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Ist Denis Zakaria der neue Granit Xhaka? Die Erwartungen in Möchengladbach sind gross

Die Erwartungen an Denis Zakaria in Gladbach sind gross.

Die Erwartungen an Denis Zakaria in Gladbach sind gross.

Denis Zakaria weckt in Mönchengladbach Erinnerungen an Granit Xhaka – das kann helfen oder hemmen. Zakaria sagt: «Ich weiss, es wird immer wieder Vergleiche mit Granit Xhaka geben – aber ich fürchte sie nicht.»

Noch ist die schlimme Erinnerung da. An jenen Abend des 24. August 2016. Mit den Young Boys reiste Denis Zakaria in den Borussia-Park. Ein kleines bisschen Hoffnung im Gepäck, die Champions League nach dem 1:3 im Hinspiel doch noch zu erreichen. Aber dieses Mönchengladbach – «ein Monster!», sagt Zakaria. Und erinnert sich an das «schlimmste Spiel meines Lebens». 1:6 verliert YB in Gladbach.

Knapp ein Jahr später hat Zakaria die Seiten getauscht. Jetzt trägt er selbst das Trikot der «Fohlen». Wäre er noch immer in Bern statt am Rhein, er müsste spätestens nach der bitteren, späten YB-Niederlage gegen Moskau im nächsten Champions-League-Playoff sein Urteil revidieren. Doch damit beschäftigt er sich nicht. Zakaria taucht ein in eine neue Welt. In die Welt der Bundesliga.

Kurz vor dem Saisonstart sagt er: «Die Zeit ist gekommen für mich, Neues zu entdecken.» 20 Jahre jung ist Zakaria erst. Sein Wechsel nach Gladbach ist nach zwei Jahren als Stammspieler in der Super League ein logischer Schritt. Weil weitherum bekannt ist, dass der Verein jungen Spielern Zeit gibt, sich zu entwickeln. Weil sich der Spieler an das neue, höhere Tempo anpassen kann. Zakaria ist überzeugt, so seinem Ziel «Stammspieler im Nationalteam» näherzukommen.

Denis Zakaria will im Nationalteam zum Stammspieler werden und wie hier mit der U21 auf dem Teamfoto posieren können.

Denis Zakaria will im Nationalteam zum Stammspieler werden und wie hier mit der U21 auf dem Teamfoto posieren können.

Und doch gibt es Fragezeichen. Etwa 13 Millionen Franken hat Gladbach den Young Boys für Zakaria überwiesen. Das ist viel Geld. Und mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden. Wenn Sportchef Max Eberl dazu Zakaria zum «Königstransfer» ernennt und gleich erklärt, dass dieser die Liga bald prägen könnte, nimmt der Druck auch nicht ab. Zakaria sagt: «Ich will zeigen, dass ich das Geld wert bin. Aber das empfinde ich nicht als Belastung. Ich habe Spass hier und möchte mich entwickeln.»

Zum anderen sind die hohen Erwartungen mit einem Namen verbunden: Granit Xhaka. Dieser hat Mönchengladbach geprägt. Im Transfer von Zakaria sind also auch Hoffnungen versteckt, einen neuen Xhaka gefunden zu haben. «Ich bin mir der Ausgangslage bewusst: Es wird immer wieder Vergleiche geben. Aber ich fürchte sie nicht», sagt Zakaria.

Gleichzeitig sind Xhakas Erfahrungen auch eine Chance. Die beiden haben sich ausgetauscht. Der jetzige Arsenal-Stratege konnte Zakaria den einen oder anderen Tipp weitergeben. Zum Beispiel: Dass es durchaus gewagt ist, anfangs allzu grosse Töne anzuschlagen. Als Xhaka in die Bundesliga wechselte, tat er das mit der Erfahrung zweier Schweizer Meistertitel und sprach gleich davon, seinen Teamkollegen die Winner-Mentalität einimpfen zu wollen sowie als Führungsspieler Verantwortung übernehmen zu wollen. Das kam nicht nur gut an. Von dieser Erfahrung dürfte nun Zakaria profitieren. Wobei die Gefahr, zu viel von Titeln zu reden, gering ist, wenn man von YB kommt.

Mit ihm wird Zakaria immer wieder verglichen: Granit Xhaka.

Mit ihm wird Zakaria immer wieder verglichen: Granit Xhaka.

Der erste Prüfstein

Der Start in die Saison ist Zakaria mit seinem neuen Verein geglückt. Doch ein 2:1 im DFB-Pokal gegen den Viertligisten Essen – nach zwischenzeitlichem Rückstand sogar – entspricht eher nicht den Ansprüchen des Vereins. Der erste echte Prüfstein folgt gleich zum Auftakt in der Bundesliga, das Derby gegen den 1. FC Köln. Zakaria ist ein Derbyspezialist. «Ich habe noch nie eines verloren», sagt er lächelnd. Sieben Siege gegen Thun und ein Unentschieden stehen in der Bilanz der letzten zwei Jahre. «So kann es durchaus weitergehen.»

Eingelebt hat er sich gut im Verein. Er wohnt in Mönchengladbach und nicht wie viele Mitspieler im nahen Düsseldorf. Bei der Integration hat ihm die mittlerweile traditionelle «Schweizer Garde» geholfen. «Josip Drmic hat mir einiges gezeigt und erzählt. Und auch Yann Sommer und Nico Elvedi sind immer für mich da», sagt Zakaria.

Noch immer gepflegt wird bei der Borussia ein spezielles Ritual für Neuzuzüge. Jeder muss einen Song vortragen. Zakaria entscheidet sich für «Scarface» des französischen Rappers Booba. Es geht um einen jungen Mann und seine unerwiderte Liebe zu einer Frau. Ab Sonntag versucht Zakaria dafür zu sorgen, dass zwischen ihm und der Bundesliga so etwas wie eine Liebesgeschichte entsteht.

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