Leichtathletik

Der Basler Sprinter Alex Wilson hat seine Enttäuschung überwunden

Bitterer Sieg: Alex Wilson (l.) wird zwar Schweizer Meister, verpasst aber die WM-Limite um zwei Hundertstelsekunden

Bitterer Sieg: Alex Wilson (l.) wird zwar Schweizer Meister, verpasst aber die WM-Limite um zwei Hundertstelsekunden

Keine WM-Teilnahme für den Schweizer Rekordhalter über 100 Meter: Alex Wilson hat sein Saisonziel denkbar knapp und gleich zwei Mal innert 24 Stunden verfehlt – bei aller persönlichen Tragik ermöglicht das aber auch ein Umdenken.

«So ist das Leben», sagt Alex Wilson. Der Basler Topsprinter hatte gehofft, gebangt und schliesslich registriert, dass hinter seinen Hoffnungen zu viel Optimismus und auch eine Illusion steckte. Nichts wurde aus der Einladung an die Weltmeisterschaften durch den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF. Im Gegensatz zur U20-Europameisterin und Youth-Olympic-Siegerin Angelica Moser im Stabhochsprung profitiert Wilson nicht.

Eine gewisse persönliche Tragik schwingt mit. Wilson fühlt sich in Form, schätzt sich fähig, den eigenen Schweizer Rekord von 10,12 Sekunden über 100 m und jenen von Kevin Widmer über 200 m von 20,41 Sekunden zu unterbieten. Doch jene Plattform, die der 24-Jährige am liebsten dazu genutzt hätte, bietet sich nun nicht.

Die ordentliche Qualifikation mit dem Erfüllen der WM-Limite hat er verpasst – knapp verpasst: um einen Hundertstel über 100 m in La Chaux-de-Fonds, um zwei mit der Finalleistung an den Schweizer Meisterschaften vom letzten Wochenende, und um 8 Hundertstel ebendort über 200 m.

Hohes Level, aber…

Bitter für Wilson, dass er dieses Gefühl des knappen Scheiterns innert weniger als 24 Stunden doppelt erlebte. Die letzte Qualifikationsmöglichkeit wäre es gewesen. Doch der schnelle Mann mit den jamaikanischen Wurzeln hakte schnell ab und strich stattdessen das Erfreuliche hervor. «Ich konnte erstmals seit langem wieder richtig losspurten», sagte er, sich selbst analysierend.

Und mit Blick auf die Statistik meint er: «Über 100 m lief ich in diesem Sommer meine zweit-, dritt-, viert- und fünftbeste Zeit meiner Karriere, über 200 m die fünftbeste.» Drei Jahre muss er zurückblicken, bis er über die längere Distanz bessere Zeiten findet. Und dank den jüngsten Leistungen eröffnen sich neue Perspektiven, die einen Reiz ausüben, auch ohne WM-Start.

Ob Wilson allerdings dieser Verlockung sogleich folgt und beispielsweise bei «Weltklasse Zürich» versucht, gross aufzutrumpfen, stellt er selber infrage. «Ich muss in mich hineinhören, werde mich mit dem Trainer besprechen», sagt er. Auf Gespräche mit Sven Rees deutet er hin, dem Fachmann, wegen dem er seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verschoben hat und sich «auf dem Weg zum noch besseren Sprinter» fühlt.

Vom Wunsch des «Fliegens»

Vieles spricht für den Abbruch. «Ich hatte während der ganzen Saison zu kämpfen», sagt Wilson. Auf seine Probleme mit dem linken Knie spielt er an. Die Schmerzen in der Kniekehle kosteten ihn Wochen. Sie zehrten und zehren an den Kräften. Voll loslaufen nämlich konnte und kann er nur mit Schmerzspritzen. Auf die Dauer kann das nicht gut gehen.

Und immer auf geht die Rechnung nicht. «In Luzern und Bellinzona konnte ich nicht beschleunigen», blickt er auf die beiden Startmöglichkeiten vor dem SM-Wochenende zurück. Bildlich illustriert er: «Das Schöne am Sprinten ist das Fliegen, doch ohne Beschleunigung hebst du nicht ab.»

Weil er den Blickwinkel über nur wenige Wochen hinaus geschärft hat, spricht auch einiges dafür, dass er die Saison bereits jetzt beendet und pausiert, regeneriert und sich mit neuem Hunger und Elan dem Aufbau bereits des nächsten Sommers widmet. Durchaus Sinn würde dieser Entscheid machen. Wilson gewänne Zeit.

Denn, so ist er sich voll bewusst: «2016 wird ein langes und ein intensives Jahr.» Ein Jahr mit EM, ein Jahr vor allem aber mit Olympia, mit den Spielen in Rio. Dort will Wilson dabei sein und beweisen, wozu er sich befähigt fühlt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1