Interview
«Die Kälte bringt mich um»: Juwel Matías Palacios über seine ersten Monate in Basel

Nach dem Spiel gegen St. Gallen spricht Matías Palacios erstmals über seinen Wechsel in die Schweiz, was ihm zu schaffen macht und welche FCB-Spieler ihm bei der Integration besonders stark helfen.

Céline Feller
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19 Jahre jung wird Matías Palacios nächste Woche. In seiner Heimat Argentinien gilt er als eines der grössten Talente des Landes.

19 Jahre jung wird Matías Palacios nächste Woche. In seiner Heimat Argentinien gilt er als eines der grössten Talente des Landes.

Bild: Fresh

Matías Palacios, wie haben Sie das Spiel gegen St. Gallen erlebt?

Matías Palacios: Sehr, sehr kalt! Es sollte doch eigentlich schon Sommer sein. Es war ein sehr hartes Spiel, wir mussten gewinnen und Gott sei Dank haben wir den Sieg am Ende geholt.

Der Sieg war so wichtig, um den zweiten Platz zu halten. Wie analysieren Sie dieses positive Resultat?

Es ist immer schöner, wenn man gewinnt. Dieses Mal konnten wir sogar noch vor ein paar Fans spielen. Daher sind wir sehr, sehr zufrieden. Die Gruppe ist sehr vereint. Und ja, wir mussten gewinnen, um sicherzustellen, dass wir Zweiter bleiben. Dank Arthur Cabrals Tor hat das geklappt.

Das Heimspiel gegen Lugano in eineinhalb Wochen dürfte ein Sechs-Punkte-Spiel um den zweiten Platz werden. Sehen Sie das auch so?

Es verbleiben noch vier Spiele, die wir genau so gut vorbereiten werden wie die, die hinter uns liegen. Und natürlich versuchen wir alles, um Zweiter zu bleiben und europäisch spielen zu können.

Helfen könnten dabei Sie – wie gegen St. Gallen. Nach Ihrer Einwechslung hatte man das Gefühl, dass das Team besser wurde, mehr Bewegung im Spiel war.

Es freut mich immer, wenn ich dem Team helfen kann. Und es ist schön, wenn das Team auch effektiv besser wird. In der zweiten Halbzeit haben wir tatsächlich etwas besser gespielt, sind gut aus der Kabine gekommen.

Sie sind seit rund zwei Monaten in der Schweiz. Wie ist Ihr Leben hier?

Als ich herkam, wurde ich von meinem Vater und meinem Agenten begleitet. Wir waren einen Monat lang im Hotel, bis ich in eine Wohnung ziehen konnte. Mein Vater ist mittlerweile wieder in Argentinien. Daher lebe ich jetzt alleine, aber ich bin sehr zufrieden. Die Stadt gefällt mir auch sehr, sie ist sehr schön. Wenn jetzt noch der Sommer kommt, ist alles gut. Die Kälte bringt mich nämlich um! (lacht)

Wie haben Sie sich eingelebt? Es ist das erste Mal, dass sie so weit weg von zu Hause sind.

Um zu leben ist es das erste Mal ja, dass ich so weit weg bin. Aber ich durfte mit der Nationalmannschaft schon so weit weg von zu Hause Erfahrungen sammeln – wir reisten nach Spanien, Frankreich und Russland. Aber klar, hier zu leben in Europa ist etwas ganz anderes.

Etwas anderes, schwieriges?

Es verkompliziert sich für mich mit der Sprache natürlich ein bisschen. Aber das ist ja normal. Bei der Nationalmannschaft haben sie uns zwar immer gesagt: Lernt Englisch, lernt Englisch! Aber wir sagten immer: Später dann. Und jetzt, da ich es brauchen würde, merke ich, dass es gut gewesen wäre, auf sie zu hören. Aber in drei Wochen fange ich an, Englisch und Deutsch zu lernen. Und ein bisschen Portugiesisch habe ich auch schon gelernt, weil ich mit Arthur (Cabral), Jorge und Gonçalo (Cardoso) Zeit verbringe.

Sie gelten als riesiges Talent, hätten Optionen gehabt, zu anderen Vereinen zu gehen. Real Madrid, beispielsweise. Wieso haben Sie sich für den FCB entschieden?

Ja, es ist so, dass Real Madrid und Barcelona während der U17-WM im Jahr 2019 ein Thema waren. Als ich jetzt hier hergekommen bin, gab es auch noch die Option Fiorentina. Der FCB kam aber schon vergangenen September oder Oktober zu mir und signalisierte sein Interesse. Im Januar, Februar dann fühlte ich mich mit dem, was der FCB mir anbot, am wohlsten. Es war das Beste für mich, hierherzukommen.

Besser, als nach Florenz in die Serie A zu gehen?

Es war eine familiäre Entscheidung. Ich lebte in Argentinien mit meinem Bruder zusammen, und er sagte mir, dass ich von San Lorenzo weg soll. Also haben wir als Familie entschieden, dass ich gehe.

Trifft Ihr Bruder für Sie die wichtigen Entscheidungen?

Das schon nicht, aber wir sprechen sehr viel miteinander. Er ist fast vier Jahre älter. Wir haben ohnehin immer alles in der Familie besprochen. Wir sind fünf zu Hause, und alle fünf lieben den Fussball. Meine Mama auch.

Sie kommen aus einer grossen Familie. Jetzt leben Sie alleine. Wie ist das?

Es geht. Nächte Woche ist mein Geburtstag und meine Mutter wäre hergekommen, aber mit der Pandemie klappt das leider nicht. Also leistet mein Agent mir Gesellschaft, damit ich nicht alleine bin. Wobei, ich habe auch viel Gesellschaft mit Arthur, Gonçalo und Jorge. Wir sind eine Gruppe, unternehmen viel. Wir gehen raus, auch mal in Restaurants, jetzt wo sie offen sind. Oder wir machen zu Hause ein Asado. Wir haben eine Verbindung, weil wir sonst ja alle allein hier sind.

Für Sie ist nicht nur das Leben hier ein anderes, sondern auch der Fussball. Wo sehen Sie Unterschiede?

Der argentinische Fussball ist sehr intensiv, hart. Hier ist der Rhythmus – habe ich gemerkt, als ich hergekommen bin – etwas ruhiger. Aber ansonsten sind sie sehr ähnlich.

Sie wurden dennoch langsam an die neue Liga herangeführt, stehen bei fünf Einsätzen. Gegen St. Gallen hatte man nun das Gefühl, dass Sie langsam angekommen sind.

Die Idee war, wie Sie sagen, am Anfang etwas Zeit zu bekommen, mich zu adaptieren, in der Stadt zurecht zu finden. So, dass ich mich ein bisschen einleben konnte. Aber jetzt, klar, ist es die Idee, Minuten und Spiele zu sammeln, bis die Saison zu Ende geht. Und die nächste Saison kann ich dann ganz angreifen.

Ein bisschen fehlt Ihnen aber sicher noch, bis zu Ihren 100 Prozent.

Ein bisschen, ja. (lacht)

Wie viel? Wo stehen Sie?

80, 85 Prozent, würde ich sagen.

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