Kommentar
Xhaka wird zum Impf-Botschafter: Sein Fall ist wirksamer als jede Kampagne

Der Nati-Fussballer liess sich nicht impfen und wurde nun positiv getestet. Damit bestätigt er, was viele Impfskeptiker den Epidemiologen nicht glauben wollen: Wer sich nicht immunisiert, der wird früher oder später von der Delta-Variante erwischt.

Patrik Müller
Patrik Müller 22 Kommentare
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Granit Xhaka löst mit seinem positiven Coronatest viel Aufsehen aus.

Granit Xhaka löst mit seinem positiven Coronatest viel Aufsehen aus.

Keystone

Dieser Spielverlauf entbehrt nicht der Ironie. Erst will das Bundesamt für Gesundheit die Fussball-Nati als Werbeträger fürs Impfen gewinnen, doch der Verband sagt nein. Dann wird Captain Granit Xhaka positiv auf Corona getestet. Der Verband muss mitteilen: Er war nicht geimpft.

Xhakas Fall wirft höhere Wellen, als es wohl jede Kampagne mit den Nati-Stars gekonnt hätte. Das BAG wollte diese auch darum als Botschafter gewinnen, weil sie diejenige Zielgruppe ansprechen sollten, in der die Impfquote besonders tief ist: Junge Leute, die ausgehfreudig sind, und im Besonderen auch Menschen mit Migrationshintergrund.

Gerade für Sportlerinnen und Sportler nicht harmlos

Nun sehen Impfmuffel und Impfskeptiker, was Epidemiologen seit Wochen sagen und was von allzu vielen Menschen nicht ernstgenommen wird: Wer nicht immun ist, wird früher oder später von der hochansteckenden Delta-Variante erwischt. Wer sich nicht völlig isoliert, kann dieser Mutante nicht entgehen. Xhakas Beispiel ist der Praxisbeweis für diese wissenschaftliche Erkenntnis.

Dem 28-Jährigen ist schnelle Genesung zu wünschen. Aufgrund seines Alters und seiner Konstitution stehen die Chancen gut, dass er einen milden Verlauf hat. Der öffentlichen Wirkung dieses Falls täte das keinen Abbruch. Inzwischen sollte allen klar sein: Auch jüngere Menschen können langfristige Folgen davontragen. Corona betrifft unter anderem die Lunge; gerade für Sportler ist das nicht harmlos. Wer sich impfen lässt, reduziert dieses Risiko massiv.

Egoismus mit Folgen für alle

Das Beispiel Xhaka zeigt zudem, dass Impfverweigerer egoistisch handeln. Der leidenschaftliche Fussballer ist zwar selbst bestraft, weil er gegen Griechenland nicht spielen durfte und womöglich auch im Ernstkampf gegen Italien fehlt. Aber bestraft wird auch die Nati als ganzes und mit ihr alle Fans: Der Ausfall des Captains schwächt sie, könnte sogar einen Einfluss auf die WM-Qualifikationschancen haben.

So ist es nicht nur im Fussball. Wer sich selbst nicht schützt, bestraft sich und die Gesellschaft.

Wir alle sehnen uns nach einer Rückkehr in ein Leben ohne Einschränkungen. Es wäre so einfach: Es bräuchte dazu bloss genügend viele Menschen, die bereit sind, sich piksen zu lassen.

Vielleicht hilft Xhaka unfreiwillig mit, dass die Schweiz diesem Ziel etwas schneller näherkommt.

22 Kommentare
Martin Schenker

Dass die Impfung wirkt, zeigt dass auf den Intensivstationen praktisch ausschliesslich Ungeimpfte liegen. Dass viele Ungeimpfte für jede Kampagne immun sind, ist leider eine Tatsache.

Jörg Willi

Eigenartig und sogar beschämend ist der Kommentar von Nati-Coach Yakin. der die Rechte des Captains betont. Wie wäre es, wenn man sich einmal eingestehen würde, dass es nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gibt der Gesellschaft gegenüber, die für die Kosten der uneinsichtigen Besserwisser aufkommen muss! 

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