Aufregende YB-Storys
Kubo und Sanogo: Mit dem Kopf waren sie schon weg, jetzt führen sie YB nach Europa

Eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann: Mit Yuya Kubo und Sékou Sanogo führten ausgerechnet jene zwei Spieler die Young Boys an die Schwelle zur Champions League, die an diesem Abend eigentlich gar nicht mehr in Bern hätten sein sollen.

Markus Brütsch
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Die Berner Yuya Kubo, Guillaume Hoarau und Sékou Sanogo (von links) im Freudentaumel.

Die Berner Yuya Kubo, Guillaume Hoarau und Sékou Sanogo (von links) im Freudentaumel.

Urs Lindt/freshfocus

Am Ende eines grossen Abends der Berner Young Boys drehte sich fast alles um Yuya Kubo und Yvon Mvogo. Der eine hatte für die Berner zwei wichtige Tore geschossen und dann auch noch im Penaltyschiessen sicher getroffen, der andere sein Team mit sagenhaften Paraden im Spiel gehalten und dann auch noch im Penaltyschiessen geglänzt. Kein Zweifel: Die beiden 22-Jährigen hatten für ihre Leistungen ein Sonderlob verdient. Selbst wenn YB besonders auch als Kollektiv stark gewesen war, Akteure wie Alain Rochat, Jan Lecjaks und Scott Sutter über sich hinausgewachsen waren und Miralem Sulejmani und Guillaume Hoarau grosse Klasse verkörpert hatten.

Sanogos geplatzter Wechsel

Adi Hütter jedoch hatte noch ein besonderes Anliegen. Ganz von sich aus sagte der YB-Trainer: «Ich möchte gerne Sékou Sanogo noch ein bisschen hervorheben, der unfassbare Laufwege gegangen ist und unfassbar viele Zweikämpfe gewonnen hat.» Dass der Österreicher damit von seiner Gepflogenheit abwich, einzelne Spieler nicht öffentlich zu bewerten, war nichts als richtig. Sanogo nämlich war im Berner Team der überragende Vorkämpfer gewesen. Eine Woche zuvor in Lemberg der einzige Feldspieler, der physisch dagegengehalten hatte, war der Ivorer auch im Stade de Suisse der erste YBler, der mit einer entschlossenen Balleroberung klarmachte, dass die hochgelobten Donezker Brasilianer genauso nur mit Wasser kochen. Am 27-Jährigen konnten seine Teamkollegen sehen, was mit beherztem Kampfgeist möglich ist. Und die Fans das erstaunliche Comeback eines Kraftwerks nach überwundenen Betriebsstörungen mitverfolgen. Im Winter nämlich hatte Sanogo schon so gut wie sicher im Trikot des Hamburger SV gesteckt, als der Wechsel in letzter Minute vor Transferschluss platzte, weil sich beim Mailverkehr eine Verzögerung ergeben hatte. Wofür sich die beiden Seiten danach gegenseitig die Schuld zuschoben.

Für Sanogo, der einen Grossteil der Vorrunde verletzungsbedingt verpasst hatte, war ein Traum geplatzt, und in der Rückrunde sass er nicht weniger als elf Mal ohne Einsatz auf der Ersatzbank. Kein Grund für den Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart, von einer Verpflichtung des Mittelfeldspielers Abstand zu nehmen. Doch auch dieser Transfer kam nicht zustande. Sanogo habe den medizinischen Check nicht bestanden, schrieben die einen, Sanogo habe zu hohe Forderungen gestellt, die anderen.

Wer wird YBs Playoff-Gegner?

Gut für YB. Denn so stark, wie der Afrikaner derzeit auftrumpft, war er vielleicht noch nie. Fährt er in diesem Stil weiter, wird er früher oder später in einer grossen Liga landen. Denn die Europa-League-Gruppenphase hat YB ja schon auf sicher und ist für Sanogo bereits einmal ein gutes Schaufenster. Aber vielleicht schaffen es die Berner nun gar in die Champions League, der Playoff-Gegner (16./17. und 23./24. August) wird ihnen heute Mittag zugelost.

Das würde natürlich auch Yuya Kubo freuen, der mit seinen beiden Toren gegen Donezk den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel dieser 3. Qualifikationsrunde zur Champions League wettgemacht hat. Eine Heldentat mit Ansage, will man den Worten Mvogos glauben. «Ich habe in der Pause zu ihm gesagt: Yuya, ich spüre es, du schiesst noch zwei Tore!», erzählte der Goalie hinterher. Hütter sagte: «Seine Geschichte ist wirklich unfassbar. Normalerweise wäre er mit Japan zu den Olympischen Spielen nach Brasilien gereist, aber nach der Verletzung von Gerndt entschieden wir, dass er bei uns bleiben muss. Was er nun gegen Donezk in emotionaler und mentaler Hinsicht geleistet hat, ist total beeindruckend.»

Kubo und Sanogo − statt bei den Olympischen Spielen oder in Deutschland Fussball zu spielen, haben sie YB in Richtung Champions League geführt. Soll noch einer sagen, der Fussball sei planbar.

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