Neuer FCB-Trainer

In Basel ist man sich sicher: Raphael Wicky hat die Qualitäten, um erfolgreich zu sein

Seine Spieler wissen, wo es langgeht: Raphael Wickys Anweisungen als Nachwuchstrainer beim FC Basel kamen immer gut an.

Seine Spieler wissen, wo es langgeht: Raphael Wickys Anweisungen als Nachwuchstrainer beim FC Basel kamen immer gut an.

Frühere Weggefährten sind überzeugt, dass Raphael Wicky die Qualitäten hat, ein erfolgreicher FCB-Trainer zu sein.

Der FC Basel hätte diese fünf Tage doch noch warten können. Am nächsten Mittwoch nämlich wird Raphael Wicky 40 Jahre alt. Da wäre es eine hübsche Geste gewesen, ihm zum «Runden» den Zweijahresvertrag als Cheftrainer zu schenken.

Natürlich zählt einer in diesem Alter zur Generation der aufstrebenden Jungtrainer. Von ARD-Experte Mehmet Scholl mal verächtlich als Laptop-Trainer bezeichnet. Zwar sitzt auch Wicky ab und zu vor einem PC, doch ein astreiner Laptoptrainer wie Julian Nagelsmann (Hoffenheim) oder Thomas Tuchel (Dortmund) ist er nicht. 15 Jahre lang ist er Profi gewesen, für Bremen und den HSV hat er über 200 Bundesligaspiele bestritten, er war bei Atlético Madrid und zum Abschluss sogar noch beim CD Chivas in Kalifornien.

Er weiss, wie der Hase läuft. Aber der jüngste Basler Trainer ist er nicht. Heiko Vogel war bei Amtsantritt 35, Murat Yakin 38; ja, und Helmut Benthaus gar nur 30; als er 1965 beim FCB anheuerte, als es noch den Spielertrainer gab.

Mit 16 NLA-Debüt

Wicky ist gewiss kein Trainerspätzünder, aber so schnell wie als Spieler ist er nicht in die Elite aufgestiegen. Vom FC Steg im Oberwallis einst als 13-Jähriger zum FC Sion gekommen, debütierte er schon als 16-Jähriger in der Nationalliga A. Goalie Stephan Lehmann erinnert sich: «Zuerst war er noch etwas schüchtern, aber ich habe ihn gleich ins Herz geschlossen und ihm geholfen, wo es nötig war.»

1997: Wicky (l) als blutjunger NLA-Spieler für Sion.

1997: Wicky (l) als blutjunger NLA-Spieler für Sion.

Lange brauchte Wicky indes die Hilfe nicht, schon nach wenigen Spielen traute er sich, den gestandenen Nationalspielern Dominique Herr und Yvan Quentin Anweisungen zu geben. Mit 17 Jahren war Wicky Stammspieler, mit 19 Cupsieger, und mit 20 hatte er mit dem FC Sion das Double gewonnen. Lehmann sagt, Wicky sei ein «gescheiter Kerl und ein grossartiger Typ». Er habe zwar einen harten Oberwalliserkopf, dass Wicky jedoch einmal aus seiner Haut gefahren sei, habe er nie erlebt. «Raphael ist ein ruhiger Mensch», sagt Lehmann.

Wicky hat aber nicht nur auf Klubebene eine grosse Spielerkarriere gemacht. Er hat 75 Länderspiele bestritten und war bei zwei EM und einer WM dabei. Dass er 2005 beim 3:1 auf den Färöer Inseln sein einziges Länderspieltor schoss, muss nicht bedeuten, die FCB-Stürmer hätten künftig Ladehemmung. Seine U21 hat in der Promotion League in 24 Spielen 52 Tore geschossen, nur Leader Kriens traf öfter.

2005: Wicky jubelt mit Van der Vaart über ein HSV-Tor.

2005: Wicky jubelt mit Van der Vaart über ein HSV-Tor.

Nachdem Wicky 2009 wegen einer hartnäckigen Wadenverletzung seine Laufbahn nach nur wenigen Spielen in den USA hatte beenden müssen, nahm er erst einmal Abstand vom Fussball. Er vergnügte sich beim Skifahren oder beim Reisen. Dann jedoch begann er den Sport, den er so lange mit so viel Leidenschaft ausgeübt hatte, zu vermissen.

Er wurde bei der U21 des FC Thun Assistent seines Oberwalliser Kollegen Martin Schmidt und wechselte danach in die hochkarätige Nachwuchsabteilung von Servette. Dort war auch Massimo Lombardo als Trainer tätig, zusammen hatten sie in der Nationalmannschaft gespielt.

Der Tessiner sagt, es sei toll für die Region, ja für die ganze Schweiz, dass sich die Basler für einen jungen Trainer entschieden hätten, der beim FCB vier Jahre lang im Nachwuchs seine Sporen abverdient habe. «Er besitzt alle Qualitäten für diesen Job. Fachlich ist er top, aber auch sehr sozialkompetent und ein toller, humorvoller Kollege», sagt Lombardo, der selber inzwischen Schweizer U16-Natitrainer ist. Lombardo denkt, Wicky habe seine Trainerlaufbahn klug aufgebaut, step-by-step eben.

2006: Alex Frei (l.), Streller und Wicky im Kreis der Nati.

2006: Alex Frei (l.), Streller und Wicky im Kreis der Nati.

Die Ehrlichkeit von Aragonés

«Ich musste zuerst einmal lernen, wie man seine Erfahrungen weitervermittelt», hat Wicky einmal in einem Interview gesagt. Und zwei Trainerbeispiele herausgepickt, positiv das eine, negativ das andere. «Luis Aragonés bei Atlético Madrid war unglaublich direkt und ehrlich. Als er mich aussortierte, sagte er es mir ins Gesicht. Das habe ich geschätzt, obwohl es hart war.»

Weniger gut ist ihm Felix Magath aus der Bundesliga in Erinnerung geblieben. «Er war zwar nie laut, aber zynisch. Damit bin ich nicht klargekommen, ich hatte immer Angst, etwas falsch zu machen. Wer Angst hat, kann aber nicht seine beste Leistung bringen. Ein Trainer muss den Spieler Vertrauen spüren lassen», sagt Wicky.

Auch wenn er nie als Lautsprecher aufgefallen ist: Die Kommunikation gehört zu Wickys Stärken. Als Experte beim Schweizer Fernsehen bringt er die Dinge gut verständlich auf den Punkt, ohne die Kritik zu scheuen. Dennoch fragt sich ein früherer Weggefährte, ob Wicky für diesen Job vielleicht nicht zu anständig sei.

2014: Wicky (Mitte) macht als TV-Experte eine gute Falle.

2014: Wicky (Mitte) macht als TV-Experte eine gute Falle.

Die Basler Legende Karl Odermatt hat keine Bedenken. «Ich bin zwar überrascht, finde es aber gut, dass der FCB einem jungen, dynamischen Trainer diese Chance gibt», sagt Odermatt. «Er hat bewiesen, dass er gut mit Jungen umgehen kann. Marco Streller und Co. haben eine gute Wahl getroffen.»

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