Boris Becker hat mich als «Idiot» betitelt. Ja, der richtige Boris Becker. Auf Twitter. Ich hatte mir erlaubt, ihn aufgrund seines Jubel-Tweets zum Olympia-Final-Einzug der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft etwas anzuzünden. «Sogar #Bobele tweetet jetzt über Eishockey. Wusste der vor diesem Spiel überhaupt, dass die deutsche Mannschaft an den Olympischen Spielen teilnimmt?»

Zugegebenermassen eine etwas fiese Unterstellung. Aber die Hype-Maschinerie läuft in solchen (Erfolgs-)Fällen er- fahrungsgemäss jeweils schnell auf Hochtouren – inklusive Promis, die sich auch ein wenig im Erfolg sonnen.

Nun: Boris «Bobele» Becker (oder sein PR-Mann, der den Twitter-Account bewirtschaftet) sah sich genötigt, mir eine verbale Retourkutsche zu verabreichen. Eben «Idiot». Und: «Respektiere einen Goldmedaillen-Gewinner» (er gewann 1992 in Barcelona den Doppel-Wettbewerb). Das ist legitim. Vor allem, wenn sich der ehemalige Tennis-Star wirklich für Eishockey interessiert. Auch im ausserolympischen Alltag. Ob dem so ist, weiss ich allerdings nicht.

Aber ich weiss, dass das Eishockey in Deutschland ausserhalb solcher Höhepunkte einen schweren Stand hat. Die Spiele der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF maximal noch eine Randerscheinung.

Die Sportart geniesst in den Hochburgen durchaus einen gehobenen Stellenwert, landesweit kämpft man aber mit Sportarten wie Basketball und Volleyball um Anerkennung und Zuschaueranteile. König Fussball ist sowieso übermächtig.

Ganz zu schweigen von den konkurrierenden Wintersportarten wie Biathlon oder Skispringen. An dieser Stelle sollte man auch nicht verschweigen, dass die ARD den Olympia-Halbfinal gegen Kanada nicht einmal von Beginn an übertrug. Man wartete lieber den Schluss der Biathlon-Staffel ab.

Wie dem auch sei: Es wäre schön, wenn der unglaubliche Olympia Exploit der deutschen Nationalmannschaft bei unserem nördlichen Nachbarn einen nachhaltigen Effekt hätte. Dass populäre Figuren wie Boris Becker dabei helfen können, ist logisch. Aber eben: Es nützt dem Deutschen Eishockey nichts, wenn im Moment des Triumphs alle klatschen, dann aber blitzartig wieder zur Tagesordnung zurückkehren.

Darum: Lieber Bobele. Bleibe Eishockey-Fan – dann bleibe ich gerne ein Idiot.