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Das Fussballwochenende: Lucien Favre wieder im Tief, Jürgen Klopp schon in Festlaune

Schwer unter Druck: Borussia-Trainer Lucien Favre (Bild: key).

Schwer unter Druck: Borussia-Trainer Lucien Favre (Bild: key).

In der Premier League gewinnt Liverpool das Duell gegen Manchester City ein «wildes Spiel» mit 3:1, in der Bundesliga deklassieren die Bayern den BVB gleich mit 4:0, wobei die Dortmunder «Kinderfussball» und eine «Nicht-Leistung» boten.

Ist die Premier-League-Saison schon früh entschieden? Darf sich der FC Liverpool im nächsten Jahr nach 30 Jahren des Wartens auf den 19. Meistertitel freuen?

Fast sieht es danach aus. Denn nach dem 3:1-Heimsieg im direkten Duell mit Meister Manchester City liegen die Reds nach zwölf Runden nun schon neun Punkte vor den Himmelblauen. Doch Trainer Jürgen Klopp wird den Teufel tun und das Wort «Titel» in den Mund nehmen. Im Wissen, dass seine Mannschaft in der letzten Saison in einem weit fortgeschritteneren Stadium der Spielzeit mit sieben Zählern vor dem Rivalen lag, um dann trotzdem noch abgefangen zu werden.

«Es war ein ganz wildes Spiel», sagte der Deutsche hinterher. Zu widersprechen ist ihm nicht. Das Tempo war atemberaubend. Wer zuschaute, muss sich vorgekommen sein, als sässe er im Maglev, dem schnellsten Zug der Welt, der eine Geschwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde erreicht. Pausenlos rauschte der Ball vor dem Auge des Betrachters hin und her. Und wer sich am Tag zuvor den Bundesliga-Hit FC Bayern München gegen Borussia Dortmund angeschaut hatte, konnte bloss staunen, um wie viel schneller auf der Insel gespielt wird.

Schon nach wenigen Minuten stand das Stadion kopf, und die Gäste sahen im wahrsten Sinne des Wortes rot. Nachdem ein Ball im Strafraum an die Hand von Liverpools Abwehrchef Virgil van Djik geflogen war, brachte auf der Gegenseite ein schneller Konter die Führung für die Gastgeber. Nach einer ungenügenden Abwehr von Ilkay Gündogan traf Fabinho aus 20 Metern präzise. Es kam noch besser: Mohamed Salah legte vor Ablauf einer Viertelstunde nach einem imponierenden Sprint nach, und kurz nach der Pause traf Sadio Mané mit dem Kopf zum 3:0. Die Vorentscheidung war gefallen, der einzige Treffer der Gäste durch Bernardo Silva fiel zu spät.

«Ich bin natürlich extrem enttäuscht», sagte Trainer Pep Guardiola, «aber ich bin auch sehr stolz auf mein Team. Es hat gegen die beste Mannschaft von Europa ein super Spiel gemacht.»

Die Fehlleistung der Borussia auf jeder Ebene

«Kinderfussball!» Wer den Auftritt von Dortmund am Samstag beim 0:4 gegen Bayern hinterher mit diesem Wort umschrieben hat, machte sich der Beleidigung aller Kinder schuldig, die mit Freude und Hingabe dem Ball nachjagen. Was die Westfalen nämlich an diesem Samstag in der Allianz Arena boten, hatte nichts mit Profifussball auf höchstem Niveau – und das ist ein Bundesligaspiel Vierter gegen Zweiter nun mal – zu tun. Nachdem Michael Zorc in Erinnerung an das beschämende 0:5 im April an gleicher Stelle gefordert hatte, der BVB müsse dieses Mal wie Männer spielen, konnte der Sportdirektor am Ende eines himmeltraurigen Abends nur feststellen: «Das war eine Nicht-Leistung. Das war überhaupt kein Fussball. Das war einfach nichts.»

Also nicht einmal Kinderfussball. Wie Zorc zeigte sich auch Lucien Favre schockiert von der armseligen Vorstellung seiner Mannschaft. «Das war zu wenig. Viel zu wenig», sagte der Schweizer Trainer, der den englischen Nationalspieler Jadon Sancho schon vor der Pause ausgewechselt hatte. «Wir haben vergessen zu spielen – unglaublich.»

Während Zorc es tunlichst vermied, die Trainerfrage zu kommentieren, um in Dortmund nicht noch mehr Unruhe aufkommen zu lassen, dürfte dies ein Schlag ins Wasser sein. In Dortmund wetzen die Kritiker von Favre die Messer. Und ja, nach diesem trostlosen Auftritt ist die Frage, welchen Anteil der Trainer am Desaster hat, gewiss nicht unberechtigt. Selbst wenn er selber es nicht angeordnet hatte, mit vollen Hosen auf den Platz zu laufen, so trägt letztlich er die Verantwortung für das Bild, das seine Mannschaft abgibt.

Unverständlich ist, weshalb der BVB nach der beeindruckenden Wende in der Champions League gegen Inter derart mutlos auftrat. Und man kommt einfach nicht darum herum, sich in Erinnerung zu rufen, was Favre vor solchen Partien jeweils sagt: «Es wird sehr, sehr schwer.» Oder: «Man muss realistisch sein. Wir haben viel zu tun.»

Nur schwer nachvollziehbar war auch, weshalb der Trainer seinen einzigen Vollblutstürmer Pablo Alcacer nicht aufstellte und stattdessen Irrlichtern wie Thorgan Hazard, Julian Brandt und Mario Götze vertraute.

Autor

Markus Brütsch

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