Handball-WM
Michal Svajlen: Stand-by-Nationalspieler als Symbol für das Schweizer Handball-Wunder

Michal Svajlen ist der Schwerarbeiter im Nationalteam. Dabei lässt sein Körper kaum noch Einsätze auf höchstem Niveau zu. Trotzdem zeigt der Abwehrspezialist phänomenale Darbietungen. Auch am Freitag ab 15.30 Uhr gegen Portugal?

François Schmid-Bechtel
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Michal Svajlen (Nummer 8), der kompromisslose Türsteher in der Schweizer Abwehr.

Michal Svajlen (Nummer 8), der kompromisslose Türsteher in der Schweizer Abwehr.

Petr Josek / Pool / EPA

Nach der EM 2020 verständigte sich Michal Svajlen mit Nationaltrainer Michael Suter auf die Rolle als Stand-by-Nationalspieler. Nicht, weil der Abwehrspezialist nicht mehr genügen würde. Der Grund: In Svajlens Knie gibt es nach drei Operationen kaum noch Knorpel. Teilweise drückt Knochen auf Knochen. Das kann extrem schmerzhaft sein. Deshalb wird er im Sommer mit erst 31 auch bei Pfadi Winterthur seinen Rücktritt geben.

Als Suter am Dienstag vor einer Woche Svajlen anruft, erkundigt sich er, ob er für die EM-Qualifikationsspiele im März gegen Finnland zur Verfügung stünde. Svajlen sagt zu, geht ins Training und arbeitet danach wieder an seiner Arbeit für das Wirtschaftsstudium, das er im Februar abschliessen wird.

Svajlen sagt für die WM zu und muss danach sein Studium neu organisieren

Als sich Suter am Abend wieder meldet, denkt Svajlen erst, der Nationaltrainer hätte sich verwählt. Suter fragt, ob Svajlen auch zur WM mitfahren wolle. «Ich habe spontan zugesagt. Erst nach dem Gespräch ist mir in den Sinn gekommen, dass ich erst hätte klären müssen, ob es wegen des Studium überhaupt möglich ist.» Es ist zum Glück möglich.

Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass Svajlen ohne persönlichen Torerfolg aus Ägypten zurückkehren wird. Aber seinen Wert kann man eh nicht in Skorerpunkten messen. Svajlen ist ein Schwerarbeiter fürs Team. Einer, der mit seiner unprätentiösen Spielweise den offensiven Schillerfaltern den Rücken freihält und stärkt. Ein solidarischer Teamplayer. Er verkörpert, was dieses Team so stark macht.

Trotz des Höhenflugs wird er an seinem Plan, Ende Saison mit Handball aufzuhören, nichts ändern. «Ich will den Bogen nicht überspannen», sagt er. Immerhin: Er wird bei Pfadi als Assistent nahtlos ins Trainerbusiness einsteigen. Szenekenner prophezeien Svajlen eine grosse Trainerkarriere. Einerseits, weil er ein intelligenter, reflektierter Mensch ist. Andererseits, weil er ein enormes Handballverständnis hat. Was ihm zu grossen Teilen in die Wiege gelegt worden ist.

Lubomir Svajlen: Wenn er in der Slowakei eine Halle betritt, erheben sich die Zuschauer und applaudieren.

Lubomir Svajlen: Wenn er in der Slowakei eine Halle betritt, erheben sich die Zuschauer und applaudieren.

PD

Vater Lubomir, heute Goalietrainer der Frauen von Brühl und der Männer von St. Otmar, ist eine Legende in der Slowakei. Als Torhüter bestritt er für die Tschechoslowakei und nach der Wende für die Slowakei total 175 Länderspiele. Michal erinnert sich: «Es war eigentlich klar, dass ich Handballspieler würde. Als mein Vater in Ungarn bei Veszprem spielte, war ich jeden Tag in der Halle beim Training der Profis und habe Bälle geworfen.»

Da gibt es noch eine Geschichte von 2008: Lubomir, 44 und Hausabwart bei der Stadt Zürich, kommt zu einem unverhofften Comeback bei Amicitia, weil der Stammtorhüter verletzt ist. Nicht in irgendeinem Spiel, sondern im entscheidenden Titel-Duell gegen Kadetten Schaffhausen. Svajlen Senior kommt in der Schlussphase für vier Penaltys auf die Platte, hält drei und wird mit seinem Sohn Schweizer Meister. Und wer ist noch mit von der Partie? Andy Schmid, damals Teamkollege der Svajlens.