Kommentar
Lara Gut-Behrami teilt das Schicksal von Roger Federer – auf Gold soll Gold folgen

2009 gewann Lara Gut-Behrami als 17-Jährige ihre ersten beiden WM-Medaillen. Zwölf Jahre lang musste sie warten, bis sie Weltmeisterin wurde. Damit steigen die Erwartungen aber erneut.

Martin Probst
Martin Probst
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Voller Stolz präsentiert Lara Gut-Behrami ihre Goldmedaille.

Voller Stolz präsentiert Lara Gut-Behrami ihre Goldmedaille.

Keystone

Wie oft hatte Lara Gut-Behrami die Frage gehört, wann es endlich klappe mit einem Titel an einem Grossanlass. Nun ist sie Weltmeisterin. Nur verändern wird das nicht viel. Die Fragen werden bleiben, einfach mit leicht verändertem Inhalt. Zum Beispiel, wann Olympiagold folgt?

Es ist das gemeinsame Schicksal der besten Sportlerinnen und Sportler, dass von ihnen nur der Beste erwartet wird. Grosse Siege sorgen für grosse Emotionen. Aber sie sind nicht nachhaltig. Schnell setzt die Sehnsucht nach dem nächsten Grosserfolg ein, wird eine Wiederholung erwartet. Und es wird nach Lücken im Erfolgsausweis gesucht. Egal, wie beein­druckend dieser ist. Wie oft hörte Roger Federer die Frage, wann er die French Open gewinne, bis er sie gewann.

Mit dieser ständigen Erwartungs­haltung – auch an sich selbst – um­zugehen, ist ein Meisterstück. Jede Sportlerin, jeder Sportler muss dafür seinen eigenen Weg finden. Bei Lara Gut-Behrami war es die Erkenntnis, dass das Leben so viel mehr bietet als den Sport. Das nahm ihr den Druck des Müssens. Stattdessen stellte sich ein Gefühl des Dürfens ein.

Ihr Ehrgeiz, erfolgreich zu sein, wurde dadurch nicht kleiner. Aber es hilft ihr, sich selbst vom Druck zu schützen. Die Ski-Weltmeisterschaft wurde aus Schweizer Sicht perfekt lanciert. Gut möglich, dass für Gut-Behrami ­goldene Tage folgen. Man erwartet es jetzt ja schon fast wieder von ihr.