Fifa-Präsident Gianni Infantino im Fadenkreuz

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Situation der Fifa.

Drucken
Teilen
Fifa-Präsident Gianni Infantino. (Bild: Keystone)

Fifa-Präsident Gianni Infantino. (Bild: Keystone)

Will Präsident Gianni Infantino die Fifa verkaufen?

Am 16. November macht die «Süddeutsche Zeitung» publik, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino seit März 2018 mit einer Gruppe von Investoren über das Projekt «Trophy» verhandle. Offiziell geht es um eine Weltliga der Nationalmannschaften und eine Klub-WM mit 24 Teams. Offenbar ist damit aber auch geplant, praktisch sämtliche Rechte, welche die Fifa an ihren Fussballevents hat, in eine Investorengesellschaft auszulagern. Die Fifa würde daran 51 Prozent halten, die Investoren 49 Prozent. Dieser Deal würde der Fifa 25 Milliarden Dollar einbringen. Konkret wurden über das Enthüllungsportal «Football-Leaks» zwei Dokumente publik. Die Fifa bezeichnet sie als veraltet. Offenbar hatte sich aber die Rechtsabteilung der Fifa bereits damit beschäftigt. Chefjustiziar Marco Villiger hatte vor den juristischen Folgen dieser Rechteausverkäufe gewarnt. Er arbeitet heute nicht mehr bei der Fifa.

Welche Beweggründe stehen hinter dem Handeln von Infantino?

Am 5. Juni 2019 muss Gianni Infantino erstmals seit seinem Amtsantritt im Februar 2016 als Fifa-Präsident wiedergewählt werden. Je grösser der Geldsegen, den Infantino den Mitgliedsnationen versprechen kann, umso höher seine Wahlchancen. Doch das finanzielle Korsett der Fifa ist enger geworden. Die Korruptionsskandale der letzten Jahre haben sich spürbar auf die Sponsoringeinnahmen ausgewirkt. Auf der Ausgabenseite wiegt Infantinos Versprechen bei Amtsantritt schwer, die Mittel für die Verbände zu vervierfachen. Eine Milliardenspritze kommt da wie gerufen. Noch ist kein Gegenkandidat bekannt, Widerstand muss Infantino primär aus Europa fürchten. Afrika, Asien, Nord- und Südamerika stehen hinter ihm. Dort sind die Football-Leaks kaum ein Thema.

In welchen Zusammenhängen steht Infantino unter Druck?

Infantino war 2016 mit dem Versprechen angetreten, eine neue «Phase der Offenheit und Transparenz» einzuläuten. Das schien sich zunächst auch zu bewahrheiten, es gab kaum neue Fälle von Korruption. Seit der Auswechslung der beiden Vorsitzenden der Ethikkommission, Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert, im Sommer 2017 ist die Skepsis gegenüber der Person Infantino aber deutlich gestiegen. Die neue Chefermittlerin Maria Claudia Rojas aus Kolumbien bleibt weitgehend untätig. Die neusten Enthüllungen von «Football Leaks» sprechen davon, dass Infantino persönlich die Formulierungen des neuen Ethik-Codes abgeschwächt habe. Noch als Uefa-Generalsekretär soll Infantino den Grossklubs PSG und ManC bei der Umgehung des Financial Fairplay (FFP) geholfen haben, indem er darauf hinwirkte, die Strafen gegen Verstösse der beiden Klubs massiv zu reduzieren. Die beiden Klubs gehören Scheichs aus Katar und Abu Dhabi. Infantino behauptet, sich im Rahmen seiner Kompetenzen bewegt zu haben. Kein Vorwurf gegen ihn sei «juristisch relevant».

Woher stammen alle Informationen? Was ist «Football-Leaks»?

Ende September 2015 erscheinen Dokumente im Netz, die zwielichtige Machenschaften im portugiesischen Fussball anprangern. Analog zu «Wikileaks» nennt sich die Plattform «Football-Leaks». 2016 entscheiden sich die Informanten, mit dem «Spiegel» zusammenzuarbeiten. Die Zeitschrift beschliesst, die 1,9 Terabyte Informationen mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) zu teilen. Am 2. Dezember 2016 erscheint in den Medien die erste Story über Steuertricks von Cristiano Ronaldo. Bisher erhielt das EIC 70 Millionen Dokumente zugespielt, darunter auch das belastende Material gegen Infantino.

Wieso liegen sich die Fifa und die Uefa in den Haaren?

Es geht um den Einfluss auf den Klubfussball. Die Uefa hat mit der Champions League ein goldenes Kalb im Portfolio, der Fifa fehlt auf Klubebene ein vergleichbares Gegenstück. Deshalb lancierte Infantino die Idee mit der neuen Klub-WM. Die Europäer befürchten einen damit verbundenen Wertverlust der Champions League.

Etienne Wuillemin, Christoph Bopp und Rainer Sommerhalder

Aktuelle Nachrichten