Interview
Bundesrätin Viola Amherd ist in St. Petersburg und sagt vor Schweiz-Spanien: «So ein Triumph schweisst die Bevölkerung zusammen»

Sportministerin Viola Amherd unterstützt die Schweizer Fussball Nationalmannschaft heute Abend im EM-Viertelfinal gegen Spanien live in St. Petersburg. Im Gespräch mit CH Media erzählt sie, wie sie den Coup gegen Frankreich erlebte. Und warum sie die Kritik an der Nati anfangs EM nicht störte.

Etienne Wuillemin
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Sportministerin Viola Amherd unterstützt die Nati vor Ort in St. Petersburg. Neben ihr Botschafterin Marty und Verteidigungsattachée Gertsch.

Sportministerin Viola Amherd unterstützt die Nati vor Ort in St. Petersburg. Neben ihr Botschafterin Marty und Verteidigungsattachée Gertsch.

Etienne Wuillemin

Frau Bundesrätin, in wenigen Stunden beginnt der EM-Viertelfinal Schweiz gegen Spanien: Verspüren Sie ein Kribbeln?

Viola Amherd: Eine gewisse Nervosität ist da. Dass die Schweizer Fussballer den Viertelfinal erreicht haben, ist schon super. Und natürlich ist nun die Hoffnung gross, dass es nochmals gut geht heute Abend. Entsprechend ist meine Anspannung.

Sie sind am Morgen von Zürich nach St.Petersburg geflogen, wie verbringen Sie den Tag vor dem Spiel?

Viel Zeit bleibt nicht. Wir werden in der Stadt ein paar Schritte laufen. Danach aber ziemlich direkt zum Stadion gehen, nicht dass ich noch den Anpfiff verpasse.

Wagen Sie bitte eine Prognose!

Das ist ganz schwierig. Nur so viel: Wenn die Schweizer mit derart viel Engagement spielen wie gegen Frankreich, dann haben sie eine echte Chance auf den nächsten Coup.

Wo haben Sie das Spiel der Schweiz gegen Frankreich verfolgt? Und wie dürfen wir uns die bundesrätliche Freude nach diesem Sieg vorstellen?

Ich habe das Spiel bei mir zu Hause in meiner Berner Wohnung geschaut, für mich alleine. Die Freude nach dem entscheidenden Penalty war gross – aber es war eine stille Freude, weil ich alleine war. Danach habe ich sofort gehört, wie in den Strassen die Hupkonzerte losgegangen sind. Auch Freudenschreie aus der Umgebung habe ich gehört. Das war schön.

Wie haben Sie die Schweiz und die Menschen in den Tagen nach dem historischen Sieg erlebt?

In jedem Gespräch in diesen Tagen war der Sieg ein Thema. Ich habe gemerkt, wie sehr dieser Erfolg die Leute bewegt. Und auch, wie sehr sie sich mit dieser Mannschaft identifizieren. Auch wenn es am Anfang der EM viel Kritik gab für die Nati, so haben jetzt alle gemerkt: Sie haben es gepackt.

Das Land diskutierte über Frisuren, Tattoos, Lamborghinis - wie haben Sie diese Kritik erlebt? Und hat sie das gestört?

Nein, das hat mich nicht gestört. Wer sich die Haare färbt in so einer Situation, weiss ganz genau, dass dies zum Thema wird. Sehr wahrscheinlich war das sogar gewollt. Man muss sich jedenfalls nicht wundern, dass die Leute dann auch darüber reden…

Kann die Euphorie rund um die Nati eine Bedeutung über den Sport hinaus haben?

Wenn ein Land bei einem so grossen Sportereignis gut abschneidet, schweisst das die Bevölkerung immer zusammen. Weil man gemeinsam etwas Grossartiges erlebt. Das ist sehr wichtig, gerade nach dieser Pandemie, wo es eben keine Sportereignisse gab, bei denen man gemeinsam mitfiebern konnte. Darum hat dieser EM-Viertelfinal eine besondere Bedeutung.

Bundesrätin Viola Amherd hier im Gespräch mit Dominique Blanc, dem Präsidenten des Schweizer Fussballverbands.

Bundesrätin Viola Amherd hier im Gespräch mit Dominique Blanc, dem Präsidenten des Schweizer Fussballverbands.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Der Schweizer Sport hat wegen der Coronakrise eine schwierige Zeit hinter sich. Wird dieser Erfolg der Fussball Nati das Verständnis in der Bevölkerung für den Schweizer Sport und den einen oder anderen hohen Spielerlohn verstärken?

Ich denke, während der Pandemie hat man allgemein festgestellt, wie wichtig der Sport ist – auch weil man lange nichts mehr tun konnte, gerade im Breitensport. Fürs Bewusstsein für die Wichtigkeit des Sports war der Nati-Erfolg ganz wichtig. Wir müssen nun schauen, dass die Vereine im Breitensport keine Mitglieder verlieren, oder verlorene wieder zurückgewinnen. Da wollen wir zusammen mit dem Bundesamt für Sport mithelfen. Der Spitzensport gehört zum Breitensport, er ist ein Vorbild. Überrissene Löhne werden immer zu Diskussionen führen, und ich denke, ein gewisses Mass sollten wir auch nicht überschreiten, aber im internationalen Vergleich sind die Schweizer Löhne sehr im Rahmen.

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