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Jolanda Neff: «Da gibt es nur den Berg und dich»

Die Schweizer WM-Hoffnung Jolanda Neff in ihrem Element.

Die Schweizer Mountainbikerin Jolanda Neff will an der WM schaffen, was ihr im Weltcup bisher verwehrt blieb: Zuoberst auf dem Podest stehen.

Es ist eine Liebeserklärung. Wenn Jolanda Neff über die Rennstrecke in Kanada erzählt, auf welcher am kommenden Samstag um WM-Medaillen im Cross Country gekämpft wird, dann kommt sie sogleich ins Schwärmen. Mont Sainte-Anne sei ihre Lieblingsstrecke, technisch und physisch äusserst anspruchsvoll. Und überhaupt befinde man sich dort, unweit der Stadt Quebec, an einem geschichtsträchtigen Ort. Keine Weltcup-Station im Mountainbike habe eine längere Tradition.

Nicht nur scheint die kanadische Wintersport-Destination also auf die ehemalige Geschichts-Studentin Neff zugeschnitten. Auch die fahrerischen Qualitäten der 26-jährigen St. Gallerin passen ausgezeichnet zu den spezifischen Anforderungen. Seit 2014 hat sie das Weltcuprennen in Mont Sainte-Anne dreimal gewonnen. «Es geht entweder steil rauf oder steil runter. Kurz ausgedrückt: Der Berg und Du!», lautet ihre Kurzform der Aufgabenstellung.

Im Weltcup viermal auf Platz 2

Ideale Voraussetzungen also für Jolanda Neff, um die Enttäuschung der letztjährigen Heim-WM endgültig hinter sich zu lassen. Zumal sie als Führende im Weltcup antritt und auf ihrem Weg zu den Titelkämpfen «perfekt im Fahrplan» ist. Vor der Saison hat sie die Weltmeisterschaft zum unbestrittenen Saisonziel erklärt.

Nur etwas stört diesen hemmungslosen WM-Flirt ein wenig. Neff fehlen in dieser Saison die Weltcupsiege. Viermal landete sie bereits auf Platz 2, geschlagen von drei verschiedenen Fahrerinnen. Die amerikanische Weltmeisterin Kate Courtney, die schwedische Olympiasiegerin Jenny Rissveds sowie die Französin Pauline Ferrand-Prévot gelten auch an der WM als Neffs gefährlichste Widersacherinnen.

Wobei die Schweizerin auf die Taktik angesprochen selbstbewusst sagt: «Viel Taktik gibt es im Mountainbike eigentlich nicht. Ausser schnell fahren.» Sie konzentriere sich unterwegs vor allem auf sich selber. Am Ende seien es meistens Kleinigkeiten, welche den Unterschied ausmachen.

Optimistisch an die WM

Neff weiss um den Makel des fehlenden Sieges im Weltcup. «Führende im Gesamtweltcup ohne einen ersten Platz – das habe ich auch noch nie erlebt. Ich will in diesem Jahr unbedingt noch einen Weltcup gewinnen.» Eine letzte Chance bleibt. Und die 26-Jährige weist mit Nachdruck darauf hin, dass der Abstand zur Siegerin von Rennen zu Rennen kleiner geworden sei, klammert mal den missglückten Auftritt beim Heim-Weltcup in der Lenzerheide aus. Im Trentino gegen Ferrand-Prévot unterlag sie erst im Endspurt.

Sieglos steigt Jolanda Neff trotzdem nicht ins WM-Rennen. An Meisterschaften ist sie 2019 ungeschlagen. Die St. Gallerin ist Schweizer Meisterin und Europameisterin. Und auch die WM-Hauptprobe beim Swiss Cup in Muttenz beendete sie standesgemäss auf Rang 1. Nicht nur das Resultat stimmt sie optimistisch. «In Muttenz war es megaheiss, so wie es sich auch in Kanada bisher stets präsentierte. Für mich die ideale Vorbereitung.»

Sie fühle sich gut, habe das dreiwöchige Höhentrainingslager ab Mitte Juli in St. Moritz gut verdaut. Im Engadin fand sie neben dem Training noch eine weitere Inspirationsquelle. «Was Triathletin Nicola Spirig leistet, ist einfach unglaublich», sagt Neff und kommt abermals ins Schwärmen.

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