Als Mike McNamara Mitte November den EHC Biel nach der Freistellung von Kevin Schläpfer als «Nothelfer» übernahm, da dachte er selber nicht daran, dass er bis Ende Saison an der Bande des NLA-Teams bleiben würde. «Ich will dem neuen Trainer eine bessere Mannschaft übergeben», sagte er damals in aller Bescheidenheit und mit der Erwartung, dass bald sein Nachfolger verpflichtet würde.

Am Montag teilten die Bieler nun aber mit, dass der 67-jährige Headcoach bleiben wird. Zu überzeugend war die Arbeit, die McNamara während seiner «Probezeit» abgeliefert hatte. Unter dem Kanadier nahm die rasante Talfahrt der Seeländer ein Ende. In elf Spielen unter der Führung McNamaras gingen die Bieler siebenmal als Sieger vom Eis und kletterten in der Tabelle so schnell nach oben, wie sie unter Schläpfer am Ende nach unten durchgereicht worden waren.

Bestens vertraut mit der Schweiz

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Mannes, der eher aussieht wie ein Eishockey-Relikt aus alten Zeiten, aber trotzdem einen blendenden Draht zu seinen Spielern gefunden hat?

Einer der Schlüsselfaktoren ist McNamaras beruflicher Hintergrund abseits der Eishockey-Rinks. Er arbeitete als Lehrer, als er nach seiner ersten Stippvisite in der Schweiz – er trainierte zwischen 1981 und 1994 sieben verschiedene NLA- und NLB-Klubs – in seine Heimat zurückkehrte. McNamara spricht Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch. Sprachliche Barrieren kennt er also nicht. Und auch der Umgang mit Jugendlichen ist ihm kraft seiner Profession geläufig.

Mike McNamaras Worte scheinen seine Spieler zu erreichen.

Mike McNamaras Worte scheinen seine Spieler zu erreichen.

Als der HC Lugano 2006 einen neuen Elite-Junioren-Trainer für seine reorganisierte Nachwuchsabteilung suchte, da war – trotz über zehnjähriger Abwesenheit – schnell einmal der ausgewiesene Fachmann Mike McNamara ein ernsthafter Kandidat. Im Tessin erinnerte man sich an den Mann, der als Assistent von John Slettvoll in den 1980er-Jahren massgeblich an der Entwicklung des «Grande Lugano» beteiligt war.

Jörg Eberle, der 2006 als Sportchef auch die Geschicke von Luganos Nachwuchsabteilung leitete und McNamara wie kein Zweiter kennt, beschreibt ihn als «ruhigen und ausgeglichenen Typen, der aber durchaus seine temperamentvollen Ausbrüche haben kann.»

Auch der grosse Altersunterschied zu seinen Spielern falle bei ihm kaum ins Gewicht, «weil er immer noch topfit ist. Er hat immer zu seinem Körper Sorge getragen. Sonst hätte er gar nicht so lange als Trainer arbeiten können», betont Eberle.

Ausserdem komme McNamara zugute, dass er nie stehengeblieben sei und sich immer weitergebildet habe. «Zusammen mit seiner immensen Routine ist das ein wertvolles Gesamtpaket.» McNamara selbst sagte kürzlich: «Das Verhältnis zu den Spielern beruht auf gegenseitigem Respekt. Ich glaube, man anerkennt meine über 30-jährige Erfahrung.»

Der akribische Arbeiter

Biels Geschäftsführer Daniel Villard zeichnet ein ähnliches Bild des Mannes, der aufgrund seines Äusseren gerne unterschätzt wird: «Er ist für mich ein kleiner Professor, der extrem akribisch arbeitet.» Die Spieler hätten erkannt, dass ihr neuer Trainer schon viel erreicht und erlebt habe in seiner Karriere. «Ihm kaufen sie ab, was er sagt.»

Lugano ist nur einer von sieben Schweizer Vereinen, für die McNamara bereits tätig war.

Lugano ist nur einer von sieben Schweizer Vereinen, für die McNamara bereits tätig war.

Auch Villard beschreibt McNamara als ruhigen Zeitgenossen, der mit seiner Meinung aber nicht hinter dem Berg zurückhält – auch gegenüber der Klubleitung. Nach dem temperamentvollen «Vulkan» Schläpfer sei der Kanadier mit seiner ruhigen und besonnenen Art genau das, was die Spieler gebraucht hätten: «Er analysiert und versucht, Lösungen zu finden. Aber nicht auf der höchsten Lautsprecherstufe», betont Daniel Villard.

Mike McNamara geniesst den unerwarteten Schritt ins Rampenlicht in vollen Zügen. Druck verspürt er mit seinen 67 Jahren sowieso nicht. «Wenn ich erst 50 wäre, dann müsste ich mich um meine berufliche Zukunft sorgen. Jetzt nicht mehr.» Man glaubt es ihm aufs Wort.