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Grund für den misslungenen Saisonstart: Weil dem FC Luzern die Energie fehlt

Mehr Ballkünstler denn Kämpfer: FCL-Neuzugang Alex Carbonell (links).

Mehr Ballkünstler denn Kämpfer: FCL-Neuzugang Alex Carbonell (links).

Vor der Saison als Transfersieger gefeiert, geht der FCL heute Samstag (20.30 Uhr) in Genf gegen Servette sieglos in das achte Ligaspiel.

Alle lobten den Luzerner Sportchef am Ende der Transferperiode. Remo Meyer hatte das 19-jährige Talent Darian Males an Inter Mailand verkauft. Inklusive Bonus werden die Innerschweizer total 3,5 Millionen Franken für den Offensivmann aus dem eigenen Nachwuchs bekommen. Für Idriz Voca, ebenfalls eigens ausgebildet, erhielt der FCL vom türkischen Verein Ankaragücü lediglich 400000 Franken. Mit dem defensiven Mittelfeldspieler wollte Meyer nicht über das Saisonende hinaus verlängern. Darum ging der 23-jährige Kosovo-Internationale aus Stansstad – und mit ihm die Erfahrung aus über 80 Super-League-Partien sowie zehn A-Länderspielen.

Ebenso fehlt den Luzernern der spielstarke Angreifer Males, der von Inter an Serie-A-Gegner Genua ausgeliehen wurde. Aber noch mehr vermissen sie die Qualitäten von Francesco Margiotta. Den 27-jährigen Italiener hatte Meyer im Sommer 2019 vom damaligen Challenge-League-Verein Lausanne-Sport für 700000 Franken gekauft.

Die 20 Skorerpunkte von Margiotta fehlen spürbar

Mit elf Ligatreffern und neun Assists war er in der letzten Saison der Toptorschütze und Topskorer des FCL. Margiotta war sich seines Werts offensichtlich bewusst, verlangte eine Aufbesserung des noch bis 2022 laufenden Vertrags. «Ich habe bei meinem Wechsel zu Luzern auf viel Geld verzichtet», erklärte er dieser Zeitung. Meyer ging auf die Forderungen nicht ein, die Situation eskalierte, als der Mittelstürmer in den ersten beiden Saisonspielen streikte und später unentschuldigt dem Training fernblieb. Der FCL trennte sich von Margiotta, dieser fand beim Serie-B-Klub Chievo Verona einen neuen Arbeitgeber. Um die Transfersumme streitet Luzern mit Margiotta und Chievo.

Trotz den zweifellos vorhandenen Qualitäten von Margiotta, Voca und Males sind Meyer und FCL-Trainer Fabio Celestini bis zum heutigen Tag überzeugt, mit den Neuzugängen eine bessere Mannschaft als im Vorjahr zusammengestellt zu haben. Mehr als zwei Millionen Franken konnte Meyer aus der Ablöse von Males in neue Spieler reinvestieren. Celestini wollte ein unberechenbareres und spielstärkeres Kader als in der Vorsaison, in der er seit Januar 28 Punkte aus 18 Begegnungen holte und den FCL aus der Abstiegszone auf Platz 6 führte.

Nur im ersten Spiel in Neubesetzung funktionierte das Offensivspiel

Doch die Resultate der laufenden Saison blieben schwach wie am Ende der letzten (nur ein Sieg in den letzten 15 Spielen): Bloss drei Zähler sammelte das neuformierte Team aus sieben Partien, steht mit Aufsteiger Vaduz punktgleich am Tabellenende. «Das ist sicher zu wenig», stellt Sportchef Meyer fest, enttäuscht und unzufrieden seien sie. Als Vorwurf muss sich der FCL gefallen lassen, dass alle sieben Neulinge erst nach der Vorbereitung verpflichtet wurden.

Seltsamerweise schien sich die Mannschaft im ersten Spiel in der neuen Besetzung gefunden zu haben. Beim Heimspiel der 4. Runde gegen St. Gallen (2:2) bot sie ein offensive Feuerwerk. Doch seither geht nicht mehr viel: Torhüter Marius Müller verhinderte beim Meister YB (1:2) eine klar höhere Niederlage und in Zürich (0:2) monierte Celestini zu Recht fehlende Intensität bei seinen Schützlingen.

Sensible Techniker ohne Luzerner DNA

Nach dem 1:1 gegen Vaduz und vor dem Match bei Tabellennachbar Servette (8.) heute Samstag (20.30 Uhr) stellt er fest:

Damals stand Luzern kompakter, jetzt stellt es mit 14 Gegentoren die anfälligste Abwehr der Liga.

Meyer liess sich mit dem Coach auf einen riskanten Umbruch ein. Der von Köln ausgeliehene Österreich-Internationale Louis Schaub, Ex-Servettien Varol Tasar und der bei Barcelona ausgebildete Spanier Alex Carbonell gelten als sensible Ballkünstler, haben mit der Kämpfer-DNA des FCL wenig gemein. Celestini, der im Sommer mit Basel geflirtet hatte und dessen geplante Vertragsverlängerung über den Sommer 2021 hinaus seither nicht mehr Thema ist, bestätigt die Sensibilität seiner Edeltechniker. «Sie müssen es bald schaffen, ständig ein Mindestniveau zu erreichen.»

Carbonell muss in Genf zuschauen, er ist nach dem Platzverweis gegen Vaduz gesperrt. Verletzt ist immer noch Samuel Alabi. Der Angreifer aus Ghana von Ashdod kostete eine Million Franken, sein Knie schmerzt. Er hatte erst einen Kurzeinsatz.

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