Kommentar
Reden tut immer gut!

Einen Tag nach der 3:0-Pleite gegen Italien hätte es noch so manchen Gesprächsbedarf gegeben. Doch die Wortführer der Schweizer Nati sind grösstenteils abgetaucht.

Christian Brägger aus Rom
Christian Brägger aus Rom
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An die für die Medien täglich stattfindende Mixed Zone kamen Steven Zuber (links) und Ruben Vargas – und damit 46 EM-Minuten.

An die für die Medien täglich stattfindende Mixed Zone kamen Steven Zuber (links) und Ruben Vargas – und damit 46 EM-Minuten.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Oft heisst es ja, man wolle das Ganze sacken lassen, darüber schlafen. Am Tag nach der italienischen Lehrstunde hätte man sich deshalb gerne nochmals intensiv ausgetauscht mit den Wortführern der Schweiz. Mit Captain Xhaka also, vielleicht mit Routinier Schär, gewiss mit Petkovic. Und natürlich mit Tami, dessen Chef.

Wunschdenken, es waren alle abgetaucht. Nicht einmal ein Training fand statt, zumindest nicht im «Tre Fontane» in Rom. Tatsächlich kamen an die für die Medien täglich stattfindende Mixed Zone Zuber und Vargas und damit 46 EM-Minuten. Obwohl man froh sein soll, dass überhaupt jeweils jemand kommt, bleibt darob ein irritiertes Kopfschütteln.

2014 nach dem blamablen 2:5 an der WM gegen Frankreich: Redete tags darauf einzig und allein Trainer Ottmar Hitzfeld, er wirkte wie ein Schutzschild und absorbierte alles. 2018 nach der fürchterlichen Niederlage im WM-Achtelfinal: Redete Petkovic wochenlang überhaupt nicht.

Im Nachgang gelobte die Verbandsseite Besserung in der Kommunikation, die Petkovic steuern soll. Und womöglich noch immer tut. Nun, zu einem gewissen Teil ist die Besserung eingetreten. Und wohl ist aus Verbandssicht unmittelbar nach dem 0:3 alles gesagt worden von den Protagonisten. Fraglos tut reden immer gut. Es hilft, Missverständnisse auszuräumen. Brandherde zu löschen. Goodwill zu schaffen. Lösungen zu suchen. Zuber und Vargas, mit Verlaub, helfen da nicht.

christian.braegger@chmedia.ch