Schwingen
König Matthias Sempach jubelt beim Kilchberger Schwinget dank Blitzsieg

Nur fünf Sekunden brauchte der Berner Matthias Sempach im Schlussgang gegen Philipp Laimbacher, um nach dem Eidgenössischen im Vorjahr auch den prestigeträchtigen Kilchberger Schwinget zu gewinnen.

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Der König und sein Stier: Matthias Sempach und Wilson.
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Impressionen vom Kilchberger Schwinget
. . . Schlussgang nach 5,5 Sekunden . . .
. . . und Schlussgang nach 6 Sekunden.
Matthias Sempach (oben) auf seiner Innerschweizer Eroberungstour gegen Christian Schuler.
Philipp Laimbacher (rechts) sichert sich mit dem Sieg gegen Florian Gnägi die Schlussgang-Teilnahme.
Christian Stucki mit einem spektakulären Sieg gegen Thomas Zaugg.
Benji von Ah (links) und Matthias Siegenthaler liefern sich einen äusserst offensiv geführten Gang.
Matthias Sempach (links) bezwingt seinen Schlussgang-Gegner Philipp Laimbacher bereits im dritten Gang.
Roger Erb aus Metzerlen (unten) verliert gegen Florian Gnägi.
Matthias Sempach (oben) bezwingt auch Urs Abderhalden.
Remo Kaeser (oben) schwingt gegen den Aargauer Christoph Bieri.
Matthias Sempach (links) lässt Urs Abderhalden keinen Stich.
Der Stier Wilson, der Siegerpreis am 16. Kilchberger Schwinget.
Christian Stucki jubelt nach dem Sieg gegen Bruno Gisler.
Christian Schuler jubelt nach dem umstrittenen Sieg gegen Siegenthaler im vierten Kampf.
Christian Schuler (links) besiegt Matthias Siegenthaler am Schluss doch noch.
Der Fehlentscheid: Matthias Siegenthaler (oben) legt Christian Schuler im vierten Gang auf den Rücken, niemand vom Kampfgericht sieht es.
Benji von Ah (links) bezwingt Willy Graber.
Matthias Sempach (oben) bezwingt Benji von Ah.
Matthias Siegenthaler (links) gewinnt gegen die Nordostschweizer Nummer 1, Daniel Bösch.
Blick auf den Festplatz am 16. Kilchberger Schwinget.
Bundesrat Ueli Maurer fühlt sich wohl im Schwingpublikum.
Blauer Himmel, volle Tribünen, tolle Kämpfe – Schwingerherz, was willst du mehr?
Christian Stucki (links) macht kurzen Prozess mit Michael Bless.
Stefan Burkhalter quält sich mit seiner Fussverletzung wacker durch sein Kampf-Programm.
Daniel Bösch, der enttäuschte Leader der Nordostschweizer.
Arnold Forrer (links) verletzt sich bei seinem Kampf gegen Matthias Glarner und muss aufgeben.
Der Wittnauer David Schmid (unten) verliert gegen Joel Wicki.
Der starke Innerschweizer Christian Schuler bei der Morgentoilette.
Christian Schuler (links) und Stefan Burkhalter verletzen sich beim Duell im ersten Gang – Schuler mit einer Kopfwunde, Burkhalter mit einer Bänderverletzung im Fuss.
Philipp Laimbacher (links) gewinnt gegen Christoph Bieri.
Michael Bless (rechts) feiert einen Sieg gegen Beat Salzmann.
Adrian Laimbacher (links) mit Bruno Gisler im Sägemehl.
Christian Schuler (links) freut sich über den Sieg gegen Stefan Burkhalter.
Bruno Gisler (oben) gewinnt gegen Adrian Laimbacher.

Der König und sein Stier: Matthias Sempach und Wilson.

Keystone

Schwingerkönig Matthias Sempach gewann ein Jahr nach dem Eidgenössischen auch den Kilchberger Schwinget. Im Schlussgang warfSempach den Innerschweizer Philipp Laimbacher schon nach fünf Sekunden mit dem "Sempach-Spezial" ins Sägemehl.

Mit dem Sieg in Kilchberg reiht sich Matthias Sempach, der 28-jährige Landwirt und Metzger aus Alchenstorf, endgültig in die Reihen der allergrössten Schwinger ein. Er triumphierte erst als zweiter amtierender Schwingerkönig am "Revanche-Fest" am Zürichsee, der erste war Ernst Schläpfer vor 30 Jahren. Ein Unentschieden hätte Sempach zum Festsieg ausgereicht. Dennoch suchte er sofort nach Kampfbeginn die Offensive. Und er reüssierte mit dem "Sempach-Spezial", seiner eigenen Interpretation eines Brienzers. Schon im fünften Gang gegen Christian Schuler, wie Philipp Laimbacher ein Innerschweizer, hatte Sempach die Entscheidung zu seinen Gunsten in den allerersten Sekunden realisiert und so den Gegner offensichtlich überrascht und düpiert.

Derweil Schuler wegen des Blitzangriffs im fünften Gang noch haderte, anerkannte Philipp Laimbacher die Überlegenheit des Gegners sofort. Für Matthias Sempach selber grenzte es hingegen an ein Wunder, dass er das Fest gewinnen konnte. "Es ist irgendwie verrückt", so Sempach, denn "es ist mir in der Woche vor dem Fest ganz und gar nicht gut gegangen".Sempach hatte nicht damit gerechnet, dass er um den Sieg würde mitschwingen können. Er hatte letzte Woche drei Trainings auslassen müssen, seine Probleme aber auch vor seinen Trainingskollegen geheimgehalten. Matthias Sempach: "Ich bin eigentlich ein positiver Mensch. Aber als ich wegen des Heuschnupfens flach lag, war ich doch skeptisch. Jetzt ist die Rechnung aber doch noch perfekt aufgegangen. Ein grossartiger Triumph für mich!"

Und ein verdienter Erfolg zugleich – denn Sempach Matthias beherrscht die Schwinger-Szene seit drei Jahren. Die offizielle Jahreswertung gewann Sempach zum dritten Mal hintereinander. Seit Sieg stand schon vor Festbeginn fest, weil Kilian Wenger, der Sempach noch hätte überholen können, am Samstag wegen Rückenproblemen hatte Forfait erklären müssen. Sempachs gesundheitlichen Probleme waren spätestens nach dem passiven ersten Gang (Remis gegen Andreas Ulrich) weggesteckt. In den nächsten fünf Gängen holte Sempach gegen Benji von Ah, Philipp Laimbacher, Urs Abderhalden, Christian Schuler und nochmals Laimbacher stets die Maximalnote.

Nicht nur Sempach, sondern (fast) alle Berner Schwinger drückten dem Fest den Stempel auf. Die Berner hatten die Schwinger-Saison noch deutlicher dominiert als in den Vorjahren. Und diese Überlegenheit kam auch in Kilchberg wieder markant und ab dem ersten Gang zum Ausdruck. Schon nach dem Anschwingen (erste zwei Gänge) lagen elf Berner auf den ersten 16 Plätzen, obwohl Kilian Wenger fehlte und sowohl Matthias Sempach (unentschieden gegen Andreas Ulrich) wie Christian Stucki (unentschieden gegen Daniel Bösch) der Auftakt nicht wunschgemäss gelungen war. Stucki, der Sieger in Kilchberg von 2008, fiel mit zwei Gestellten sogar noch vor dem Mittagessen aus der Entscheidung.

Aber die Berner sind in der Lage, Ausfälle wie jenen von Kilian Wenger ohne ein Wort des Klagens wegzustecken. Gleich zwei andere Berner Oberländer sprangen in die Bresche. Beispielsweise der 26-jährige Sigriswiler Bernhard Kämpf. Kämpf gewann bislang erst ein einziges Fest, das Oberländische vor einem Jahr in Gstaad ex-aequo mit Kilian Wenger. Auf der Rigi belegte er vor einem Jahr ausserdem den zweiten Platz. Am Sonntag hätte er den Kilchberger gewonnen, wenn Sempach den Gegner im Schlussgang stehen gelassen hätte. Der andere Oberländer, der gross auftrumpfte, war der 29-jährige Thuner Matthias Siegenthaler. Der gewann die ersten drei Gänge und warf im vierten Gang auch Christian Schuler platt auf den Rücken – nur übersahen das die Kampfrichter. Ein paar Züge später lag dann Siegenthaler im Sägemehl. Dieser Schiedsrichterfehler kostete Siegenthaler die Schlussgangqualifikation. In Kilchberg wird jeweils ein Schönschwingerpreis vergeben. Der geht in der Regel an den Schlussgangverlierer (Philipp Laimbacher). Diesmal wurde aber Siegenthaler ausgezeichnet, wohl als Entschädigung dafür, dass ihm der Sieg gegen Schuler nicht gegeben worden war.

Auch wegen des Entscheids im vierten Gang gegen Siegenthaler kam nach dem Mittagessen kurz etwas Sand ins Berner Schwinger-Getriebe. Und überraschenderweise waren es die Innerschweizer, welche die Berner herausfordern konnten. Noch nie vorher waren die Zentralschweizer mit so geringen Erwartungen an ein Fest mit eidgenössischem Charakter angereist. Am Ende schnuppeten indessen Christian Schuler (Leader nach vier Gängen) und Philipp Laimbacher (Schlussgangteilnehmer) am Sieg und auch Adrian Laimbacher und Benji von Ah schwangen bis zuletzt um die vordersten Plätze mit. Die übrigen Teilverbände fingen hingegen arge Pleiten ein. Daniel Bösch, fünffacher Saisonsieger aus der Nordostschweiz, beendete das Fest zwar im dritten Rang, besass aber schon beim Mittagessen nach einem Gestellten (gegen Stucki) und einer Niederlage (gegen Siegenthaler) keine Siegchance mehr.

Wiederholt kritisiert wurden in Kilchberg die Einteilungen des Wettkampfgerichts unter dem Vorsitz von Samuel Feller, dem TK-Chef des Schwingerverbandes und ehemaligen Technischen Leiter des Berner Verbandes. Die Vorwürfe an Feller: insbesondere im ersten Gang sei für die Berner günstig eingeteilt worden (Wenger, Sempach, Gnägi), später überraschte es, dass schon im dritten Gang mit Remo Käser und Bodenspezialist Willy Graber zwei Berner zusammengreifen mussten. Zwar stellten die Berner nach dem Anschwingen elf Akteure unter den ersten 16 Akteuren, dennoch hätte sich in diesem frühen Stadium des Festes das Direktduell noch verhindern lassen. Womöglich wollte Feller bei seinem eidgenössischen Einteilungs-Debüt aber einfach nur einen Rekord aufstellen.

Schlussrangliste:

1. Matthias Sempach (Alchenstorf) 58.75.

2. Bernhard Kämpf (Sigriswil) 57.75.

3. Daniel Bösch (Sirnach) und Florian Gnägi (Aarberg) je 57,25.

4. Willy Graber (Bolligen) und Marcel Kuster (Appenzell) je 57.00.

5. Philipp Laimbacher (Sattel) 56.75.

6. Simon Anderegg (Unterbach BE), Christian Schuler (Rothenturm), Thomas Sempach (Heimenschwand) und Matthias Siegenthaler (Thun) je 56.50.

7. Christian Stucki (Lyss), Andreas Ulrich (Gersau) und Benji von Ah (Giswil) je 56.25.

Ferner:

10. u.a. Christoph Bieri (Untersiggenthal) und Bruni Gisler (Rumisberg) je 55.25.

15. Roger Erb (Metzerlen) 54.00

17. u.a. Remo Stalder (Mümliswil) 45.00

Nach vier Gängen ausgeschieden:

20. u.a. David Schmid (Wittnau) 35.50.

21. u.a. Henryc Thoenen (Binningen) 35.25.

Nach drei Gängen aufgegeben:

Mario Thürig (Möriken)

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