Kolumne

GC – die stärkste Marke der Schweiz

Die Magie der zwei Buchstaben reicht aus, um immer wieder Investoren zu finden, die nicht wahrhaben wollen, dass GC längst der grösste Selbstbedienungsladen geworden ist.

Die stärkste Marke der Schweiz? Nestlé? UBS? Roche? Rolex? Nein. GC. Nun können wir einwenden, diese Behauptung sei barer Unsinn. Nirgendwo in unserem Sportbusiness ist die Misswirtschaft so offensichtlich, sind die Fans unanständiger, die roten Zahlen hartnäckiger und die sportlichen Triumphe seltener. Und nun gar ein 0:1 gegen Kriens. Das soll die stärkste Marke der Schweiz sein? Aber es ist, wie es ist. Die Geschichte ist verbürgt. Kürzlich hat Romano Spadaro versucht, eine Männerrunde zusammenzubringen, die bereit ist, in GC zu investieren. Er hat auch einen mit akademischen Titeln hochdekorierten Grossmeister der Geldwirtschaft angefragt. Dessen logische Antwort hätte eigentlich ein «Satan, weiche von mir!» sein müssen.

Kolumnist Klaus Zaugg

Kolumnist Klaus Zaugg

Aber so war es nicht. Auf meine Hinweise auf die unhaltbaren Zustände bei GC war seine Antwort: «Aber es ist GC» und «sonst kommen ausländische Investoren». Allein die Tatsache, dass kluge Kapitalisten an GC interessiert sind, ist der Beweis für die immense Strahlkraft. Mit ziemlicher Sicherheit haben bei keiner anderen Sportfirma schon so viele Titanen der Wirtschaft so viele Millionen «verlocht». Hexenmeister der Geldvermehrung wie Roche-General Fritz Gerber, CS-Zampano Rainer E. Gut oder Stephan Anliker, der gute Mensch aus Langenthal und der Zürcher «Stadtgärtner» Werner H. Spross. Wie kann das sein? Es ist die Kombination aus Macht und Geld. GC als Kürzel für den Finanzplatz Zürich. Und keine andere Gönnervereinigung ist so sagenumwoben wie der «Donnerstag Club». Für Romantiker noch immer so etwas wie eine Tafelrunde der kapitalistischen Tempelritter, der innere Zirkel des Zürcher Geldadels.

Tatsächlich traf sich dort das Establishment schon in den 1950er-Jahren im Namen des Sportes, als anderorts das Geld auf den Sportplätzen noch mit dem Hut eingesammelt wurde. Die stärkste Marke im Land zu sein, ist inzwischen für GC Segen und Fluch zugleich. Die Magie der zwei Buchstaben reicht aus, um immer wieder Investoren zu finden, die nicht wahrhaben wollen, dass GC längst der grösste Selbstbedienungsladen für schlaue Gaukler, Taschenspieler und Possenreisser des Fussballgeschäftes geworden ist.

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