Sport

Missbrauch von ehemaliger Eiskunstläuferin erschüttert Frankreich

Brisante Biografie: Ex-Eiskunstläuferin Sarah Abitbol.

Brisante Biografie: Ex-Eiskunstläuferin Sarah Abitbol.

Die französische Justiz prüft, ob es neben der ehemaligen Eiskunstläuferin Sarah Abitbol noch weitere Opfer gibt.

(sda/sid) Der Eiskunstlauf-Sport in Frankreich wird von einem sexuellen Missbrauchsskandal heimgesucht. Nach Bekanntwerden von Vorwürfen in der vergangenen Woche hat die Pariser Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet. Untersucht werden Vorwürfe der Vergewaltigung von und sexueller Übergriffe auf Minderjährige, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Im Zentrum der vorläufigen Ermittlungen stehen demnach die schweren Missbrauchsvorwürfe der ehemaligen französischen Eiskunstläuferin Sarah Abitbol. Mit den Vorermittlungen sollen jedoch auch mögliche weitere Opfer identifiziert werden, heisst es.

Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben nach der Analyse von Abitbols Enthüllungs-Biografie «Un si long silence» (Auf Deutsch etwa «Solch eine lange Stille»), die in der vergangenen Woche erschienen war, die vorläufigen Ermittlungen ins Rollen gebracht. In dem Buch schreibt die heute 44-Jährige, dass ihr damaliger Trainer Gilles Beyer sie im Alter von 15 Jahren vergewaltigt habe. Der Coach hat dieses Fehlverhalten inzwischen in einer Erklärung zugegeben und die frühere WM-Dritte um Entschuldigung gebeten.

Medien berichten von weiteren Missbrauchsfällen

Zudem kam bei Recherchen der Zeitung «L’Obs» zu Tage, dass auch andere Eiskunstläuferinnen mutmasslich Opfer des Trainers gewesen waren. Neben Gilles Beyer werden auch seine Trainerkollegen Jean-Roland Racle und Michel Lotz von anderen Läuferinnen beschuldigt, sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht zu haben. Die Vorgänge sollen sich zwischen Ende der 1970er- und den 1990er-Jahren ereignet haben. Auch in der Sportzeitung «L’Équipe» berichteten ehemalige Eiskunstläuferinnen und Schwimmerinnen von Übergriffen.

Beim französischen TV-Sender RTL richtete Gwendal Peizerat, ehemaliger Olympiasieger im Eistanz, Vorwürfe an die Verbandsführung. «Die Welt des französischen Eiskunstlaufs, einschliesslich Präsident Didier Gailhaguet, kannte die «abweichende Seite» von Gilles Beyer», sagte der 47-Jährige.

Ministerin fordert Rücktritt des Langzeit-Präsidenten

In Frankreich lösten die Anschuldigungen grosses Entsetzen aus. Den Recherchen zufolge haben zahlreiche Opfer die Fälle den Verantwortlichen gemeldet – passiert ist demnach aber nichts. Vertuschungsvorwürfe wurden laut. Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu forderte am Montag den Präsidenten des Eissportverbands, Didier Gailhaguet, zum Rücktritt auf. Er habe Fehler gemacht, sich aber nichts zu Schulden kommen lassen, verteidigte Gailhaguet sich nach der Rede der Ministerin. Gailhaguet steht seit 1998 an der Spitze des Verbandes.

Das französische Olympia-Komitee CNOSF sagte den Opfern seine volle Unterstützung zu. «Die Freiheit der Rede, die heutzutage viele Sektoren der Gesellschaft betrifft, muss aufrechterhalten werden, damit die Gerechtigkeit walten kann», heisst es in einer Erklärung des CNOSF. Man werde die «volle Verantwortung im Einklang mit dem Code of Sport wahrnehmen».

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