Leichtathletik

Alex Wilson knackt in La Chaux-de-Fonds magische Marke

Alex Wilson ist in La Chaux-de-Fonds nicht zu bremsen.

Alex Wilson ist in La Chaux-de-Fonds nicht zu bremsen.

Alex Wilson senkt beim Meeting in La Chaux-de-Fonds seine Schweizer Rekorde über 100 und 200 m. Er sorgte für den ersten Paukenschlag der Schweizer Leichtathleten, die bislang noch nicht überzeugten.

Nach La Chaux-de-Fonds kommt Alex Wilson standesgemäss mit seinem neuen, schnellen Auto. Und schnell ist der 28-jährige Basler auch bei seinem Dreigang-Menü auf der Bahn. So schnell wie nie zuvor. Sogar schneller, als er sich selber zugetraut hätte. Um 11.30 Uhr liefert er zur Vorspeise eine Saisonbestzeit von 10,18 Sekunden im Vorlauf über 100 m.

Um 14.25 Uhr verbessert der gebürtige Jamaikaner als Hauptspeise im Final den eigenen Schweizer Rekord auf 10,08. Und noch einmal zwei Stunden später knackt der EM-Dritte von Berlin zum Dessert auf seiner Paradestrecke über 200 m die magische Marke: 19,98 Sekunden, damit die weltweit achtbeste Zeit in diesem Jahr und die vorzeitige Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

«Dabei habe ich noch gar nicht mit dem eigentlichen Speed-Training angefangen. Und unterwegs touchierte ich zweimal mit dem einen Fuss die andere Wade. Es war kein optimaler Lauf», sagt Wilson, der in der Hitze von La Chaux-de-Fonds – auch auf 1000 m wird am Sonntag die 30-Grad-Marke übertroffen – erstaunlich cool und zurückhaltend wirkt. «Ich habe nicht gewusst, dass ich schon so weit bin.» Wilson sieht den Grund für die beiden persönlichen Bestzeiten beim intensiven Starttraining in diesem Frühjahr.

Bald auch unter 10 Sekunden?

Vielleicht erinnert sich der zweifache Familienvater auch einfach nur an die Vorgabe seines Trainers Clarence Callender, die er im Neuenburger Jura wiederholt: «Ich will, dass Alex bis zur WM in jedem Rennen schneller läuft.» Was für Aussichten für die zwei verbleibenden Starts in Lausanne und Luzern vor dem nächsten längeren Trainingsblock.
Alex Wilson ist nicht der einzige Sprinter, der die perfekten Bedingungen in der Höhenluft zu einem Exploit nutzt. Die St. Gallerin Salomé Kora läuft im Vorlauf WM-Limite (11,21) und im Final die Qualifikationszeit für Olympia (11,13).

Beide Zeiten bedeuten persönliche Bestleistung. Damit überholt die 24-Jährige in der Hierarchie des starken Schweizer Frauen-Sprintteams Ajla Del Ponte und Sarah Atcho und positioniert sich neu als Nummer 2 hinter Mujinga Kambundji. Kora muss sich nach dem Zieleinlauf zweimal vergewissern, das sie die Limite für die Sommerspiele in Tokio geknackt hat.

Europameister steigern sich

Die beiden Sprint-Spezialisten stehlen mit ihren Leistungen in La Chaux-de-Fonds den beiden Meeting-Aushängeschildern über die Langhürden die Show. Lea Sprunger (Europameisterin 2018) und Kariem Hussein (Europameister 2014) laufen zwar so schnell wie noch nie in dieser Saison, den eigenen Ansprüchen genügen die Zeiten aber noch nicht. Kariem Hussein steigert sich nach der langen Verletzungspause zwar erstmals wieder seit dem 24. August 2017 auf eine Zeit unter 50 Sekunden (49,74), doch mit der Weltspitze kann es der Thurgauer damit noch lange nicht aufnehmen.

Selbst im bescheidenen Feld in La Chaux-de-Fonds reicht das nur zu Rang 4. Trotzdem malt sein Trainer Laurent Meuwly ein positives Bild für die nächsten Monate: «Kariem hat in den letzten zwei Wochen sehr gut trainiert. Er ist körperlich in einer hervorragenden Form. Jetzt muss er nach der Pause das Vertrauen wieder finden. Über 400 m Hürden ist das etwas komplizierter als über 100 m. Ich denke, wir sehen bald wieder den alten Kariem Hussein.»

Diese Hoffnung auf sich selbst bezogen hat auch Lea Sprunger. Die amtierende Europameisterin sagt nach ihren 55,74 Sekunden und Rang 3: «Natürlich will ich viel mehr. Aber zumindest stimmt die Richtung.» Es ist für die 29-Jährige die erste 55er-Zeit im neuen Jahr, aber wie bei ihrem Trainingskollegen Hussein fehlen bis zu den Weltbesten nach wie vor rund zwei Sekunden.

«Ich hoffe, dass es am Freitag in Lausanne für eine bessere Zeit reicht», sagt Sprunger. Und ihr Trainer Meuwly, der als neuer Nationaltrainer der holländischen Sprinter in La Chaux-de-Fonds vielseitig gefordert ist, ergänzt: «Bis zu den Weltmeisterschaften Ende September in Katar ist es noch ein langer Weg. Es wäre nicht gut, wenn sich Lea und Kariem jetzt schon in Höchstform befinden würden.»

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