Kritik an Fifa-Entscheid
Michael Garcia: Der Mann, der sich mit der FIFA anlegt

Einst jagte er Mafia-Bosse und Terroristen - jetzt legt sich Michael J. Garcia mit der "Weltregierung des Fußballs" an.

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Michael Garcia legt sich mit der Fifa an.

Michael Garcia legt sich mit der Fifa an.

Keystone

In dem Schmierentheater um die Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission spielt der frühere US-Staatsanwalt bislang die Rolle des "Unbestechlichen". Den Part jenes Ermittlers, der sich in jedem Hollywood-Krimi auf der Suche nach der Wahrheit sogar mit dem Teufel anlegen würde. Weit davon entfernt ist er nicht.

Seit 2012 untersuchte Garcia als Vorsitzender der Untersuchungskammer die Korruptionsvorwürfe gegen die WM 2018 in Russland und 2022 in Katar. Die Aufgabe, sich in das undurchsichtige Machtgeflecht des Weltfußballs einzuarbeiten, war undankbar. Für die FIFA-Bosse war der Jurist aus den Staaten, der mit einer FBI-Agentin liiert ist und früher der Chef der Staatsanwaltschaft des Southern District of New York war, aber genau der richtige Mann. Einer für's Image, der nicht nur in den USA höchsten Respekt genießt. Die Ernennung Garcias zum "Chefermittler" könnte nun zum Eigentor werden.

Ohne jede Schramme

Weil Garcia den Abschlussbericht seines eigentlichen Verbündeten, des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert anfechten will, wird die FIFA weltweit mit Hohn, Spott und Fassungslosigkeit konfrontiert. Der eigene Chefermittler spricht von unvollständigen und fehlerhaften Fakten in dem Dokument der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission. Was genau er meint, kann nur vermutet werden - etwa, dass FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Eckerts Bericht ohne jede Schramme davonkommt.

Garcia-Report: Eckert verteidigt seinen Abschlussbericht

Der deutsche Richter und Vorsitzende der rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, hat seinen umstrittenen Abschlussbericht zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 verteidigt. "Vieles in meinem Bericht ist Wort für Wort aus dem Garcia-Bericht entnommen", sagte Eckert der BBC.

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Reports am Donnerstag hatte der FIFA-Sonderermittler Michael J. Garcia (USA) Einspruch gegen die Interpretation seiner Untersuchungsergebnisse durch den Münchner Richter angekündigt. Nach Darstellung des früheren Staatsanwaltes stellt Eckerts Bericht seine Erkenntnisse unvollständig und verfälscht dar.

Von der Reaktion sei er "überrascht, aber nicht schockiert". Trotzdem aller Konfusion kann der Garcia-Bericht für Eckert nicht vollständig veröffentlicht werden: "Ich glaube nicht, dass es möglich ist. Ich muss die Privatsphäre nach europäischem Recht wahren." (SID)

In New York nennen sie Garcia den "Sheriff der Wall Street", das meinen manche nicht nur positiv. 1993 nahm er die Attentäter ins Visier, die den ersten Anschlag auf das World Trade Center verübt hatten, im Fall des früheren Gouverneurs Eliot Spitzer war Garcia der Staatsanwalt, der wegen Prostitution ermittelte. Angestellt ist er inzwischen als Partner der Kanzlei Kirkland and Ellis. Mit Fussball hatte er eigentlich nichts am Hut.

Spätestens jetzt, wo seine Ermittlungen anscheinend geschönt wurden, hat er aber Blut geleckt. (SID)

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