Gerwyn Price aus Wales ist Weltmeister: Die Dartswelt hat eine neue Nummer eins

Der Waliser Gerwyn Price ist erstmals Weltmeister. Ausserdem löst er den bisherigen Branchenprimus ab.

René Barmettler
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Gerwyn Price mit der Trophäe am Sonntagabend in London.

Gerwyn Price mit der Trophäe am Sonntagabend in London.

Adam Davy/Keystone

Der einseitige WM-Final in London erlebte am späten Sonntagabend doch noch so etwas wie ein Drama: Der bisher so nervenstarke Gerwyn Price, der seinen Gegner Gary Anderson längst zur Verzweiflung getrieben hatte, kriegte das Nervenflattern vor seiner Überquerung der Ziellinie. Verzeichnete er bis zu seinen Matchdarts eine schier unglaubliche Auscheckquote von fast 80 Prozent, verpassten seine Pfeile die Doppelzahlen plötzlich um mehrere Zentimeter. Unglaubliche elf Darts verfehlten ihr Ziel, ehe der zwölfte dann doch noch in die Doppel-5 flog und den 35-jährigen Waliser erlöste. «Ich bin überwältigt. Es gibt keine Worte, die das beschreiben können», sagte er nach seinem 7:3-Satzsieg gegen den 50-jährigen Schotten Anderson.

«Ich habe am Ende ein paar Nerven gezeigt. Ich habe mich auf die Doppel fokussiert, aber die Trophäe war schon in meinem Kopf. Die Doppel-5 wird mein neues Lieblingsdoppel.»

Der Jubel nach seinem ersten WM-Titel fiel verhalten aus. Erstaunlich, denn zuvor feierte er seine zahlreich gelungenen Aktionen am Dartsbrett jeweils mit seinen berühmt-berüchtigten Jubelorgien. Am Ende war er jedoch mit seinen Nerven am Ende und einfach nur noch erleichtert. Mit feuchten Augen schritt er zum 72 Zentimer grossen und 25 Kilogramm schweren Pokal und hob diesen in die Höhe. Price schloss sein bisher erfolgreichstes Jahr seiner Profikarriere ab, die 2014 begonnen hatte. Siege beim World Grand Prix, den World Series of Darts Finals und dem World Cup of Darts – zusammen mit Jonny Clayton – und nun als Krönung der WM-Titel. Dieser brachte ihm ein Preisgeld von 500 000 englischen Pfund (600 000 Franken) ein. Die Weltrangliste (Order of Merit) wird nach eingespielten Preisgeldern geführt, dort wird Price nun an erster Stelle geführt.

Michael van Gerwen wird im Viertelfinal gedemütigt

Price löste damit den dreimaligen Weltmeister Michael van Gerwen an der Weltranglistenspitze ab. Der 31-jährige Niederländer war zuvor während sieben Jahren die Nummer eins. Sein Start in die soeben abgelaufene WM verlief verheissungsvoll. Doch dann, im Viertelfinal, erlitt er einen Totalausfall. Dem Engländer Dave Chisnall (40), der in seiner Karriere noch nie etwas gewonnen hatte, gelang gegen den langjährigen Dominator das Spiel seines Lebens und siegte mit 5:0-Sätzen. Die Weltnummer sechs scheiterte dann im Halbfinal gegen Anderson mit 3:6 deutlich. Der Schotte kämpfte in den vergangenen Jahren mit Rückenproblemen, ist neu motiviert und zeigte sich auch gegenüber britischen TV-Kommentatoren kampfeslustig. Doch gegen Price hatte er im Final nichts entgegenzusetzen. Der ehemalige Rugbyspieler hat sein grosses Ziel erreicht.