Fussball
Urdorf-Keeper Winkler ist auf sich allein gestellt

Samuel Winkler (21) und seine spezielle Situation als einziger Goalie des FC Urdorf. Im Spiel gegen Adliswil wird er von seinen Vorderleuten meist in Stich gelassen und verhindert mit starken Paraden eine Kanterniederlage.

Ruedi Burkart
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Hier ist jeder Goalie machtlos: FCU-Hüter Samuel Winkler kassiert kurz vor der Pause das 1:2 durch Adliswil-Stürmer Fabio Lichello.

Hier ist jeder Goalie machtlos: FCU-Hüter Samuel Winkler kassiert kurz vor der Pause das 1:2 durch Adliswil-Stürmer Fabio Lichello.

Ruedi Burkart

Grosse Worte und lange Reden sind nicht die Sache von Samuel Winkler. Der 21-jährige Schlussmann des FCU aus Würenlos ist ein ruhiger Zeitgenosse. So hielt er sich nach der 1:2-Heimniederlage gegen Adliswil mit einer Spielanalyse zurück. Dabei hätte Winkler durchaus Grund gehabt, mit der Leistung seiner Vorderleute zu hadern (siehe separaten Artikel). Immer wieder liessen Mühle, Petkovic und Co. die Adliswiler Angriffe quasi ungefiltert auf den armen Kerl zurollen. Dass die «Stiere» nur zwei Treffer kassierten und bis zum Abpfiff auf einen Lucky Punch hoffen durften, das verdankten sie vor allem ihrem untadeligen Torhüter.

Winklers Situation in seiner zweiten Saison beim FC Urdorf ist eine spezielle. Er ist im Fanionteam der einzige Torhüter. In den Spielen und auch während der Trainings. «Das ist ziemlich mühsam. Aber was soll ich machen? Damit muss ich mich abfinden», meint er schulterzuckend.
«Sämi würde ein zweiter Goalie gut- tun», sagt FCU-Trainer Andi Wiederkehr. Eine Lösung des Problems zeichnet sich allerdings zumindest in der laufenden Saison nicht ab. Und was wäre, sollte sich Winkler während eines Meisterschaftsspiels ernsthaft verletzen? «Da würde ich wohl Verteidiger Petkovic in den Kasten stellen», erklärt Wiederkehr.

In Urdorf ärgern sie sich seit Beginn der Saison darüber, dass man von Verband nicht in die «Limmattaler Gruppe» eingeteilt worden ist – und sich im Nachgang auch nicht darum bemüht hat. Man spricht von fehlenden Derbys, wenigen Zuschauern, stimmungslosen Heimspielen. «Da kann ich nicht mitreden», sagt Winkler, «ich kenne die Limmattaler Derbys nur vom Hörensagen.» Bis vor zwei Jahren hielt er für Würenlos die Knochen hin. Nach seinem Wechsel spielte der FCU noch in der 2. Liga, und dort gab es auch keine Nachbarschafts-Duelle. «Wir werden uns beim Verband melden und eine Umteilung in die Gruppe 2 wünschen», sagt Vereinspräsident Sandro Agosti.

Winkler hat es nicht nur in den Beinen und Händen. Der clevere Bursche studiert Maschinenbau. Fussball ist für ihn ein idealer Ausgleich zur kopflastigen Arbeit an der Schule. «Dreimal Training und ein Spiel pro Woche, das geht von der zeitlichen Belastung her tipptopp», so der Würenloser. Ob er auch in der kommenden Saison auf dem Chlösterli die Fussball-Schuhe schnüren wird? «Spielen wir erst einmal die Saison zu Ende. Dann sehen wir weiter», meint er lächelnd.

Urdorf defensiv anfällig

Die wegen Sperren und Verletzungen arg ersatzgeschwächten Urdorfer brachten sich mit einer äusserst schwachen Defensivleistung um einen durchaus möglichen Punktgewinn im Duell zweier Mittelfeldklubs. Gegen Adliswil resultierte eine 1:2-Niederlage. Dabei hatte alles so gut begonnen. Da Silva brachte die Limmattaler nach nicht einmal vier Minuten in Führung. 180 Sekunden später hatte der FCU-Stürmer Pech mit einem Pfostenschuss.

Nun kamen die Gäste langsam in die Gänge. Und erzielten nach 20 Minuten durch Lichello den Ausgleich zum 1:1. Besonders bitter: Die beiden Urdorfer Innenverteidiger Mühle und Petkovic kamen sich bei der Abwehrarbeit ins Gehege und verunmöglichten sich gegenseitig die Klärung der Situation. Kurz vor der Pause fiel auch schon der Siegtreffer für die Gäste. Und wieder offenbarte die Defensive schwere Mängel, als Adliswils Lichello völlig unbedrängt zum 1:2 einköpfeln konnte (42.). In der zweiten Halbzeit spielte nur ein Urdorfer eine ansprechende Partie: Goalie Winkler (siehe Hauptartikel) verhinderte mit zahlreichen Paraden eine noch höhere Heimniederlage.

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