Leichtathletik-EM
Das Treffen der Schweizer Sprint-Stars: Wie Alex Wilson Mujinga Kambundji zum Lachen bringt

Die Basler Sprinthoffnung Alex Wilson eröffnet die EM in Berlin aus Schweizer Sicht. Am Montag um 16.30 Uhr startet der 27-Jährige zu den Vorläufen über 100 m. Beim letzten Auftritt vor dem Rennen blieb sich der Showman treu und unterhielt den ganzen Saal.

Rainer Sommerhalder
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Alex Wilson und Mujinga Kambundji vor dem Start der EM.

Alex Wilson und Mujinga Kambundji vor dem Start der EM.

Keystone

«Liefern statt lafern», lautet das selbstgewählte Motto von Alex Wilson für die Titelkämpfe in Berlin. Also hielt er sich beim Talk der Schweizer Sprinter mit dem Verbandspressechef so kurz wie möglich. Und erntete auch für diese Taktik Lacher.

Selbst die neben Wilson sitzende Mujinga Kambundji konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während Wilson so cool und ernst wie möglich dreinblickte und immer wieder bei Pressechef Beat Freihofer nachfragte, ob er jetzt gehen könne.

Freihofer bemühte sich sichtlich, den Athleten nicht nur Gefälligkeitsfragen zu stellen. So meinte er zu Wilson, dass mit möglicherweise sieben Starts in den nächsten sechs Tagen ein stressiges Programm auf ihn zukomme. Wilsons Antwort: «Was ist schon ein Lauf pro Tag? Im Training ist es viel härter. Das ist sicher kein stressiges Programm für mich!»

«Ich bin schnell unterwegs»

Der Pressechef liess nicht locker und erinnerte Wilson daran, dass er zuletzt über 100 m nicht ganz zu überzeugen vermochte. Dafür erntete er einen bösen Blick des gebürtigen Jamaikaners und die Antwort: «Ich bin schnell unterwegs».

Ein Nachhaken führte zur Wiederholung von Wilsons Feststellung und einem etwas ratlosen Beat Freihofer, der angesichts des Gelächters im Raum auf einen weiteren Anlauf zu einem etwas ausführlicheren und gehaltvolleren Talk mit Wilson verzichtete.

Alex Wilson, 100 m, 200 m, 4x100 m Er will Europameister werden. Über 100 m ist dieses Ziel nicht zu erreichen, da können zu viele Gegner die Schallmauer von 10 Sekunden knacken. Über 200 m hingegen gehört Wilson als aktuelle Nummer 3 Europas (20,14) zu den Medaillenkandidaten. Wenn er nur nicht verkrampft. Mehr als Bronze liegt nicht drin.
11 Bilder
Fabienne Schlumpf, 3000 m Steeple Die Zürcher Oberländerin steigert ihr Leistungsvermögen kontinuierlich. Zu Beginn der Saison lief sie im Halbmarathon sogar eine der besten Zeiten einer Europäerin. Weniger berauschend ist die Statistik bei ihrer EM-Disziplin 3000 m Steeple. Da ist Schlumpf mit allerdings nur einem gelaufenen Rennen die Nummer 16. An der EM wird sie deutlich weiter vorne sein, aber noch nicht auf dem Podest.
Lea Sprunger, 400 m Hürden Sie ist auf ihrer Paradedisziplin die aktuelle Nummer 1 in Europa (54,79) und dennoch nicht restlos zufrieden. Eigentlich möchte sie eine Sekunde schneller laufen, aber bisher kam sie 2018 im Gegensatz zu 400 m flach, wo sie Schweizer Rekord lief, einfach nicht an ihre Bestzeiten heran. Deshalb gibt es «nur» Silber.
Schweizer Hoffnungen an der Leichtathletik-EM in Glasgow
Julien Wanders, 5000 m, 10 000 m Er bereitet sich jeweils im kenianischen Hochland auf die Saison vor. Das grosse Lauftalent scheint keine Grenzen zu kennen. Im Halbmarathon ist er die Nummer 2 Europas, seit neustem gilt das auch über die selten gelaufenen 3000 m. Auf den EM-Strecken waren jeweils ein Dutzend Läufer schon schneller unterwegs. Deshalb ist es für eine Medaille vielleicht noch zu früh.
Jason Joseph, 110 m Hürden Ein Versprechen für die Zukunft und eine beeindruckende Performance in seinem ersten Jahr über die hohen Hürden. Der 1,92 m grosse Modellathlet steigert seine Bestzeit und zuletzt auch den Schweizer Rekord praktisch monatlich. Bereits ist er die Nummer 11 in Europa. Zur Spitze fehlt aber noch ein Stück. Die Finalqualifikation wäre für ihn ein Erfolg.
Selina Büchel, 800 m Sie hat bereits mehrmals bewiesen, dass sie an internationalen Grossanlässen um die Medaillen mitlaufen kann. Will sie dies auch in Berlin tun, müsste sie aber zwei Sekunden schneller laufen können als bisher in diesem Jahr. Weil Büchel seit geraumer Zeit nicht mehr an ihre schnellsten Zeiten herankommt, sind wir skeptisch.
4x100 m Frauen, Mujinga Kambundji, Salomé Kora, Ajla Del Ponte, Sarah Atcho Es ist für einen nationalen Verband stets ein besonderer Prestige-Erfolg, wenn ein Staffelprojekt mit derart vielversprechenden Aussichten an einen Grossanlass reist wie die Schweizer Sprinterinnen an die EM nach Berlin. Das Quartett hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert und ist derzeit das Flaggschiff von Swiss Athletics. Zwar waren die deutschen Frauen in dieser Saison in Europa noch fünf Hundertstelsekunden schneller als die Schweizerinnen. Aber das schaffen wir: Gold für die Schweiz.
Geraldine Ruckstuhl, Siebenkampf Wegen einer Verletzung bestritt sie in dieser Saison noch keinen kompletten Siebenkampf. Die Leistungen in verschiedenen Disziplinen an den Schweizer Meisterschaften lassen aber Optimismus zu. 2018 übertrafen nur vier Athletinnen in Europa die Punktzahl von Ruckstuhls bestem Resultat. Sie kann uns also auch in Berlin viel Freude machen, aber kaum eine Medaille bescheren.
Martina Strähl, Marathon Auch bei ihr gilt: Marathon-Prognosen sind schwierig. Eine Medaille zu gewinnen, wäre eine zu hohe Vorgabe. Aber mit ihrer Leistungssteigerung verdient es Strähl, als Schweizer Hoffnung genannt zu werden. Sie hat in diesem Jahr ein tolles Resultat über 10 km (Nummer 4 in Europa) und im Halbmarathon (2) abgeliefert. Also flieg Martina, flieg!
Tadesse Abraham, Marathon Er feiert am Wettkampftag Geburtstag. Das schönste Geschenk könnte sich der gebürtige Eritreer selber machen. An der letzten EM gewann er den Halbmarathon, bei einem Marathon kommen stets einige unberechenbare Faktoren hinzu, die eine Prognose schwierig machen. Zuletzt hat man wenig von ihm gehört, was bei ihm ein gutes Zeichen ist. Deshalb tippen wir auf Gold.

Alex Wilson, 100 m, 200 m, 4x100 m Er will Europameister werden. Über 100 m ist dieses Ziel nicht zu erreichen, da können zu viele Gegner die Schallmauer von 10 Sekunden knacken. Über 200 m hingegen gehört Wilson als aktuelle Nummer 3 Europas (20,14) zu den Medaillenkandidaten. Wenn er nur nicht verkrampft. Mehr als Bronze liegt nicht drin.

Keystone

Bei aller Zuversicht des Baslers darf man von ihm über 100 m keine Wunderdinge erwarten. Im Gegensatz zu seiner derzeitigen Paradedisziplin 200 m, wo er die Nummer 3 in der europäischen Bestenliste ist, steht er über 100 m nur auf Platz 15. Statistisch gesehen wäre also bereits eine Finalqualifikation ein grosser Erfolg. Aber was interessieren Alex Wilson Statistiken, wenn er doch weiss: «Ich bin schnell unterwegs!»

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