Bundesliga

Lucien Favre oder Niko Kovac – wer wird Deutscher Meister?

Hegt nun doch wieder Hoffnungen auf den Titel: Nach der Derbyniederlage gegen Schalke hatte BVB-Trainer Lucien Favre keine Chancen mehr gesehen.

Bayern München und Borussia Dortmund erküren in einem Fernduell den Deutschen Fussballmeister. Gerade einmal zwei Punkte Vorsprung haben die Bayern auf die Borussen, doch es ist nur noch eine Partie zu spielen. Jetzt kommt es darauf an, welcher Trainer und welches Team den Kopf mehr bei der Sache hat.

Es ist nicht ganz auszuschliessen, dass Rot-Weiss Erlinghausen am Sonntag im kapitalen Spitzenspiel der Landesliga Westfalen gegen den BV Menden auf die Unterstützung durch den Präsidenten verzichten muss. Denn: Schafft es Borussia Dortmund am Samstagnachmittag, zum neunten Mal die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen, wird Hans-Joachim Watzke, seit 25 Jahren Vorsitzender der Erlinghausener, am Sonntag um 14.09 Uhr ab Borsigplatz im Meisterkorso unterwegs sein. Der Geschäftsführer des BVB sagt: «Meine Hoffnungdarauf wird jeden Tag grösser. Ich spüre, dass die Borussia vor grossen Dingen steht.» Sportdirektor Michael Zorc sagt: «Was im Fussball möglich ist, hat die Champions League gezeigt.»

Es scheint, als hätten die beiden Vorgesetzten nun sogar beim ewigen Skeptiker Lucien Favre zu einem Meinungsumschwung geführt. Nach der Derby-Niederlage gegen Schalke hatte der Schweizer vor drei Wochen noch gesagt: «Es ist vorbei.» Und für diesen Defätismus in Westfalen harsche Kritik geerntet.

Während 21 von 33 Runden hatte Favre mit dem BVB Platz 1 belegt; zwischenzeitlich gar mit neun Punkten Vorsprung. Doch die Angst vor den nach der Winterpause immer stärker werdenden Münchnern hatte die unerfahrene Mannschaft, die in der Rückrundentabelle nur Platz 4 belegt, gelähmt; alles Kopfsache.

Zwei Tage vor dem Auftritt in Mönchengladbach aber gab sich Favre trotz zwei Punkten Rückstand plötzlich kämpferisch: «Das Titelrennen ist nicht entschieden. Aber klar ist: Wir müssen mit dem Druck besser umgehen und in München muss etwas passieren.»

Bayern reicht Unentschieden

Dort empfängt der FC Bayern, der die letzten zehn Heimspiele gewonnen hat, die Überraschungsmannschaft Eintracht Frankfurt. Weil der mit 28 Titeln bestückte Rekordmeister die um 17 Tore bessere Tordifferenz aufweist als der BVB, genügt ihm zum siebten Triumph in Serie ein Unentschieden. Trainer Niko Kovac sagt aber vor dem «Finale dahoam»: «Wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen, das werde ich klipp und klar vorgeben.»

Nicht förderlich für eine gute Vorbereitung sind indes die andauernden Diskussionen darüber, ob Kovac Bayern-Trainer bleiben darf. Gestern dementierte der Verein Meldungen, die Trennung sei beschlossene Sache. Kovac räumt ein, dass ihn die Sache nicht kalt lässt: «Wir müssen wieder mehr den Menschen sehen und nicht immer nur draufhauen.»

Schon vor der Partie wird es in der Allianz-Arena viele Emotionen geben, wenn nach zwölf, zehn und acht Jahren Vereinszugehörigkeit die Bayern-Profis Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha verabschiedet werden. Nicht zur Verfügung steht der verletzte Goalie Manuel Neuer, doch auch die Dortmunder bangen um ihren Keeper Roman Bürki.

Es geht um die Champions League

In 56 Jahren seit dem Start der Bundesliga 1963 ist es das 24. Mal, dass die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden wird. Letztmals vor zehn Jahren zwischen Wolfsburg und den Bayern. Lediglich fünf Mal wurde ein Tabellenführer in der letzten Runde noch abgefangen. Dass es am Samstag im Titelrennen überhaupt noch um etwas geht, ist dem viel gescholtenen Videobeweis zu verdanken.

Dank diesem wurde vor einer Woche Leon Goretzkas Tor zum 1:0 in Leipzig annulliert, weil der Torschütze um Zentimeter im Offside gestanden war. Gut möglich, dass die Bayern sonst gewonnen hätten und bereits als Meister feststünden. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie empört Restdeutschland aufgeheult hätte, wenn die Münchner durch eine solche Fehlentscheidung Meister geworden wären.

Eine überaus glückliche und die Spannung forcierende Konstellation ist, dass es für die Gegner von Bayern und Dortmund um exakt dasselbe, die Teilnahme an der Champions League, geht, und keiner mit den Gedanken schon in den Ferien weilt. Neben Mönchengladbach (55 Punkte) und Frankfurt (54) rechnet sich aber auch Leverkusen (55), das in Berlin antritt, Chancen auf die Königsklasse aus.

Gladbachs Goalie Yann Sommer sagt: «Jetzt muss man nicht mehr viel sagen. Jeder weiss, um was es geht.» Frankfurts Trainer Adi Hütter ist überzeugt: «Wer in der Europa League gegen Chelsea zweimal unentschieden spielt, kann auch gegen die Bayern etwas holen.»

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