Leichtathletik

Trotz Doping-Skandal: Coleman wird Weltmeister über 100 m

Christian Coleman freut sich über seinen ersten WM-Titel

Christian Coleman freut sich über seinen ersten WM-Titel

Christian Coleman ist der neue König der Sprinter. Der Amerikaner siegte an den Weltmeisterschafen in Doha im 100-m-Final überlegen in der Jahres-Weltbestzeit von 9,76 Sekunden.

Der prestigeträchtigste Wettkampf der Titelkämpfe von Doha verlief nicht so spektakulär, wie er durch die gewaltige Lichtshow angekündigt worden war. Nach dem Verzicht von Noah Lyles - dem Diamond-League-Sieger von Weltklasse Zürich - und nach den Eindrücken der Halbfinals - Coleman lief locker 9,88, während die Konkurrenz klar an der 10-Sekunden-Marke scheiterte - war im Prinzip kein anderer Ausgang möglich. Zu überlegen agierte auch der bereits vor dem Final Jahresschnellste (9,81). Der mit 1,75 m für einen Sprinter eher kleinwüchsige Mann aus Atlanta steigerte bei einer Windunterstützung von 0,6 m/s die persönliche Bestleistung um drei Hundertstel.

So richtig Freude will über den Sieger nicht aufkommen. Eigentlich gehört Coleman gesperrt, denn ab dem Sommer 2018 hatte er drei unangekündigte Dopingkontrollen verpasst. Seine Anwälte fanden allerdings im Reglement einen Passus, der die erste Probe zurückdatieren liess. Somit fielen die drei Missed Tests nicht mehr innerhalb des Zeitfensters eines Jahres, der Weg nach Doha war frei.

Coleman, inzwischen 23-jährig, war vor zwei Jahren aus dem College-Sport aufgetaucht. An den Weltmeisterschaften in London 2017 gewann er hinter Justin Gatlin, aber vor Usain Bolt, Silber. Im folgenden Winter senkte er den Hallen-Weltrekord über 60 m auf 6,34 Sekunden, vergangenen August triumphierte er beim Diamond-League-Final in Brüssel in 9,79 und auch das Jahr 2019 begann er mit drei Rennen unter 9,90 Sekunden. Nun ist es aber vorbei mit dem Image des Saubermanns.

Usain Bolt ist aus den Stadien verschwunden, auch als Zuschauer. In Doha tauchte er nicht auf. Vor zehn Jahren hatte er in Berlin die noch gültigen Weltrekorde von 9,58 und 19,19 (200 m) aufgestellt. Seine Bestmarken werden auch in Doha den Angriffen stand halten, Jamaika hingegen ist als Sprint-Grossnation abgelöst worden. Yohan Blake, der Weltmeister von 2011 (nach dem Fehlstart von Bolt), konnte die Ehre der Karibikinsel mit einem 5. Rang nicht retten.

Auch im Alter stark

Der 37-jährige, als Titelverteidiger angetretene Justin Gatlin hingegen, erstmals 2005 in Helsinki Weltmeister, äufnete seine Medaillensammlung. Im entscheidenden Augenblick war er wieder da und sorgte für einen Doppelsieg der Amerikaner. In seinem Alter 9,89 Sekunden zu laufen, verdient Respekt. In London war er nach seinem Sieg noch ausgebuht worden, die wenigen Tausend Zuschauer in Doha machten diesbezüglich keine Anstalten.

Bronze gewann Andre de Grasse. Der Kanadier stellte in 9,90 Sekunden eine persönliche Bestzeit auf. Der 24-Jährige wurde nach den Olympischen Spielen in Rio noch als Bolt-Nachfolger gehandelt. Er gewann damals drei Olympiamedaillen, 2017 und 2018 war er aber mehrheitlich verletzt.

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