Kommentar

Millionen gegen Lohnexzesse, hä?

François Schmid-Bechtel
Zdravko Kuzmanovic gehört zu den Grossverdienern mit einer geschätzten Million Lohn im Jahr.

Zdravko Kuzmanovic gehört zu den Grossverdienern mit einer geschätzten Million Lohn im Jahr.

Der Bundesrat offeriert den Schweizer Profi-Klubs im Fussball und Eishockey 350 Millionen Franken als Darlehen. Verknüpft wird das Hilfspaket mit der Auflage, dass das Geld nicht für die Deckung überdurchschnittlicher Spielersaläre gebraucht werden darf.

Es wirkt zynisch in Zeiten, in denen vielen Menschen in unserem Land das Geld für Grundnahrungsmittel fehlt: Der Bundesrat spricht 350 Millionen Franken für die Profi-Klubs im Eishockey und Fussball. Dabei meint er es gut. Das Geld wird nicht à fonds perdu verteilt. Ausserdem sind die Darlehen an Bedingungen geknüpft. Die Löhne müssen gesenkt und die Nachwuchsförderung mindestens im gleichen Umfang wie vor der Pandemie weitergeführt werden.

Das klingt paradox: Wofür, wenn nicht für die Deckung exorbitanter Löhne oder die Miete eines zu grossen und schlecht ausgelasteten Stadions, werden die Darlehen verwendet? Neben Versicherungsprämien sind das die einzig relevanten Ausgabeposten eines Sport-Unternehmens.

Der Bund stützt ein System, das nicht gesund ist. Teil dieses Systems sind nicht nur Lohnexzesse, sondern auch Ablösesummen für neue Spieler in Millionenhöhe. Was, wenn die Darlehen für exorbitante Neuakquisitionen gebraucht werden? Kommt dazu, dass die Mehrzahl der Fussballklubs die Rückzahlung eines Darlehens in grosse Not brächte, weil sie sich schon vor Corona nur dank Zuschüssen der Aktionäre über Wasser.

Die Hilfe ist heikel. Doch die Alternative – einen wichtigen gesellschaftlichen Bereich zugrunde gehen zu lassen – wäre schlechter gewesen. Die Vereine müssen jetzt Anstand und Vernunft beweisen, etwa mit einer Gehaltsobergrenze. Dann könnte sich der gestrige Tag als guter Tag für den Schweizer Sport entpuppen.

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François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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