Wieso OL-Läufer Matthias Kyburz die Virus-Hauptstadt Wuhan nicht mehr los wird

Die Saison der OL-Läufer wird wegen dem Corona-Virus durcheinandergewirbelt. Der letzte grosse Wettkampf war ausgerechnet in China.

Rainer Sommerhalder
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Noch sieht Matthias Kyburz den Weg durch die bevorstehende Saison nicht genau vor sich.

Noch sieht Matthias Kyburz den Weg durch die bevorstehende Saison nicht genau vor sich.

Bild: Freshfocus

Wuhan ist für Matthias Kyburz kein Fremdwort. Die chinesische Millionenmetropole, die offensichtliche Geburtsstätte des Corona-Virus, hat sich beim Aargauer Weltklasse-Athleten eingeprägt. Dort feierte der 30-jährige Fricktaler im vergangenen Oktober nach seinem folgenschweren Bänderriss im Fussgelenk sein internationales Comeback. Und Wuhans Fledermaus-Virus sorgt nun auch dafür, dass selbst der Orientierungsläufer seinen weiteren Weg nicht kennt.

Das geplante Trainingslager in Italien von kommender Woche ist abgesagt, der Saisoneinstieg von Kyburz am Sonntag in Rothrist stark gefährdet. Sollte der Bundesrat heute Freitag die Massnahmen gegen das Corona-Virus tatsächlich verschärfen und die Obergrenze von Teilnehmern an Veranstaltungen von 1000 auf 300 Personen reduzieren, dann müsste auch der erste nationale Wettkampf des Jahres kurzfristig gestrichen werden.

Das Jahresprogramm ist bis auf weiteres provisorisch

Auch der weitere Verlauf der Saison ist für Kyburz mehr als unklar. Eckpunkte wären ein Trainingslager im WM-Land Dänemark ab dem 7. April, der Weltcupstart in Neuenburg von Ende Mai, die erste reine Sprint-Weltmeisterschaft im Juli in Dänemark sowie der Weltcupfinal im Herbst in Norditalien. Was davon durchgeführt werden kann, wird der weitere Verlauf der Corona-Pandemie diktieren.

Matthias Kyburz hat den Humor trotz Virus und fehlenden Resultaten nicht verloren. Er amüsiert sich darüber, dass das Schweizer Team der Militär-WM im vergangenen Herbst in Wuhan vergeblich nachfragte, wo der Markt der Einheimischen sei. «Und heute ist dieser Markt wegen den Fledermäusen weltberühmt», sagt Kyburz. Auch die Tatsache, dass er wegen den Beeinträchtigungen durch seinen Bänderriss zum dritten Mal in Serie an der WM in einem Einzelrennen «nur» auf Platz vier landete und zum ersten Mal seit 2011 im Gesamtweltcup nicht auf dem Podest stand, steckt der Aargauer weg. Die erste grosse Verletzung seiner herausragenden Karriere hat keine bleibenden mentale Spuren hinterlassen.

Einerseits sei es schon schwierig gewesen, weil er sich für die WM viel ausgerechnet und in der Vorbereitung alles gepasst habe. «Weil meine Reha andererseits ein Rennen gegen die Zeit war, verlor ich im Hinblick auf die Titelkämpfe nie den Glauben und fiel so auch nicht in ein Loch», sagt er. Der Blues sei dann eher nach der WM gekommen. Doch jetzt verspürt Matthias Kyburz definitiv Lust auf eine Reaktion. «An der WM will ich ganz klar Edelmetall gewinnen. Es ist wieder einmal an der Zeit», sagt der in Liebefeld wohnhafte Kyburz, «der letzte Podestplatz an einer WM fühlt sich an wie eine Ewigkeit her». Insgesamt acht Medaillen von Welttitelkämpfen hängen beim fünffachen Gesamtweltcupsieger bereits an der Wand.

Das neue System im OL, abwechslungsweise eine Wald- und eine Sprint-WM durchzuführen, sorgt auch bei Kyburz für ein angepasstes Training. Im Vorbereitungscamp im Februar in Portugal waren rund 50 Prozent des Programms dem Sprint gewidmet Eine nicht zu unterschätzende Belastung für den Körper, wie Kyburz feststellt.

Reine Sprint-WM ist Vorteil für Allrounder wie Kyburz

Nachdem in den vergangenen Wettkämpfen immer mehr Sprint-Spezialisten aus eher exotischen Nationen sportlich für Furore sorgten, sieht Kyburz für die erste Sprint-WM durchaus wieder komplette Athleten wie sich selber im Vorteil. «Bisher musste ich mich an der gleichen WM auf Wettkämpfe über 15 und über 100 Minuten Laufzeit einstellen. Diesmal kann ich mich viel spezifischer vorbereiten», erklärt er.

In einer Disziplin wird erstmals überhaupt ein Weltmeister erkoren. Der Knock-out-Sprint ist vom Format her den Sprintrennen im Langlauf nachempfunden. 36 Läufer qualifizieren sich für die Viertelfinals, danach folgen jeweils in einem Sechserfeld Halbfinals und Final. Perfid daran ist, dass für die Athleten beim gleichzeitigen Start nicht ersichtlich ist, ob sie unterwegs unterschiedliche Posten anlaufen müssen. Ohne den Kopf geht es auch hier definitiv nicht.