Herzerkrankungen im Sport
Wer lange intensiv trainiert, hat höheres Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken

Eine neue Meta-Analyse von 13 Forschungsarbeiten offenbart eine signifikante Zunahme der spezifischen Herzkrankheit durch hochintensives Sporttreiben. Besonders gefährdet sind Mannschaftssportler.

Rainer Sommerhalder
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Im Bereich des Ausdauersports haben Velofahrer statistisch gesehen das höchste Risiko.

Im Bereich des Ausdauersports haben Velofahrer statistisch gesehen das höchste Risiko.

Bild: Keystone

Sport ist gesund für Lunge und Herz. Aber offensichtlich nur bis zu einem gewissen Grad an Trainingsumfang und -intensität. Zu dieser Erkenntnis gelangen Britische Wissenschafter der Universität Canterbury. Sie präsentierten die Schlussfolgerungen aus ihrer systematischen Überprüfung von Forschungsstudien aus den Jahren 1990 bis 2020 zum Thema Ende Juni im British Journal of Sports Medicine.

Die Meta-Studie kommt zum Schluss, dass Personen, die regelmässig hochintensiv trainieren und sportliche Wettkämpfe bestreiten, ein bis zu 2.5-fach höheres Risiko eingehen, später an sogenanntem Vorhofflimmern zu erkranken. Dies ist die weltweit häufigste Form einer Herzrhythmusstörung – unter der Allgemeinenbevölkerung wie auch bei Sportlern. Rund 3,3 Prozent der Menschen leidet früher oder später an dieser Erkrankung. Sie stellt in den meisten Fällen keine akute Gefahr da, muss aber ärztlich behandelt werden.

Das Risiko ist bei Athleten bis 40 Jahre höher als bei älteren Sportlern. Besonders gefährdet sind Menschen, die intensiv einen Teamsport wie Fussball, Handball oder Rugby bestreiten. Im Bereich des Ausdauersports haben die Radfahrer die schlechtesten Gesundheitskarten, gefolgt von Läufern, Schwimmern und Langläufern.

Eine hohe Intensität belastet das Sportlerherz

Leichtes und moderates Training stärkt das Herz, intensives Training bewirkt eine übermässige Belastung des Organs. In insgesamt 13 Studien wurden 70500 Menschen getestet, davon fielen 6816 Personen unter das Prädikat «intensive Sporttreibende».

Nicht genau definiert werden konnte, bis zu welchem Trainingsumfang und zu welcher Intensität eine regelmässige Dosis an Bewegung gesund bleibt und ab welchem Schwellenwert das Risiko Überhand nimmt. Zweifellos spielt das Trainingsvolumen punkto Entwicklung von Vorhofflimmern eine Rolle. Die Anzahl Jahre, in denen man intensiv Sport treibt, scheinen ebenfalls ein Faktor zu sein. Auch zum Einfluss von regelmässigen Wettkämpfen kann keine schlüssige Antwort geliefert werden. Die Autoren der Facharbeit regen deshalb eine Folgestudie zu diesen Fragestellungen an.

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