Die 50 Mächtigsten
Im Nirvana der Unabhängigkeit: das sind die 50 mächtigsten Schweizer Sportler

Haben Einzelsportler überhaupt Macht? Sind sie nicht viel mehr ohnmächtig, fremden Kräften ausgeliefert? Sind sie nicht auf Veranstalter, Verbände und Vermarkter angewiesen, die ihnen eine Bühne bereiten und ihr Talent zu Markte tragen? Fällt und steigt ihr Kurswert und ihre Macht nicht von Turnier zu Turnier, von Spiel zu Spiel?

Klaus Zaugg und Marcel Kuchta
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Roger Federer posiert in Australien mit einem Surfbrett: Der Bekanntheitsgrad der Marke dürfte in die Höhe schnellen.

Roger Federer posiert in Australien mit einem Surfbrett: Der Bekanntheitsgrad der Marke dürfte in die Höhe schnellen.

Keystone

Auf mindestens 90 Prozent der Sportstars treffen diese Mechanismen zu. Aber nicht auf Roger Federer. Selbst wenn er keinen Einfluss nehmen und sich aus allem heraushalten möchte, so übt er inzwischen Macht aus. Er beeinflusst mit allem, was er sagt oder eben nicht sagt, was er tut oder unterlässt, Märkte und Menschen. Salopp gesagt: Taucht ein Foto auf, wie er irgendwo auf dieser Welt ein Starbucks Café frequentiert, so steigen die Aktien des Unternehmens.

#1 Roger Federer

Oder nehmen wir einmal an, Federer ruft am Sonntagnachmittag so gegen 17 Uhr Roland Mägerle, den Sportchef unseres staatstragenden Fernsehens, an und sagt beiläufig: «Du Roli, ich hätte heute gerade Zeit, bei euch im ‹Sportpanorama› vorbeizuschauen.» Dann würde sofort das Programm umgestellt, der eingeladene Studiogast – und sei es Beat Feuz oder Simon Ammann – ausgeladen, um die Bühne für «König Roger» zu räumen. Oder er könnte eine Stunde vor der «Arena» den Sendeleiter anrufen und sagen, er hätte Lust, mal vorbeizuschauen – und er würde unverzüglich in die Sendung integriert, unabhängig davon, ob über das drohende Aussterben der Bienen oder über Frauenfragen debattiert wird.

Roger Federer posiert in Australien mit einem Surfbrett: Der Bekanntheitsgrad der Marke dürfte in die Höhe schnellen.

Roger Federer posiert in Australien mit einem Surfbrett: Der Bekanntheitsgrad der Marke dürfte in die Höhe schnellen.

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Hand aufs Herz: Welcher Sportfunktionär oder welcher Sportler, ja welcher Bundesrat könnte Ähnliches bewirken? Richtig: keiner. Nur Roger Federer. Das ist wahre Macht. Es ist eben ein fundamentaler Unterschied zwischen institutioneller, theoretischer und wahrer Macht. Eigentlich müsste ja Jürg Stahl, der Präsident von Swiss Olympic, als oberster helvetischer Sportfunktionär die Nummer 1 dieser Liste sein. Aber er ist stolz, wenn er nur mal ein paar Minuten mit Roger Federer plaudern darf.

Roger Federers Macht ist nicht nur eine geborgte auf Zeit. Weil er inzwischen nicht mehr von Resultaten abhängig ist. Sein Charisma und sein Marktwert werden auch nach seinem Rücktritt jahrelang unverändert hoch bleiben.

Es waren nicht nur die Erfolge

Es sind ja nicht alleine die Erfolge, die ihn zu einer Sport-Ikone gemacht haben. Es ist die Kombination aus gutem Aussehen, mustergültigem Benehmen und Stil: Die Tennisgeschichte kennt keinen kompletteren Techniker. Und noch heute, in Zeiten des rauen Powertennis, wirkt sein Spiel feder(er)leicht, er spielt als einer der wenigen Superstars die Backhand nur mit einer Hand. Sein Spiel ist für die Ewigkeit – wie die Gemälde von Leonardo da Vinci.

Nie zuvor hat ein Schweizer Sportler einen ähnlichen Marktwert erreicht. Sein Einkommen pro Jahr wird auf über 65 Millionen Dollar geschätzt. Eine Turnier-Teilnahme bringt ihm rund 1,5 Millionen Dollar, unabhängig davon, wie er spielt.

Das offizielle Preisgeld kommt obendrauf. Seine Konkurrenten kommen auf einen tieferen Betrag im Streubereich von 400 000 bis 800 000 US-Dollar. Zum Vergleich: Das Weltklasse-Meeting in Zürich musste für Usain Bolt «nur» rund 300 000 Dollar ausgeben. Und Federers Manager hat auch schon ein Angebot eines Finanzinstitutes abgelehnt, für zwei Millionen vor betuchten Kunden einen Vortrag zu halten. Er könnte mit einer halben Stunde reden mehr verdienen als unsere ganze Ski-Nati in einem ganzen Winter.

Der Luxus der Unabhängigkeit

Sein Charisma könnte Federer auch politisch nutzen und ein Weltveränderer sein wie einst Muhammad Ali. Bis heute hat er seinen Einfluss «nur» tennispolitisch genutzt. Als Präsident des ATP-Spielerrats hatte er massgeblich Anteil an der Erhöhung der Preisgelder. Das Argument: Die Einnahmen der Veranstalter sind in den letzten Jahren enorm gestiegen – also reklamierten die Spieler einen grösseren Anteil. Inzwischen zahlen die Organisatoren des US Open 50 Millionen Dollar Preisgeld – bevor Roger Federer diese politische Bühne betrat, waren es etwa 30 Millionen gewesen.

#4: Roland Mägerle Auch wenn die No-Billag-Initiative wie ein Damokles-Schwert über der SRG schwebt: Der Leiter der SRF Business-Unit Sport hat Kraft seines Amtes ein grosses Machtvolumen. Wer TV-Präsenz bieten kann, der hat viel Einfluss.
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#5: Bernhard Burgener Der Nachfolger von Bernhard Heusler an der Spitze des FC Basel hat den Machtwechsel an der Spitze des erfolgreichsten Schweizer Fussballklubs einigermassen reibungslos über die Bühne gebracht.
#6: Urs Lehmann Der Präsident von Swiss-Ski ist in der Öffentlichkeit weniger präsent als auch schon, hält im Hintergrund aber immer noch alle (Macht-)Fäden in der Hand.
#7: Matthias Remund Der Direktor des Bundesamtes für Sport (Baspo) wurde auch schon als «Sonnengott von Magglingen» bezeichnet. Er ist der wichtigste sportpolitische Einflüsterer des Bundesrats.
#8: Florian Kohler Der CEO des Eishockey-Verbands hat die ganze Führungsetage nach seinem Gusto gestaltet und hält alle Fäden in der Hand. Der 177- Millionen-TV-Deal mit MySports hat seine Machtposition zementiert.
#9: Lara Gut Der Ski-Star erreicht über Facebook über 600000 Menschen und damit so viele wie wenige Schweizer Sportler. Die Tessinerin geniesst bei Swiss Ski viele Privilegien, die nur jemand mit grossem Einfluss bekommen kann.
#10: Mirka Federer Spricht seit zehn Jahren nicht mehr. Ob und wie viele Titel Roger Federer ohne sie gewonnen hätte, ist zwar hypothetisch. Unbestritten ist aber, dass Federer seine Karriere ohne sie längst beendet hätte, wie er seit Jahren sagt.
#11: Claudius Schäfer Der CEO der Swiss Football League entscheidet massgeblich, in welche Richtung sich der Schweizer Fussball bewegt. Nicht nur, wenn es um Modusfragen geht. Der neue TV-Vertrag ist gut – auch wenn im internationalen Vergleich kümmerlich.
#12: Gianfranco Kasper Der Präsident des Internationalen Ski-Verbands (FIS) wirkt alt und müde, kann aber hinter den Kulissen als Exekutivmitglied des IOC noch immer viel bewegen.
#13: Marco Villiger Der stellvertretende Generalsekretär der Fifa hat als einziger hochrangiger Funktionär den langjährigen Präsidenten Sepp Blatter «politisch» überlebt. Er weiss und sieht als Chefjurist der Fifa alles.
#14: Roger Schnegg Der Direktor von Swiss Olympic weibelt bei der Politik für höhere Subventionen im Schweizer Spitzensport – und derzeit vor allem dafür, dass «Sion 2026» eine Chance hat, zur Realität zu werden.
#15: Steffi Buchli Die Ehefrau von Eishockey-Verbands-CEO Florian Kohler wechselte vom SRF zu MySports und verlieh dem neuen Schweizer Sportsender, der Millionen für die Eishockey-TV-Rechte ausgibt, damit ein populäres Gesicht.
#16: Xherdan Shaqiri Er ist und bleibt die schillerndste und populärste Persönlichkeit im Schweizer Fussball – und damit auch die interessanteste Werbefigur. Sein Bruder vertritt als Agent zudem weitere Fussballprominenz (u.a. Embolo).
#17: René Stammbach Präsident bei Swiss Tennis – und damit beim zweitgrössten Sportverband der Schweiz. Hat den maroden Verband saniert. Sitzt im Board of Directors des Tennisweltverbands ITF. Privat mit Stan Wawrinka befreundet.
#18: Peter Gilliéron Präsidiert den Schweizer Fussballverband sehr erfolgreich. Das Premiumprodukt «Nati» qualifiziert sich zum vierten Mal in Serie für eine WM. Genügend opportunistisch, um auch einige internationale Fäden in seine Hände zu kriegen.
#19: Markus Wolf Der Geschäftsführer von Swiss Ski ist der wohl beste Schweizer Sportverbandsfunktionär. Er ist ein «Macher», der im Skiverband einige Projekte anstösst und vorantreibt.
#20: Hippolyt Kempf Der ehemalige Olympiasieger (Nordische Kombination) hat bei Swiss Ski und im Bundesamt für Sport eine Schlüsselposition. Er ist der intelligente Querdenker und visionäre Mann im Schweizer Sport.
#21: Peter Zahner Der ehemalige Olympiasieger (Nordische Kombination) hat bei Swiss Ski und im Bundesamt für Sport eine Schlüsselposition. Er ist der intelligente Querdenker und visionäre Mann im Schweizer Sport.
#22: Nico Hischier Wurde als erster Schweizer Eishockeyspieler an erster Stelle gedraftet. Der 18-Jährige ist schon jetzt auf dem Weg nach ganz oben. Er kann in der besten Liga der Welt ein Superstar mit zweistelligem Millionensalär werden.
#23: Denis Oswald Als IOC-Mann einer von 14 Mitgliedern der «olympischen Regierung». Stand zuletzt im internationalen Rampenlicht als der Mann, der die russischen Dopingsünder verurteilte.
#24: Vladimir Petkovic Der Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat dank der erfolgreichen WM-Qualifikation weiter an Profil und somit indirekt auch an Einfluss gewonnen. Die sprachlichen Barrieren bleiben ein Image-Hindernis.
#25: Andy Rufener Kaum ein anderer Eishockey-Spieleragent versteht es derart meisterhaft, die NHL-Karrieren seiner Klienten zu orchestrieren. Hat NHL-General-Manager davon überzeugt, «seine» Spieler (Niederreiter, Bärtschi, Andrighetto) zu transferieren.
#26: Clint Capela Der 21-Jährige Genfer hat das Potenzial, in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA ein Star zu werden. Schon jetzt ist er bei den Houston Rockets ein unverzichtbarer Leistungsträger.
#27: Andy Gross Der Berner Fürsprech und Notar vertritt unter anderem die Interessen von prominenten Klienten wie Granit Xhaka. Der äusserst diskrete Non-Konformist und Alt-Rocker fädelt grosse Deals ein, hat aber ein kleines Ego.
#28: Mujinga Kambundji Die Sprinterin ist das Gesicht der Schweizer Leichtathletik geworden. Die Bernerin hat Kraft ihrer Ausstrahlung das Potenzial, in dieser Olympischen Kernsportart viel Einfluss zu nehmen.
#29: Reinhard Fromm Tennis-Mäzen. Schob die Karriere von Stan Wawrinka an und unterstützt ihn bis heute. Geldgeber bei Timea Bacsinszky, Viktorija Golubic, Rebekka Masarova und zahlreichen anderen. Sponserte auch Belinda Bencic.
#30: Ancillo und Heliane Canepa Ohne das schillernde Präsidenten-Ehepaar ginge beim FC Zürich nichts und wäre der Schweizer Fussball um eine Attraktion ärmer. Wenn «Cillo» poltert, dann hört die Fussball-Schweiz zu.
#31: Claudio Sulser Der etwas schwammige Begriff «Delegierter des Nationalteams» heisst nichts anderes als: Chef von Nati-Trainer Vladimir Petkovic. Hebt oder senkt damit den Daumen des wichtigsten Schweizer Sport-Angestellten.
#32: Roger Brennwald Der «Mister Swiss Indoors» holt die Tennis-Weltspitze seit 50 Jahren nach Basel. Geht innovative Wege in der Vermarktung, hat sich auch als Förderer von Schweizer Talenten hervorgetan. Zuletzt mit dem Projekt «Champions von Morgen».
#33: Marc Lüthi Der CEO des SC Bern, des aktuell sportlich und finanziell erfolgreichsten Schweizer Eishockeyklubs. Vertritt die Interessen seines Klubs ohne Rücksicht auf Verluste. Nimmt auf nationaler Ebene weniger Einfluss als auch schon.
#34: Severin Lüthi Früher Mädchen für alles. Erfolgscoach von Roger Federer. Aber auch Davis-Cup-Captain und Verantwortlicher für die Agenda 2020 bei Swiss Tennis – und damit für die Weichenstellung für die Zeit nach Federer und Wawrinka.
#35: Thomas Straumann Der Mäzen des CSI Basel und damit dafür verantwortlich, dass der Spitzenreitsport nach dem Ende des CSI Zürich (Ende Januar 30. und letzte Ausgabe) weiter einen Platz im Schweizer Veranstaltungskalender hat.
#36: Rolf Gasser Der Geschäftsführer des Schwingerverbands ist der grosse Strippenzieher hinter und vor den Kulissen. Im Schwingsport wird keine wichtige Entscheidung ohne seinen Segen gefällt.
#37: Mike Kurt Der ehemalige Olympia-Kanute gehört dank seiner Crowdfunding-Plattform «I believe in you» zu den grössten Geldbeschaffern für den Schweizer Sport.
#38: René Fasel Der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbands und IOC-Mitglied erlitt zuletzt ein paar empfindliche Schlappen: Olympia findet ohne NHL-Stars statt. Dazu die Sanktionen gegen die ihm stets wohlgesinnten Russen.
#39: Fabian Cancellara Der zurückgetretene Radstar ist der Mann, der den kriselnden Strassen-Radsport in der Schweiz wieder auf Vordermann bringen könnte. Kann mit seiner Ausstrahlung und seinem Selbstvertrauen Türen öffnen.
#40: Murat Yakin Dem Trainer der Grasshoppers wurde der rote Teppich ausgelegt. Kann beim kriselnden Traditionsklub schalten und walten, wie er will. Aber auch sein Erfolg steht und fällt mit den beschränkten finanziellen Möglichkeiten.
#41: Andy und Hansueli Rihs: Weil das Geld bei YB mittlerweile gut gemanagt ist, steigt auch die Spendierlaune der beiden Besitzer wieder. Und damit die Chance, dass es tatsächlich einmal einen anderen Meister als Basel gibt.
#42: Patrick Magyar Der ehemalige Direktor von Weltklasse Zürich und Manager von Mujinga Kambundji ist mit seinen Visionen und finanziellen Mitteln der Hauptverantwortliche für den Aufschwung der Schweizer Leichtahletik.
#43: Armin Meier Der Manager hat zwar mit Daniela Ryf eine prominente Klientin (freiwillig) verloren, zeigt aber mit Fabian Cancellara, dass er zurückgetretenen Spitzensportlern bei der Karriere nach der Karriere helfen kann.
#44: Raeto Raffainer Der Direktor der Schweizer Eishockey-Nationalteams hat seine nicht risikofreie «Swissness»-Philosophie mit Nationaltrainer Patrick Fischer in der Hauptrolle durchgezogen und damit an Profil und Einfluss gewonnen.
#45: Guy Parmelin Der Bundesrat hat als Sportminister mehrheitlich repräsentative Aufgaben und nur beschränkten Einfluss. Zeigt mit seinem Einsatz für das Olympia-Projekt Sion 2026 aber, dass in seiner Brust ein Sportlerherz schlägt.
#46: Vicky Mantegazza Die Präsidentin des HC Lugano setzt ihre Interessen mit viel Herzblut und notfalls auch mit juristischen Mitteln durch. Sie orchestrierte unter anderem die Entmachtung von Hockey-Einzelrichter Victor Stancescu.
#47: Oliver Senn Der Direktor der Tour de Suisse ist ein innovativer Geist, der auch versucht, auf internationaler Ebene frischen Wind in die verkrusteten Machtstrukturen des Radsports zu bringen.
#48: Alessandro Grecp Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis und damit an den Schalthebeln für die Zukunft. Hat mitgeholfen, die Infrastruktur am Hauptsitz in Biel auf Weltklasse-Niveau zu heben. Grundvoraussetzung für Talentförderung.
#49: Jüergen Krucker Der Geschäftsführer des Handball-Verbands sorgt dafür, dass eine Sportart, die zwischenzeitlich in der Anonymität versunken ist, wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
#50: Christophe Dubi Der Sportdirektor des IOC ist für jede Olympiabewerbung die wichtigste Bezugsperson – somit auch für die Kandidatur von «Sion 2026». Verfechter der Rückkehr zu «weissen» Winterspiele.

#4: Roland Mägerle Auch wenn die No-Billag-Initiative wie ein Damokles-Schwert über der SRG schwebt: Der Leiter der SRF Business-Unit Sport hat Kraft seines Amtes ein grosses Machtvolumen. Wer TV-Präsenz bieten kann, der hat viel Einfluss.

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Wer so mächtig ist, kann sich Unabhängigkeit leisten. Roger Federer ist nicht mehr bei einer der grossen, globalen Vermarktungsagenturen unter Vertrag. Vielmehr hat er dem IMG-Urgestein Tony Godsick (USA) beim Aufbau einer eigenen Firma geholfen und wird nicht mehr von einem namenlosen Konzern, sondern einer Boutique betreut. Die Partnerschaft Godsick-Federer ist mit knapp zwei Dezennien eine der längeren im Tennisgeschäft.
Wer im Sport das Nirwana der Unabhängigkeit von Verbänden, Firmen, Funktionären und Strukturen erreicht, ist wahrlich mächtig. Der Mächtigste der Schweiz, der Welt.

#2 Gianni Infantino

Gianni Infantino steht als Beispiel für institutionelle Macht. Wenn wir hinter ihm das Schild «Fifa-Präsident» abmontieren, dann schrumpft er zur Bedeutungslosigkeit. Roger Federer und sogar Christian Constantins Macht, Einfluss und Bedeutung hängen nicht an einem Amte. Die von Gianni Infantino hingegen schon. Und wer das Amt des Fifa-Präsidenten bekleidet, ist mächtig. Unabhängig davon, ob er charismatisch ist oder nicht.

FIFA-Präsident Gianni Infantino

FIFA-Präsident Gianni Infantino

KEYSTONE/EPA/ERDEM SAHIN

Die eigentliche Leistung ist die Eroberung dieses Amtes. Der Fifa-Präsident ist ein König, in dessen Reich die Sonne nie untergeht. Er öffnet weltweit mehr Türen als alle unsere Bundesräte zusammen. Weil er der Zeremonie- und Kassenmeister eines globalen Sportspektakels (Fussball-WM) ist, kann er über alle Grenzen und Ethnien hinweg als Verschnitt zwischen Donald Trump und dem Dalai Lama viel für viele Kassen und zusätzlich noch etwas für das Gemüt und die Seele tun.

Gianni Infantino hat Kraft seines Amtes eine enorme Machtfülle. Er hat die Schlauheit, die es ihm möglich gemacht hat, das höchste Amt des Fussballs zu erobern, indem er so tat, als wolle er alles ändern und dann doch alles so belassen hat, wie es ist. Wenn er als begabter Machiavellist auch die Weisheit und die Demut hat, zu verstehen, wie abhängig er von denen ist, die ihm zur Macht verholfen haben, dann wird er lange den Weltfussball regieren.

#3 Christian Constantin

Christian Constantins Macht beruht weder auf seinem Amt als Präsident des FC Sion noch auf ausserordentlichen sportlichen Erfolgen mit diesem Fussballunternehmen. Eigentlich ist er «nur» ein Lokalfürst. Eigentlich. Aber er nimmt sich die Macht und Freiheit heraus, zu tun und zu lassen, was er will und hat sich so selber mächtig gemacht. Logisch, dass beim FC Sion niemand an ihm vorbeikommt.

Sion-Präsident Christian Constantin

Sion-Präsident Christian Constantin

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Aber auch bei der olympischen Operetten-Kandidatur Sion 2026 mischt er mit. Mit seinen grandios inszenierten Eskapaden führt er alle am Nasenring durch die helvetische Sportarena – die ohnmächtigen Fussball-Bürogeneräle ebenso wie die Chronistinnen und Chronisten zwischen Genf und Romanshorn. Sein jüngstes Meisterstück: die Inszenierung von Krach und Versöhnung mit Rolf Fringer auf nationaler Bühne – eines der besten Theaterstücke unserer Sportgeschichte um Schuld und Sühne. Als sei es von Shakespeare.

Er wird nicht von den Medien getrieben. Er sitzt selber im Maschinenraum der grossen Medienmaschine, bedient sich der Ohnmächtigen und produziert wo und wann und mit wem er will den Rohstoff, den die grosse eidgenössische Medienindustrie braucht. Wie Hollywood. Das ist im Sport des 21. Jahrhunderts wahre Macht.

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