Analyse

Identitätskrise beim FC Basel nach der GV: Ohne einen gemeinsamen Weg wird es nicht besser

Ob Bernhard Burgener die zweideutigen Signale der Mitglieder richtig interpretieren wird?

Ob Bernhard Burgener die zweideutigen Signale der Mitglieder richtig interpretieren wird?

Die Mitglieder sind misstrauisch. Gegen die Führung aber auch gegen die Opposition. Der neue Präsident Reto Baumgartner ist jetzt als Kommunikator gefragt. Er muss zwischen Parteien vermitteln, die weit davon entfernt sind, wieder zueinander zu finden. Doch genau das braucht der FC Basel. Ein Teufelskreis.

Bernhard Burgener? Wollen wir nicht mehr! Roland Heri? Wollen wir erst recht nicht mehr! Neue Statuten? Auch nicht! Neue Vorstandsmitglieder? Nein Danke! Yystoo? Nein! Die FCB-Mitglieder haben an der GV vor allem eines: Abgelehnt. Teilweise knapp, wie bei Yystoo- und Muttenzerkurve-Vertreter Tobias Adler, dem nur 39 Stimmen zur Wahl in den Vereinsvorstand fehlten. Teilweise aber auch knallhart, wie bei CEO Roland Heri, den nur 669 abstimmende Mitglieder (25,8 Prozent) gerne weiter im Verwaltungsrat sehen würden.

Der Grundtenor ist also ein konservativer. Die FCB-Mitglieder sind misstrauisch gegenüber der Klubführung, aber auch gegenüber dem Gegenpol, der Bewegung Yystoo. Und so hat diese historische GV eigentlich weder Gewinner noch Verlierer. Bernhard Burgener muss sich mit dem Misstrauensvotum der Mitglieder auseinandersetzen. Seine Wunschkandidaten sitzen aber weiterhin im Vorstand und können auch in Zukunft gemeinsam mit dem Eigentümer arbeiten. Reto Baumgartner ist zwar mit überzeugender Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden. Doch neben ihm sitzen nur noch zwei weitere Kollegen. Das ist eigentlich etwas wenig Personal, um den Laden zu schmeissen. Und Yystoo bekommt das gewünschte Misstrauensvotum gegen die Vereinsführung und die Ablehnung der neuen Statuten. Doch vom Fünferticket schafft es überraschend keine einzige Kandidatur in den Vorstand. Eine herbe Enttäuschung, für die intern aktuell noch nach Gründen gesucht wird. «Die Schnittmenge zwischen unseren Unterstützern und den FCB-Mitgliedern war möglicherweise zu gering», sagt Yystoo-Sprecher David Frey am Tag nach der Verkündung. Das Fazit bei Yystoo fällt gemischt aus. Doch die Enttäuschung über die Nicht-Wahl der eigenen Kandidaten überwiegt dann doch. Ob sie 2021 einen neuen Anlauf nehmen wollen, ist noch nicht entschieden.

Die Suche nach einer gemeinsamen Strategie

Sowieso ist aktuell vieles beim FCB nicht entschieden. Der Klub befindet sich in einem schmerzhaften Prozess der Selbstfindung und hat offenbar Mühe, sich für einen gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft zu entscheiden. Die Strategie von Burgener, Kritik auszusitzen und durch sportlichen Erfolg wieder für bessere Stimmung zu sorgen, wird von den Mitgliedern ebenso abgewatscht wie die Bewegung Yystoo. Das Vertrauen fehlt gegenüber beiden Parteien. Der Führung und der Opposition.

Im Kern sind sich alle Beteiligten eigentlich einig. Sie wollen nur das Beste für ihren Herzensverein. Doch es fehlt ein gemeinsamer Weg, eine Strategie, die von Führung, Mitgliedern und Fans mitgetragen wird. Solange diese nicht auf dem Tisch liegt, wird der Klub immer wieder auf Probleme stossen und mit sich selber kämpfen.

Der neue Präsident Baumgartner ist überzeugt, dass ein solcher Weg auch unter der Führung von Burgener gefunden wird. Die Ruhe in den letzten Monaten geben ihm nach eigener Aussage Hoffnung. Doch solche Phasen der Ruhe gab es in den letzten vier Jahren immer wieder, nur um dann von neuerlichem Krawall abgelöst zu werden. Die Skepsis, dass der FCB unter Burgener langfristig die Kurve kriegt, ist nicht so einfach wegzuwischen. Sonst hätten wohl kaum so viele Mitglieder gegen den Eigentümer gestimmt. Dass die Basis dem Boss das Vertrauen entzieht, gab es so beim FCB noch nie. Das sollte auch Burgener zu denken geben. Auch wenn er als Eigentümer theoretisch weiterhin die alleinige Entscheidungshoheit hat.

Letzte Hoffnung Baumgartner

Baumgartner hat bereits angekündigt, dass er mit Yystoo zusammenarbeiten will. Zum Beispiel bei der Überarbeitung der Statuten. Er ist zuversichtlich, an der nächsten GV ein mehrheitsfähiges Produkt zu präsentieren. Noch wichtiger wird für ihn aber sein, zwischen Klub-Führung und Basis zu vermitteln. Als guter Kommunikator kann Baumgartner Burgeners Kommunikationsschwäche kaschieren. Denn so lange die Fronten so verhärtet sind wie aktuell, kann der FCB langfristig keinen Erfolg haben.

Meistgesehen

Artboard 1