roger Federer (37) meldet sich zurück im Tennis-Zirkus. Bereits seit Freitag weilt er in Madrid, wo er erstmals seit drei Jahren wieder ein Turnier auf Sand bestreitet. Heute Montag feiert er mit der Familie den fünften Geburtstag seiner Söhne Leo und Lenny, am Dienstag steht er erstmals im Einsatz. Während seiner Abwesenheit haben sich Fragen angestaut: zur Zukunft des Tennis und zur Beziehung zu Novak Djokovic. Das sind die brennendsten Fragen und Federers Antworten darauf:

Die Rückkehr auf Sand

«Spannend, aber nicht so schwierig, wie man meinen könnte. Ich habe im Training alles erlebt: Regen, Sonne, Kälte, Wärme, Wind. Ich bin bereit.»

Federer gilt als Meister der Adaption. Dass er drei Jahre nicht mehr auf Sand gespielt hat, ist aber auch für ihn ein Novum. «Man baut die Punkte anders auf, kann mit mehr Winkel und Drall spielen, und auch einmal Tempo aus dem Ballwechsel nehmen.» Es brauche etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen, die Ballwechsel seien länger und würden öfter von der Grundlinie aus gespielt. Bedenken hat der Baselbieter indes keine. «Es ist nicht so schwierig, wie man meinen könnte.» Die Vorbereitung stimme ihn optimistisch. «Als wir angefangen haben, war das Wetter gut. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es vor ein paar Jahren geschneit hat, wie dieses Wochenende in der Schweiz. Das war nicht besonders inspirierend.» Mit der Vorbereitung sei er zufrieden. «Wir hatten alles: Sonne, Regen, Wärme, Kälte, Wind.» Er sei bereit. «Und gespannt, wie es im Match wird.»

Seine Erwartungen

«Es ist eine Herausforderung, die ich unbedingt geniessen will. Es soll nicht nur Krampf und Kampf sein. Aber ich weiss auch, dass viel möglich ist.»

Mit Sandkönig Rafael Nadal (57 Siege), Novak Djokovic (13) und David Ferrer (13), der in Madrid sein letztes Turnier bestreitet, haben nur drei noch aktive Spieler mehr Titel auf Sand gewonnen als Federer, der 2015 in Istanbul seinen elften und bisher letzten Erfolg auf dem Belag feierte, auf dem er gross geworden ist. Zwar sagt Federer, er habe keine grossen Erwartungen, aber auch: «Es ist viel möglich, denn in Madrid ist es schnell, weil es hoch ist. Ich bin selber gespannt.» Für ihn soll die Rückkehr ein Genuss sein, «und nicht nur Krampf und Kampf, das wird es dann schon noch brauchen.» Auch wenn er sich im Training gut fühle, wolle er sich nicht in Kaffeesatzlesen üben, «denn wie es im Match wird, weiss ich nicht. Es ist momentan noch viel Blabla.» Madrid sei eine Herausforderung, die er unbedingt geniessen wolle. Druck verspüre er dennoch. «Ich hoffe, dass ich hier und später in Paris nicht nur zwei Matches spiele.» Federer fühlt sich gerüstet: Mental und körperlich. «Ich habe grosse Lust, gutes Tennis zu spielen. Ja, ich kann sagen: Alles ist wunderbar.»

Der Rücktritt von Gimelstob

«Definitiv die richtige Entscheidung. Er muss ein paar Dinge für sich klären. Es sind herausfordernde und wichtige Zeiten für die Zukunft im Tennis.»

Seit 2008 sass Justin Gimelstob (42) als Spielervertreter im ATP-Board, galt als Favorit auf das ab Januar 2020 vakante Amt des ATP-Präsidenten. Doch Ende April wurde der Amerikaner wegen Körperverletzung zu drei Jahren Haft auf Bewährung, 60 Tagen gemeinnütziger Arbeit und einer Therapie zur Aggressionsbewältigung verurteilt. Anfang Mai trat er von allen Ämtern zurück und entschuldigte sich beim Präsidenten des Spielerrats, Novak Djokovic, der ihn als Nachfolger für den scheidenden Chris Kermode portiert hatte. «Es ist definitiv die richtige Entscheidung, dass er zurückgetreten ist. Er muss ein paar Dinge für sich klären, kein Zweifel», sagt Federer. «Wir müssen nach vorne schauen, denn es sind herausfordernde und wichtige Zeiten für die Zukunft im Tennis.» Er habe viele Gespräche geführt, «um zu spüren, wo wir stehen. Vor allem am Wochenende, an dem alles hochgekocht ist.»

Diskussionen mit Djokovic

«Man kann nicht dauernd telefonieren. Jetzt ist alles gut, entschieden und richtig. Momentan gibt es für mich keinen Grund, mit ihm zu diskutieren.»

Anfang Jahr hatten Federer und Nadal bemängelt, sie seien von Novak Djokovic zur Frage nach der Zukunft von Kermode nicht konsultiert worden. Federer bat Djokovic in Indian Wells am Tag vor der Entscheidung des Spielerrats um eine Unterredung, dieser vertröstete ihn auf den Folgetag – und damit auf nach der Abstimmung. Federer damals: «Er hatte leider keine Zeit für mich. Das ist schwer verständlich.» Auch seither hat kein Austausch stattgefunden. Für Federer sind die Fronten nach Gimelstobs Demission geklärt. Auf die Frage unserer Zeitung sagt er in Madrid: «Man kann nicht dauernd telefonieren. Es gibt momentan nicht viel, worüber wir diskutieren müssten.» Er sei mit anderen Spielerräten (zum Beispiel mit Robin Haase, mit dem er am Freitag trainierte, Anm. d. Red.) und Vertretern aus dem ATP-Board in Kontakt gestanden. «Insofern war es nicht notwendig, dass ich mit Novak rede. Jetzt ist alles gut, entschieden und richtig.» Es gehe darum, zu schauen, wie Novak Djokovic die Zukunft im Tennis sehe. «Es gibt doch viele offene Fragen.» Dringend sei das indes nicht.

Kritik an seiner Person

«Was ich nicht mache: Mich auf Social Media zu gewissen Themen äussern. Ich mache mir lieber zuerst hinter verschlossenen Türen ein Bild.»

Während sich Stan Wawrinka nach dem Rücktritt Gimelstobs öffentlich über den Wertezerfall im Tennis mokierte, blieb Roger Federer bisher stumm, was ihm Kritik einbrachte. Er erklärte das mit seiner Abwesenheit im Turnier-Zirkus. «Ich äussere mich nicht auf Social Media zu solchen Themen.» Wenn er bei einem Turnier nach seiner Meinung gefragt werde, gebe er gerne Auskunft. «Aber ich war zu Hause, niemand hat an meine Tür geklopft. Bei solchen Fragen mache ich mir lieber zuerst hinter verschlossenen Türen ein Bild. Auch wenn ich weiss, dass es spannender wäre, wenn es umgekehrt wäre.»

Der Geburtstag der Söhne

«Es ist schön, dass wir gemeinsam feiern können. Wir haben keine grossen Pläne, aber es gibt sicher einen Ballon, dann ist es schon mal gut.»

2014 sagte er kurzfristig ab, weil er Vater der Buben Leo und Lenny wurde, im Jahr darauf verpasste er den ersten Geburtstag und verlor sein erstes Spiel. Seither fehlte Federer in Madrid. Im Vorjahr feierte er auf Ibiza den 40. Geburtstag seiner Frau Mirka. Heute Montag werden die Buben fünf Jahre alt. Sie feiern im Kreis der Familie. «Das ist schön. Wir haben noch keine grossen Pläne, machen aber sicher etwas Lässiges.» Und fügt lachend an: «Es gibt sicher einmal einen Ballon, dann ist es schon mal gut.»